Chiles Nationalparks in Patagonien so groß wie die Schweiz

Großzügige Spende der Tompkins-Stiftungen an den chilenischen Staat

Nationalparks
Chiles Nationalpark sind ein beliebtes Ziel von Touristen und Wanderfreunden.

 

Von Arne Dettmann

Am Mittwoch vergangener Woche reiste Chiles Präsidentin Michelle Bachelet in den kleinen Ort Chaitén in Patagonien, um dort im Parque Pumalín, Sektor El Amarillo, von Kristine McDivitt ein großzügiges Geschenk entgegen zu nehmen: Mehr als 400.000 Hektar Waldfläche übertrug die Witwe des US-Umweltaktivisten Douglas Tompkins von dessen Stiftungen auf den chilenischen Staat. Es ist die größte Spende in Sachen Biodiversität und Schutz von Ökosystemen, die jemals eine private Einrichtung in Chile getätigt hat.

Ein kurzer Rückblick: Der US-Unternehmer Tompkins hatte Ende der 80er Jahre seine Outdoor-Marke «The North Face» sowie die Textilholding «Esprit» verkauft, war nach Chile gezogen und erwarb dort sowie in Argentinien riesige mit Regenwald bewachsene Gebiete, um sie zu schützen. Nicht immer machte sich der US-Amerikaner, der im Dezember 2015 in Folge einer Unterkühlung nach dem Kentern in seinem Kajak starb, mit diesen Projekten Freunde in Chile. Kritiker sahen unter anderem eine Gefahr für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Doch die Zeiten ändern sich. Chile will die geschenkten Flächen – sie sind größer als Berlin und das Saarland zusammen – als Nationalparks ausweisen, um sie für den Tourismus zu erschließen. Geplant ist ein Verbund mit der Bezeichnung «Red de Parques Nacionales de la Patagonia Chilena», zu dem die drei neuen Parks Pumalín, Melimoyu und Patagonia zählen. Erweitert werden die bestehenden Parks Hornopirén, Corcovado und Isla Magdalena. Die bisherigen Naturreservate Alacalufes, Cerro Castillo, Lago Cochrane und Lago Jeinimeni steigen in den Rang eines Nationalparks auf.

Nationalparks Chile
Direkt an der Carretera Austral: der chilensiche Nationalpark Queulat mit seinem Hängegletscher

Mit weiteren Gebietszuweisungen des Staates von 950.000 Hektar wird die gesamte Naturschutzfläche von 17 Parks dann so groß sein wie die Schweiz. Sie verteilen sich auf einer Strecke von 2.000 Kilometer zwischen der Stadt Puerto Montt und Kap Horn.

Größere Flächen bedeuten auch größere Aufgaben für die verantwortliche staatliche Forstbehörde Conaf. «Wir verfügen weder über ausreichend Mittel noch Personal», gibt Gabriel Paredes zu bedenken, Vorsitzender der Conaf-Arbeitervertretung in der Region Los Lagos. Auch Freddy Ibacache, Bürgermeister der Gemeinde Hualaihué beim Nationalpark Hornopirén, ist skeptisch: «Unsere Parks sind dank Gottes Großzügigkeit intakt und weil die Natur so üppig wächst. Die staatlichen Investitionen belaufen sich dagegen auf null.» Laut Schätzungen der Zeitung «Mercurio» steckt Chile einen US-Dollar pro Hektar in seine Nationalparks, während es in Peru und Ecuador sieben und in Costa Rica gar 30 US-Dollar sind.

Nationalparks Chile
Der Nationalpark Corcovado wurde 2005 ins Leben gerufen, muss aber noch für Besucher erschlossen werden.

Bis heute hat es Conaf nicht geschafft, im 2005 gegründeten Nationalpark Corcovado, südlich vom Tompkins-Park Pumalín gelegen, Wanderwege anzulegen. Zukünftig soll die finanziell chronisch unterversorgte Institution auch noch die Instandhaltung und Verwaltung der neuen Parks übernehmen. Kann das gutgehen?

Bei den jüngst schweren Waldbränden in Chile war zudem scharfe Kritik am schlechten Krisenmanagement Conafs laut geworden. So hatte deren Leiter Aarón Cavieres den Einsatz des riesigen US-Löschflugzeugs «Supertanker» zunächst als undurchführbar und ineffizient abgelehnt, was sich später in der Praxis als fatale Fehleinschätzung erwies. Chile plant daher die Auflösung von Conaf und die Gründung eines neuen Servicio Nacional Forestal (Sernafor), der ein zehnfach höheres Budget erhalten und sich auch um die Nationalparks kümmern soll.

Der Druck, hier Verbesserungen vorzunehmen und die Gebiete touristisch zu erschließen, dürfte zunehmen. Seit Jahren schon erfreut sich der südliche Teil Südamerikas sowohl auf chilenischer als auch auf argentinischer Seite einer wachsenden Beliebtheit bei Fernreisenden aus Europa, den USA und aller Welt. Regenwälder, Gletscher, Berge und Inseln sowie die 900 Kilometer lange Straße Carretera Austral in Chile locken jedes Jahr mehrere hunderttausend in- und ausländische Touristen nach Patagonien. Wegen Überfüllung müssen Wanderfreunde im chilenischen Nationalpark Torres del Paine bereits vorab Campingplätze reservieren.

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