Andreas Schick, Honorarkonsul für die IX. Region Araukanien

«Pack ma’s»

Andreas Schick
Andreas Schick

 

Seit April ist Andreas Schick Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Temuco. Für den Diplom-Forstwirt und Ökonom ist es eine große Ehre, die Interessen der Deutschen und Deutsch-Chilenen in der IX. Regionder Araukanie zu vertreten.

 

Von Petra Wilken

An Beschäftigung fehlt es dem deutschen Forstmeister wahrlich nicht. Er arbeitet gemeinsam mit seiner Frau Karina von Baer in der Holding AgroTop, einem Unternehmen im industriellen Agrarbereich, das sie zusammen aufgebaut haben und das heute mehr als 300 Mitarbeiter beschäftigt. Schwerpunkte sind Mühlen zur Raps- und Haferverarbeitung sowie der Saatgutvertrieb. Zudem betreibt er einen eigenen Forstbetrieb in der fruchtbaren IX. Region.

Er ist Vater von drei Jungen im Alter zwischen sieben und zehn Jahren, die in die Deutsche Schule in Villarrica gehen. Die Familie lebt und liebt das ländliche Leben. Ein gastliches Haus mit vielen Besuchen sorgt für große Freude und Abwechslung. Die Familie pflegt die Eigenversorgung, von Honig bis hin zu  Geflügel, Leberwurst und Prosciutto-Schinken kommt alles aus eigener Produktion. Andreas Schick schätzt diese Traditionen der Familie und auch die Landschaft, die der in Süddeutschland sehr ähnlich ist, wo er ursprünglich herkommt.

 

Mitten im Pfälzer Wald

Geboren ist er in Bayern und aufgewachsen bei Johanniskreuz, sozusagen mitten im Pfälzer Wald. «Schon mit acht Jahren ist mein Vater mit mir und dem Unimog in den Wald gefahren, wo wir zusammen dicke Eichenstämme rückten», erinnert er sich. Seine Familie hat eigene Wälder und ein Sägewerk, in der bis heute Fassdauben für französische Barriques oder für Jägermeister hergestellt werden.

«Schon als kleiner Bub hatte ich eine große Liebe zur Natur und wollte Forstmann werden», so Schick. Und Fernweh hatte er schon von klein auf. Mit gerade mal fünf Jahren ist er zweimal von zuhause ausgebüxt. Einmal zog er mit einem achtjährigen Freund und Äpfeln in einem kleinen roten Kinderkoffer los. «Wir kamen bis ans Ende des Tals. Aber man kennt uns natürlich. Meine Familie ist seit 1600 dort. So hielt uns ein Waldarbeiter an und meinte: ‘Habt ihr schon den Rauch gesehen? Die Hexe kocht wieder.’ Er bot uns an, bei ihm schlafen zu können. Da sind wir lieber mitgegangen. Von zuhause aus hat er gleich unsere Eltern informiert.»

 

Studium Forstwissenschaften

So dauerte es noch ein paar Jahre, bis Andreas Schick in der Welt herumkam. Dann aber gründlich. Nach dem Abitur ging er zur Marine und war auf Sylt und in Kiel stationiert. Danach studierte er Forstwissenschaften in München, Madrid, Göttingen und parallel zum Referendariat anschließend noch tropische und subtropische Forstwirtschaft und machte danach einen MBA. Während des Studiums arbeitete er als Tour Guide für US-amerikanische Touristen und war in ganz Europa unterwegs, danach arbeitete und reiste er ein Jahr lang in Afrika, Nordamerika und Asien. Auf den Philippinen war er ehrenamtlich für Rotary International unterwegs, wo er ein Schutz- und touristisches Nutzkonzept der Wälder um Manila erstellte.

Obwohl er aufgrund seiner Ausbildung zum Forstmeister und «bestallter Beamter» wurde, zog er es vor, in die internationale Kooperation zu gehen. Drei Jahre lang arbeitete er als Leiter der Tropenwaldforschung an der damaligen GTZ, der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (heute GIZ) in Eschborn bei Frankfurt am Main und hatte diverse internationale Einsätze vorwiegend in Afrika.

Zwischendurch war er mit befreundeten Forstkollegen auch nach Chile gereist, um die hervorragenden Wachstumsbedingungen der chilenischen Wälder und Land und Leute kennenzulernen, und traf dabei Karina von Baer. Sie studierte Landwirtschaft in Santiago und entschied sich für ein Auslandssemester in Göttingen. Andreas Schick arbeitete da gerade bei der EU in Brüssel. «Drei Jahre lang haben wir uns Briefe geschrieben, ab und an gesehen und uns bei einem erneuten Urlaub in Chile gefragt: ‘Was machen wir denn jetzt? Und so entschieden wir uns für ein gemeinsames Abenteuer – wir heiraten!’»

 

Hochfieber zur Hochzeit

Die Hochzeit sollte in Chile stattfinden. «Die ganze Familie und Freunde waren dort. Nur wer kam nicht zur Hochzeit? Der Bräutigam. Der lag mit Malaria tropicana – die tödliche Form mit Hochfieber im afrikanischen Kamerun im Krankenhaus – und wahrsten Sinne des Wortes, in den letzten Zügen», erzählt er. Nach der Genesung von seinem ernsthaften Zustand machte ihm Karina klar: ‘Nach Afrika gehe ich jetzt nicht so schnell’.

So kam Andreas Schick Ende der 1990er Jahre nach Chile und arbeitete im Rahmen eines Projekts der deutschen Kooperation zur nachhaltigen Naturwaldbewirtschaftung als entsandter CIM-Experte für Jürgen Paulmann. Dem inzwischen verstorbenen Inhaber von Sky Airlines gehörten ausgedehnte Waldungen in der IX. und X. Region.

 

Herausforderung Honorarkonsul

«Er hatte mit seinen damals überwiegend geplünderten Naturwäldern große waldbauliche Visionen. Mehr als drei Millionen einheimische Bäume, unter anderem Arten wie Raulí, Roble und Coigue wurden gepflanzt, sowie Sekundär- und Althölzer nachhaltig bewirtschaftet. Ein riesiges Naturlabor. Wir wollten zeigen, dass die Naturwaldbewirtschaftung rentabel ist. Vielleicht konnten wir einen kleinen positiven Beitrag für den zukünftigen Schutz und die Bewirtschaftung der einheimischen chilenischen Wälder leisten, denn die Resultate sind ermutigend», so Schick.

Die neuen Herausforderungen in seiner Rolle als Honorarkonsul und Ansprechpartner für die deutsch-chilenische Gemeinschaft nimmt er gerne an. Die Aufgaben des Konsulats in Temuco sind vielfältig, nicht zuletzt weil es eines der wenigen diplomatischen Vertretungen ist, die zur Erstellung biometrischer Pässe befugt sind. Neben dem normalen Geschäft möchte er zudem Kooperationsprojekte anstoßen, sei es in den Bereichen wirtschaftliche Zusammenarbeit, Tourismus, saubere Seen oder Energie. «Alsdann, gehen wir frohen Mutes an die Arbeit. Pack ma’s, wie der Bayer sagt.»

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