220.000 Tote im Konflikt in Kolumbien

Der Bürgerkrieg in Kolumbien ist der älteste und einer der blutigsten Konflikte in Lateinamerika. Wissenschaftler haben nun die bislang umfassendste Erhebung über die Opfer vorgelegt.

Bogotá (dpa) – Der Konflikt zwischen Sicherheitskräften, linksgerichteten Guerillagruppen und rechten Paramilitärs in Kolumbien hat rund 220.000 Menschen das Leben gekostet. 80 Prozent der Opfer seit 1958 seien Zivilisten, heißt es in einem veröffentlichten Bericht des Nationalen Zentrums für Erinnerung. Der Konflikt ist der älteste und einer der verlustreichsten in Lateinamerika. Derzeit führen Guerilla und Regierung Friedensgespräche.

Allein in der blutigsten Epoche seit 1985 seien 5,7 Millionen Menschen von bewaffneten Gruppen vertrieben worden. Weitere 25.000 verschwanden spurlos, wie es in der bislang umfassendsten Erhebung über die Opfer des Konflikts weiter heißt.

Zwischen 1970 und 2010 wurden demnach 27.023 Menschen entführt. Für über 90 Prozent der Fälle war die Guerilla verantwortlich. Die fast 2.000 Massaker seit 1980 wurden hingegen vor allem von den Paramilitärs verübt. Seit 1980 kamen dabei 11.751 Menschen ums Leben.

Den in weiten Teilen des Landes verlegten Landminen fielen seit 1985 über 10.000 Menschen zum Opfer, wie aus dem Bericht mit dem Titel «Es reicht! Erinnerungen an Krieg und Würde» hervorgeht. Bei den vor allem von der Guerilla verübten Attentaten wurden demnach seit 1988 mehr als 1.500 Menschen getötet.

Die Gewalt zeige, dass es nicht gelungen sei, die unterschiedlichen politischen Strömungen des Landes in den friedlichen Kampf um die Macht zu integrieren, schrieben die Autoren.

«Wir dürfen nicht zulassen, dass die Verbrechen und das Leid weitergehen», sagte Präsident Juan Manuel Santos laut einem Bericht der Zeitung «El Tiempo» bei der Vorstellung des Bericht. «Wir müssen anerkennen, dass wir einen Tiefpunkt erreicht haben. Der Krieg entmenschlicht und er raubt uns unsere Menschlichkeit.»

Seit dem vergangenen Jahr führt die Guerillaorganisation Farc in Kuba Friedensgespräche mit der kolumbianischen Regierung. Auch die kleinere Rebellengruppe ELN bekundete Interesse an Verhandlungen. Die rechten Paramilitärs hatten 2006 die Waffen niedergelegt. Viele frühere Mitglieder haben sich allerdings kriminellen Organisationen angeschlossen.

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