Insalco-Projekt

Transkontinentaler Schüleraustausch zwischen Chile und Hongkong

Clara Stockmann (links), Lionne Schütte, Anabel Metzger und Ceren Nalbant holten bei der Stadtrallye den Sieg für Hongkong
So sehen Siegerinnen aus! Clara Stockmann (links), Lionne Schütte, Anabel Metzger und Ceren Nalbant holten bei der Stadtrallye den Sieg für Hongkong

Vom 18. bis 30. August 2019 besuchten 15 Auszubildende des German Swiss Business College (GSIS) aus Hongkong ihre Insalco-Kollegen, um sich im Rahmen des gemeinsamen Projekts «Pazifikallianz Chile – Hongkong» (PACH) intensiv über Infrastruktur, Logistik und Verkehr in beiden Ländern auszutauschen und ein Stück Chile kennenzulernen.

Die Koordination des Projektes läuft bereits seit Anfang des Schuljahres. Thomas Mittelstrass, Rektor des Insalco: «Gemeinsam mit meinem Kollegen Thorsten Rauhut vom GSIS haben wir diesen Besuch initiiert. Die Alumnos beider Berufsschulen haben seit April in Arbeitsgruppen recherchiert, Daten und Fakten analysiert und eine Präsentation erstellt.»

Transkontinentale Projektarbeit

Wenn Insalquino Bruno Held (19) an die ersten drei Tage mit den Partnerschülern aus Hongkong zurückdenkt, erinnert er sich vor allem an eines: «Das war richtig viel Arbeit.» Was auch nach einem gegenseitigen Kulturschock klingt, war vielmehr die gemeinsame Bearbeitung eines einzigartigen transkontinentalen Projektes. «Wir haben in gemischten Projektteams unsere Vorarbeit verglichen und die einzelnen Länderergebnisse zusammengeführt», erzählt Bruno Held. Am dritten Tag des Besuches stand dann auch eine Präsentation der verschiedenen Verkehrs- und Logistikbereiche Schiene, Luft, Straße und Hafen vor den Schülern der Tercera an der Deutschen Schule Santiago auf dem Programm. Alle Projektteams meisterten die Präsentation bestens und erhielten viel Applaus.

Stadterkundung mit Hindernissen

Da die Hongkonger die Stadt kennenlernen sollten, bekamen sie nach einigen Tagen der Eingewöhnung den Auftrag, bei einer Rallye so schnell als möglich verschiedene Sehenswürdigkeiten mittels Stadtplan zu finden, Beweis-Selfies zu machen und Quizfragen zu beantworten. Ein chilenisches Team verteidigte mit einem deutlich erhöhten Schwierigkeitsgrad die Landesehre. Dass am Ende ein reines Damen-Team aus Hongkong die Rallye gewann, mag vielleicht auch deren intensiver Charme-Offensive beim Erfragen des richtigen Wegs geschuldet sein…

Diplomatenrat: Grenzen überwinden

In der ersten Woche bekamen die Gäste die Möglichkeit, bei einer Visite der Moneda ein wenig mehr zu Geschichte und aktueller Politik zu erfahren und das Außenministerium zu besuchen. Hier waren die Hongkonger zu einem Vortrag des Botschafters für den asiatisch-pazifischen Raum des Ministerio de Relaciones Exteriores, Claudio Rojas Rachel, eingeladen. Der erfahrene Diplomat verdeutlichte anhand einer Weltkarten-Skizze anschaulich, wie sich die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Chile und China im Laufe der Jahrzehnte entwickelten.

Neben interessanten Einblicken in chinesische Verhandlungstaktik und kulturelle Unterschiede zwischen beiden Pazifikstaaten gab er den Auszubildenden noch einen guten Rat mit auf den Weg: «Ihr habt die Chance, mit eurer internationalen Ausbildung Grenzen zu überwinden. Nutzt sie.»

Transkontinentales Auszubildenden-Projekt: die Alumnos beider Länder und ihre Lehrer nach der ersten Projektwoche
Transkontinentales Auszubildenden-Projekt: die Alumnos beider Länder und ihre Lehrer nach der ersten Projektwoche

Schiffeversenken in Valparaíso

Der gesamte Freitag stand im Zeichen der Schifffahrtslogistik: Neben dem Besuch im Navigationssimulator von Ultranav samt glücklicherweise nur virtuellem Schiffeversenken standen auch ein Vortrag im Containerzentrum von Ultramar sowie eine Rundfahrt über das Gelände des Containerhafens mit seinen imposanten Ladekränen sowie ein wenig Valparaiso-Sightseeing auf dem Programm.

Arbeitsalltag in den Ausbildungsbetrieben

Nach einem verlängerten Wochenende – intensiv genutzt, um gemeinsam mit den neu gewonnenen chilenischen Freunden nach Viña oder zum Trekking in die Kordilleren zu fahren – begann Dienstag wieder der Arbeitsalltag. Die Gäste aus Hongkong gingen gemeinsam mit ihren chilenischen Partnerauszubildenden in deren Betriebe. Dazu hat besonders die AHK Chile beigetragen: «Mit der Unterstützung der CAMCHAL konnten wir alle Gastschüler in passenden Unternehmen unterbringen. Das war enorm wichtig», so Thomas Mittelstrass. Für einige der Hongkonger war es sogar quasi ein Heimspiel: sie konnten die chilenischen Niederlassungen ihrer chinesischen Ausbildungsbetriebe kennenlernen.

Abschlusstanz mit Lehrern

Bevor es nach intensiven zehn Tagen wieder Abschied nehmen hieß, sollte aber noch einmal ordentlich gefeiert werden! Ein Abend im Restaurant «Los Buenos Muchachos» in Balmaceda sorgte nicht nur für volle Bäuche, sondern auch für genügend Bewegung bei Salsa und Discomusik. Nach dem kulturellen Bühnenprogramm wurden die Lehrer von ihren Schülern auf die Tanzfläche gezogen und mussten beweisen, dass sie es mindestens genauso gut drauf haben wie sie. Keine Frage, dass die beiden Rektoren der Berufsschulen aus Hongkong und Santiago wie auch die weiteren Lehrer diese Ehre verteidigten…

Weiterführung des Projektes

«Jetzt kommt der zweite Teil, in dem sich die Alumnos in beiden Ländern mit den Aspekten des Klimawandels und dessen Auswirkungen auf die internationalen Handelsbeziehungen und -wege befassen werden», so Rektor Thomas Mittelstrass zum weiteren Projektverlauf. Für die Chilenen steht auch ein Besuch beim Klimagipfel COP25 an. Thomas Mittelstrass dazu: «Das ist ein globales und unglaublich wichtiges Thema. Wie wird unsere Logistik der Zukunft vor diesem Hintergrund aussehen?» Am Ende diesen Jahres wollen sich die Auszubildenden des Insalco und der GSIS mit einer professionellen Dokumentation bei der Ausschreibung «Schüler bauen weltweit Brücken» des Deutschen Industrie- und Handelskammertag bewerben. Und kommendes Jahr steht dann der Gegenbesuch der Chilenen in Hongkong auf dem Programm…

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