Auftakt mit Verzögerungen

Zur Eröffnung des Deutschlandjahres am Montag, den 13. Mai in Brasilien kam der Bundespräsident. Doch zum Auftakt gab es ein paar Irritationen. Staatspräsidentin Rousseff hofft auf einen Besuch der Kanzlerin.

São Paulo (dpa) – Es war ein Tag mit Verspätungen und Programmänderungen. Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff ließ zuerst ihren Gast, Bundespräsident Joachim Gauck, eine halbe Stunde warten. Dann sagte sie kurzfristig eine «Begegnung mit der Presse» ab – um sie eine Stunde später wieder anzusetzen. Dadurch verzögerte sich der Auftakt der 31. deutsch-brasilianischen Wirtschaftstage der beiden Industrieverbände BDI und CNI.

Gauck nahm die Verspätung dem Vernehmen nach gelassen. Gleichwohl war der Gesprächsauftakt vonseiten Rousseffs eher etwas trocken und sachlich, wenn nicht gar kühl. Der Hintergrund ließ sich später bei den Eröffnungsansprachen Gaucks und Rousseffs erahnen.

Jenseits seiner vorab verbreiteten Rede lobte der Bundespräsident fast schon überschwänglich die Entscheidung der Welthandelsorganisation (WTO), den Brasilianer Roberto Azevêdo (55) zum neuen Chef zu machen. Er gratuliere Azevêdo persönlich, sagte Gauck.

Rousseff wiederum zeigte sich in ihrer Rede sehr selbstbewusst. Sie machte deutlich, dass sie vorhat, die WTO von Brasilien aus in die richtige Richtung zu bringen. «Das ist kein Sieg für Brasilien, auch nicht für eine Gruppe von Ländern, aber für die Welthandelsorganisation», hatte sie zuvor schon gesagt.

Brasilien hatte vorige Woche bei der Neubesetzung des prominenten WTO-Chefpostens seinen Kandidaten Azevêdo durchgesetzt – gegen den von der EU und den USA favorisierten mexikanischen Ex-Handelsminister Herminio Blanco.

Das Land hatte schon seit Monaten intensiv die Werbetrommel für seinen Bewerber gerührt und konnte zum Schluss eine deutliche Mehrheit der 159 WTO-Mitgliedstaaten hinter sich scharen. Bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) war Rousseff wohl abgeblitzt. Die beiden Regierungschefinnen hatten sich zuletzt beim Lateinamerikagipfel Anfang des Jahres in Santiago de Chile und bei der Cebit in Hannover getroffen.

Im Raum steht ein Besuch Merkels in Brasilien, der zum Ärgernis Rousseffs seit längerem nicht zustande kommt. Zuletzt war die deutsche Regierungschefin 2008 in dem Land. Ein Besuch der Kanzlerin käme der brasilianischen Regierung angesichts einiger rückläufiger Wirtschaftsdaten und der Wahlen 2014 gelegen. Vor der Bundestagswahl im September wird es jetzt wohl nichts mehr werden. Und danach kann sowieso alles anders aussehen.

Gauck war wohl klar, dass die Gespräche schwierig werden könnten. Und irgendwie schien er auch etwas zwischen die Stühle geraten zu sein. Aber es gelang ihm offenbar, die Stimmung zu drehen. Rousseff kriegte die Kurve. Es gab doch noch eine sogenannte Pressebegegnung.

Bei der Pressebegegnung war Gauck dann seltsam freundlich: «Erlebt habe ich eine herzensfreundliche Präsidentin, die mir die allerwärmsten Grüße an die Kanzlerin mitgegeben hat, die total überzeugt davon ist, welche menschliche Qualität und welcher Sachverstand in unserer Kanzlerin wohnt, und die überhaupt keine Probleme hat, ihr offen und herzlich zu begegnen.»

 

Gauck wirbt in Brasilien für offene Märkte

São Paulo (dpa) – Bundespräsident Joachim Gauck hat bei seinem Besuch in Brasilien für freie Märkte und offene Handelsbeziehungen geworben. Er mahnte die stärkste Volkswirtschaft Lateinamerikas, Handelshemmnisse aus dem Weg zu räumen. Dann werde die Bedeutung Brasiliens für die Weltwirtschaft noch weiter wachsen. Wie zuvor in Kolumbien beschäftigte sich Gauck auch in Brasilien mit dem Thema Vergangenheitsbewältigung. Präsidentin Dilma Rousseff zollte ihm Respekt für seinen persönlichen Lebenslauf.

Zur Eröffnung der deutsch-brasilianischen Wirtschaftstage mahnte Gauck mit bedächtigen Worten einen freieren Marktzugang in Brasilien an, wo über 1300 deutsche Unternehmen teils seit vielen Jahrzehnten aktiv sind. Brasilianische Unternehmen, die sich in Europa engagierten, profitierten von offenen Märkten. Er wolle dazu ermutigen, ebenfalls «die Bedingungen für freien Handel und Austausch weiter zu verbessern», sagte Gauck.

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