Wein oder Bier?

Im Jahr 1989 gab es in Chile bei einer der größten Weinkellereien eine schöne Überraschung: Die französische Gaut-Millau-Jury hatte ihren Cabernet Sauvignon als den besten der Welt preisgekrönt. Der Besitzer der Viña feierte diesen enormen Erfolg im großen Rahmen: 500 geladene Gäste kamen zu diesem denkwürdigen Galadinner.

Einer der wichtigsten Gratulationsreden wurde vom amtierenden französischen Botschafter Leon Lequertier gehalten und begann mit dem Satz: «Es gibt zwei Typen von Menschen: Diejenigen, die Wein trinken und jene, die Bier vorziehen.»

An meinem Tisch saßen Deutsche und Deutsch-Chilenen, und die Unterhaltung wurde – bis dahin – feierlich gut gelaunt auf Deutsch gehalten. Als der einleitende Redesatz ausgesprochen war, verstummte unsere Unterhaltung und wir betrachteten uns mit fragenden Mienen. Wir fühlten uns etwas betroffen und irgendwie mit einer Minusnote bewertet.

Die folgenden Reden lenkten uns wieder ab und verstreuten die kurze Missstimmung, sodass wir uns wieder dem köstlichen Menü und dem ausgezeichneten Cabernet Sauvignon widmen konnten.

In meiner Tätigkeit habe ich viel mit önologischen Weinverkostungen zu tun. Dabei geht es auch um die Suche nach dem idealen Weinpartner zu einem gewissen Menü (auf Spanisch maridaje), aber zuallererst natürlich um die professionelle Weinherstellung. Von Kind an wurde mir von der Weinkultur der Perser, Ägypter, Griechen und Römer erzählt. Auch von den großen Dichtern, Denkern und Komponisten, die am Wein Muse und Ataraxie (Ideal der Seelenruhe) fanden.

Unsere nordische und etwas jüngere Geschichte erzählt uns mehr vom Gebräu der Gerste. Einige Gerichte werden vom Bier geschmacklich besser betont. An einem warmen Sommerabend hat Bier eine große Anziehungskraft. Der Ausdruck «Bier macht den Durst erst schön» hat auch manche Berechtigung.

Wie auch immer: Dieses Gebiet ist nicht meine Stärke, und ich überlasse es lieber einem anderen Cóndor-Leser, tiefsinniger ein paar Gedanken über die Bierkultur zu äußern.

 

Von Klaus Schröder

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