Warum hat Trump die Wahlen gewonnen?

Donald Trump gewinnt die US-Präsidentschaftswahl
Donald Trump wird neuer US-Präsdient. Wie das möglich war und was die Folgen sind, darüber wird debattiert.

Kolloquium der Konrad-Adenauer-Stiftung

Die Experten für internationale Beziehungen, Genaro Arriagada und Juan Guillermo Espinosa, malten ein düsteres Bild der Folgen für Lateinamerika duch die Wahl Donald Trumps zum nächsten US-Präsidenten. Die Konrad-Adenauer-Stiftung hatte sie am 15. November zu einem Diskussionsabend eingeladen.

Von Petra Wilken

Verunsicherung und Sprachlosigkeit, wie derzeit vielerorts auf der Welt, herrschte an diesem Abend auch im Versammlungssaal der Stiftung der Christdemokraten in Providencia vor. «Der Einzug Trumps bricht mit allem», brachte es der ehemalige Botschafter in den USA, Genaro Arriagada, auf den Punkt.

Zu den politischen Folgen meinte der Christdemokrat: Während die von Trump angekündigte Rückkehr zu Protektionismus und Handelsschranken auf Zustimmung bei der Linken führen könnte, die gegen die Globalisierung ist, sei sie für die Rechte ein harter Schlag ins Gesicht. Anderseits könnte eine mögliche wirtschaftliche Rezession die Gefahr erhöhen, Ressentiments gegen die USA bei der radikalen Linken in Lateinamerika zu stärken.

«Wenn Trump das wahrmacht, was er angekündigt hat, dann wird das katastrophale Folgen haben», so Arriagada. Zumindest für die nationalen Wirtschaften von Mexiko – die 80 Prozent ihrer Exporte in die USA liefert – und die anderen Länder am nördlichen Rand des Subkontinents. Doch auch Chile, das nur 13 Prozent in die Vereinigten Staaten ausführt, habe mit starken Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft zu rechnen. «Wenn er an dem Freihandelsabkommen mit Kanada und Mexiko rüttelt, dann werden auch andere zittern».

Juan Guillermo Espinoza, der sich als ehemaliger Geschäftsführer der Interamerikanischen Entwicklungsbank (BID, nach der spanischen Abkürzung) in den Themen Liberalismus und globale Marktwirtschaft auskennt, stimmte der Einschätzung zu. Die angekündigte Einführung von Zollschranken von 35 Prozent für Mexiko und 25 Prozent für China würde Auswirkungen auf Chile haben. Wenn dazu die zusätzliche Erhöhung der Verschuldung des Staatshaushaltes der USA um 10 bis 15 Prozent in vier Jahren käme, sei mit einem weiteren Abrutsch der nationalen Wirtschaften in der Region zu rechnen.

Auf die Frage aus dem Publikum «Warum hat Trump die Wahl gewonnen?», antwortete Arriagada, dass er das Phänomen Trump für den Ausdruck eines neuen Trends hält, der beginnt sich auszubreiten. Nach der neoliberalen Welle, die 1982 mit Reagan und Thatcher begonnen habe und einer anschließenden sozialdemokratischen Welle von Tony Blair bis Ricardo Lagos in Chile, käme es nun zu einer populistischen Bewegung, die von links nach rechts reiche. «Wir nähern uns bald dieser Entwicklung in Europa, mit der AfD in Deutschland, Marine Le Pen in Frankreich und weiteren rechten Kandidaten in Holland, Österreich und Schweden», so Arriagada.

Espinoza lieferte dazu den sozialwirtschaftlichen Hintergrund: Seit dem Ende des Kalten Krieges vor 25 Jahren habe die USA zwar ihr Bruttosozialprodukt um das Sechsfache erhöht, doch das habe nicht das Problem permanent hoher Arbeitslosenzahlen gelöst. Der Gewinn aus der Globalisierung beschränke sich auf den oberen Teil der Gesellschaft. «Um mit dem Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz zu sprechen, Trump hat das erfasst, was dieser das Unwohlsein in der Globalisierung nannte und hat die Situation einer zerrütteten Wirtschaft genutzt.»

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