Zum Jahresende: Wegschmeißen oder Aufbewahren?

Gerümpel
Das Jahr nähert sich dem Ende: Zeit zum Ausmisten? Oder doch lieber die alten Sachen behalten?

Flasche mit farbigem Sand

Von Petra Wilken

Kennen Sie den Klassiker «Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags»? Ich habe ihn mit Begeisterung gelesen und der Autorin nur zustimmen können. Ja, es ist bestimmt richtig, dass mit unnützen Dingen vollgestopfte Dachböden den Energiefluss im Haus behindern. Überhaupt, dass die Energie an kaputten Apparaten und der Zeitschriften-Sammlung Jahrgang 2002 regelrecht klebenbleibt und nicht mehr richtig fließen kann. Das kann ich mir tatsächlich lebhaft vorstellen.

Außerdem nehmen kaputte Computer, ausrangierte Gasheizungen und nicht mehr benutzte Luftmatratzen einfach viel zu viel Platz weg und werden nur unwiderrufbar schmutzig mit der Zeit. Ihnen habe ich den Kampf angesagt, doch leider entscheide ich nicht alleine über ihr Schicksal, sondern muss auch mit meinem Mann über sie verhandeln. Wir sind da nicht immer einer Meinung, so dass der Stauraum unseres Hauses immer wieder kollabiert.

Leider kann ich ihm nicht alleine die Schuld am Überborden des Krempels bei uns geben. Ehrlich gesagt kann ich der Theorie des Feng-Shui-Postulats bestens folgen, doch in der Praxis sieht es anders aus. Ich kann doch unmöglich, die Flasche mit farbigen Sand, die eine junge Freiwillige extra für mich gemacht hat, wegschmeißen. Oder die Gips-Statue der Bremer Stadtmusikanten, die mir der Lebensgefährte einer Freundin in der Hansestadt mit ihrem Sohn mitgeschickt hat, als dieser ein Austauschsemester an der Deutschen Schule machte.

Bei Büchern wird es ganz schlimm. Nicht nur, dass ich mit meinen eigenen Büchern Regale und andere einigermaßen geeignete Möbel in Wohnzimmer, Arbeitszimmer, Schlafzimmer und Fluren vollgestopft habe. Ich habe auch noch Bücher von Freundinnen und Freunden übernommen, die nach Deutschland zurückgegangen sind, und meinten, mir eine Freude mit ihrer Literatursammlung machen zu können.

Bei Kleidung und Schuhen sieht es ähnlich aus. Ich bewahre sie auf, da ich davon überzeugt bin, dass alles mal wieder in Mode kommt. Und: Je mehr Fummel ich habe, desto mehr Kombinationsmöglichkeiten gibt es. Dazu kommt noch ein Haufen passender Ohrringe und Armreifen. Auch wenn ich sie kaum noch unterbringen kann – man kann sie doch nicht einfach wegschmeißen!

Das letzte Hemd

Von Arne Dettmann

«Das letzte Hemd hat leider keine Taschen», sang einst Hans Albers in dem Film «Das Herz von St. Pauli». Das Lied soll daran erinnern, dass man nach dem Tod nichts mitnehmen kann. Wie wahr! Selbst die Pharaonen im Alten Ägypten, denen man Schätze, Kleidung, Lebensmittel und Möbel mit in die Grabkammer gegeben hatte, nahmen offenbar nichts mit auf ihre Reise ins Jenseits. Und was Archäologen nicht mehr fanden, hatten Grabräuber gestohlen.

Lehre Nummer eins lautet also: Anhäufen bringt nichts, Ausmisten wäre vernünftiger. Denn mit dem irdischen Besitz ist es so eine tückische Sache: Je größer das Haus, desto mehr wird auch angeschafft. Selbst ein neuer Schuppen wird schnell voll, Schnickschnack und Krempel – auf Spanisch Cachureo und Cachivache – findet sich immer. So wird auch noch die letzte freie Ecke zugeramscht mit Plunder, den keiner mehr braucht: ein ausrangierter Kindersitz, ein alter Videorekorder, ein kaputtes Urlaubssouvenir.

Lehre Nummer zwei: Alles, was du besitzt, besitzt irgendwann dich. Es wird mit der Zeit schwieriger, sich von unnützem Zeug zu trennen, je höher der Plunderberg anwächst.

Ich kann gnadenlos sein, wenn es um das Entrümpeln von Klimbim und Firlefanz geht. Ein alter Duschkopf, den man noch einmal gebrauchen könnte? Quatsch, wann denn? Weg damit! Mitunter werfe ich heimlich sogar Dinge weg, die meine Frau mit in die Ehe brachte, die aber seit Jahren ihr Schattendasein in der Bodega fristen. Und der beste Beweis, dass solcher Krimskrams überflüssig ist, ist die Tatsache, dass meine Frau sie überhaupt nicht vermisst. Preußische Ordnung muss eben sein!

Doch auch ich habe einen wunden Punkt bei der radikalen Entsorgungsmentalität. Ich bringe es einfach nicht übers Herz, meine eigenen ausgetragenen, schon verwaschenen Kleidungsstücke ins Jenseits zu befördern. Wer weiß, vielleicht braucht man dort nicht doch Hemden? Meine haben sogar Taschen…

Was also bei den Pharaonen die Grabräuber erledigten, das übernimmt meine Frau. Die Schranktür auf, ein gekonnt weiblich intuitiver, prüfender Blick auf meine Staffage, ein vorwurfsvoller Blick auf mich, und ab geht die Fahrt meiner Lieblingsstücke zur Kleiderspende oder in den Mülleimer.

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