«Schweres Erdbeben in Chile nicht auszuschließen»

Erdbeben in Chile am Montagabend mit 6,9 Magnitude auf der Richterskala

 

Erdbeben in Chile entstehen, weil sich die Ozeanische unter die Nazcaplatte schiebt.
Erdbeben in Chile entstehen, weil sich die Ozeanische unter die Nazcaplatte schiebt.

Der Cóndor sprach mit Professor Dr. Onno Oncken vom Deutschen GeoforschungsZentrum (GFZ) Potsdam über das jüngste Erdbeben vom Montag mit einer Erschütterung von 6.9 auf der Richterskala.

 

Hatten Sie solche Erderschütterungen (temblores) erwartet?

Das Erdbeben hat uns nicht überrascht. In der Tat beobachten wir seit mehreren Tagen eine Zunahme der Erdbeben mit Stärken zwischen 4 und 6 in dieser Region direkt vor Valparaíso. Es handelt sich übrigens genau um den Bereich zwischen dem sogenannten Maule-Erdbeben von 2010 im Süden, das mit der Stärke 8.8 eines der stärksten je gemessenen war, und dem Illapel Erdbeben (Region Coquimbo) von 2015, das direkt nördlich mit 8.3 den Plattenrand gebrochen hat. Ergo war zu erwarten, dass die ganze Spannung sich im dazwischen liegenden Bereich staut und nun abbauen muss.

 

Hat sich jetzt genügend Energie frei gesetzt, so dass wahrscheinlich kein schweres Erdbeben folgen wird?

Das letzte schwere war vor Valparaiso 1906 mit einer Magnitude um 8.2. Die seither aufgebauten Spannungen sind mit einem Beben der Magnitude 6.9 noch bei weitem nicht abgebaut. Es ist also nicht auszuschließen, dass es noch weitergeht und ein schwereres Beben irgendwann folgt.

 

Kündigen kleinere Erschütterungen ein großes Erdbeben an?

In der Tat haben wir vor drei Jahren in Nordchile beobachtet, dass das schwere Iquique-Beben mit 8.2 von einer Reihe von Vorbeben angekündigt wurde, die über mehrere Monate in der Intensität zunahmen. Das geschieht manchmal, oft auch nicht, so dass wir aus solchen Beben leider keine sicheren Schlüsse treffen können. Und es gibt auch keine Entwarnung im Norden: Zwischen Iquique und Mejillones erwarten wir ebenfalls irgendwann in der Zukunft ein größeres Beben.

 

Warum ereignen sich diese Beben eigentlich vor der Küste?

Das liegt daran, dass sich die Nazca-Platte unter dem Pazifischen Ozean mit etwa 6,8 Zentimeter im Jahr unter den Westrand Südamerikas schiebt. Den Westrand Südamerikas muss man sich dabei als Keil mit seiner Spitze im Tiefseegraben etwa 100 bis 150 Kilometer vor der Küste Chiles vorstellen. Und es ist der Bereich etwa zwischen der Küste und dem Tiefseegraben, an der Kontaktfläche zur abtauchenden Pazifischen Platte, wo diese Vorgänge ablaufen, die zu den starken Erdbeben und oft auch den Tsunamis führen. Hier ist der Bereich, der so kalt ist, dass sich die Platten verhaken und nicht kriechend aneinander vorbeibewegen können.

 

Weitere Infos: www.gfz-potsdam.de

 

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