Bundeskanzlerin Angela Merkel schlägt Förderfonds für Frauen vor

Welt-Frauengipfel in Berlin

Ivanka Trump, Tochter des US-Präsidenten Donald Trump, Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds, und Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Weltfrauen-Gipfel in Berlin
Ivanka Trump, Tochter des US-Präsidenten Donald Trump, Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds, und Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Weltfrauen-Gipfel in Berlin

 

Ein ungewöhnlicher und prominent besetzter Welt-Frauengipfel ging am Mittwoch in Berlin zu Ende: Bundeskanzlerin Angela Merkel schlug einen Förderfonds für Frauen vor. Schon vorher hatten US-Präsidententochter Ivanka Trump und die niederländische Königin Máxima Glanzlichter gesetzt.

Berlin (dpa) – Zum Abschluss des sogenannten W20-Gipfels in Berlin nahm Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch an einer Podiumsdiskussion über die Gleichberechtigung der Geschlechter teil. Das zweitägige internationale Treffen hatte das Ziel, die wirtschaftliche Lage von Frauen zu verbessern, ihnen mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verschaffen und ihre Rolle als Unternehmerinnen zu stärken. Der «Women20 Summit» wird im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft ausgerichtet. Am Dienstag nahmen daran neben Merkel auch Ivanka Trump, die Tochter des US-Präsidenten, und die niederländische Königin Máxima teil.

Am ersten Tag hatte sich Kanzlerin Merkel für die Gründung eines Geldfonds zur Frauenförderung in Entwicklungsländern stark gemacht. Dieser könnte aus staatlichen und privaten Mitteln gefüllt, bei der Weltbank angesiedelt und dort mit Fördermitteln weiter aufgestockt werden, sagte Merkel bei einem Frauen-Gipfel im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft am Dienstag in Berlin.

Zu den prominenten Teilnehmerinnen des Treffens gehörten auch die kanadische Außenministerin Chrystia Freeland, die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, sowie die Vize-Chefin der Weltbank, Anne M. Finucane, und die Präsidentin der Trumpf GmbH, Nicola Leibinger-Kammüller.

Merkel sagte, ein solcher Kapitalstock könnte etwa von Deutschland, den USA, Kanada und den Niederlanden gebildet werden – mit privater Hilfe. Freeland zeigte sich «begeistert», Leibinger-Kammüller bot an, Geld einzusammeln: «Ich kenne jede Menge Leute, die genügend Geld haben.» Auch die anderen äußerten sich positiv oder interessiert.

Die Teilnahme Ivanka Trumps an dem sogenannten «Women20 Summit 2017» hatte Spekulationen ausgelöst, ob Merkel versucht, über die Tochter Einfluss auf den US-Präsidenten zu nehmen. Während sich Ivanka Trump für Förderung von Frauen in der Arbeitswelt und Familienfragen interessiert und inzwischen offizielle Beraterin ihres Vaters ist, hatte sich dieser vor allem im US-Wahlkampf mehrfach abfällig und anzüglich über Frauen geäußert.

Ivanka Trump verteidigte ihren Vater. Sie wisse aus eigener Erfahrung, dass er eine positive Haltung gegenüber Frauen habe und auch ihre Rolle in der Arbeitswelt schätze.

Merkel forderte, den Zugang von Frauen zu finanziellen Möglichkeiten allgemein zu verbessern. «Das wollen wir in den politischen Prozess einspeisen.» Frauen in Entwicklungsländern müssten mehr Kleinkredite bekommen. Frauen könnten besser und lebensnäher wirtschaften.

Lagarde rief alle Staaten auf, für Frauen bessere Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt und eine stärkere Teilhabe am Unternehmertum zu schaffen. Dazu gehöre auch die Absicherung für Mütter, dass es eine gute Betreuung ihrer Kinder gebe.

«Frau Merkel, sind Sie eine Feministin?»

Von Petra Wilken

Haben Sie das gesehen? Kanzlerin Angela Merkel zusammen in einer Podiumsdiskussion mit Ivanka Trump, First Daughter und Beraterin des Präsidenten der Vereinigten Staaten; und Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds. Titel der Veranstaltung zum Women-20-Gipfel am Dienstag in Berlin, «Inspiring women: Scaling Up Women’s Entrepreneurship». Da saßen also inspirierende Frauen zum Thema Stärkung des weiblichen Unternehmertums zusammen.
Was erst einmal auffiel: Drei so unterschiedliche Frauentypen – eine Femme fatal, eine Mutter der Nation und ein gestandenes weibliches Mannsbild. Eigentlich toll. So sind wir Frauen eben, in all diesen Rollen unterwegs, die eine mehr so, die andere mehr so. Wenn wir nicht alles können, ist das nicht so gut.
Deshalb handelt der W-20-Gipfel auch von Inklusion, also dem Hereinnehmen, Einbeziehen. Laut Wikipedia beschreibt der Begriff eine Gesellschaft, in der jeder Mensch akzeptiert wird und gleichberechtigt und selbstbestimmt an dieser teilhaben kann – unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft, Religionszugehörigkeit, Bildung oder Behinderungen.
Ich hatte mich eigentlich schon zugehörig gefühlt, bin ich dann wohl aber doch nicht ganz. Deshalb fordert W-20 auch: Inklusion auf dem Arbeitsmarkt, finanzielle Inklusion, digitale Inklusion und wirtschaftliche Stärkung der Frauen. Das heißt ja nicht, dass wir in diesen Bereichen noch gar nicht beteiligt sind, nur eben noch nicht genügend. «Mann» muss sich ja nur die Zahlen angucken: In Deutschland verdienen Männer 21 Prozent mehr als Frauen, und über das gesamte Erwerbsleben gemittelt verdienen Frauen sogar 50 Prozent weniger als Männer.
Dann will ich doch die Inklusion. Aber wie sollen wir das alles auch noch schaffen? Vielleicht so: Inklusion der Männer beim Schrubben von Badezimmer-Fußböden, Fensterputzen, Windenwechseln, Einkaufen und Hausaufgaben-Betreuung der Kinder. Wie gesagt, bei Inklusion geht es um gleichberechtigte Teilhabe.
Sie finden den Vorschlag nicht gut? Dann sind sie bestimmt ein Mann. Ich würde ihn an ihrer Stelle auch nicht gut finden.
«Sind Sie eine Feministin?», wurde Angela Merkel bei der Podiumsdiskussion gefragt. Das Publikum klatschte begeistert, aber die Kanzlerin kam in Verlegenheit und wies das dann von sich. Besser so. Feministin ist keine Auszeichnung. Geben Sie zu: Sie haben jetzt auch schon gedacht, ich sei eine.

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