«Auf Gran Canaria spricht man deutsch»

Josef Pernerstorfer an einen Kiosk in Providencia: Der Österreicher schreibt für das deutschsprachige Magazin «Gran Canaria olé».
Josef Pernerstorfer an einen Kiosk in Providencia: Der Österreicher schreibt für das deutschsprachige Magazin «Gran Canaria olé».

Cóndor-Chefredakteur Arne Dettmann traf sich in Santiago de Chile mit Josef Pernerstorfer von dem deutschsprachigen Magazin  «Gran Canaria olé».

 

Auf Spurensuche in Chile

Josef Pernerstorfer kam vor Kurzem für zwei Wochen nach Santiago de Chile und wandelte hier auf den Spuren seiner Jugend. Als er 11 Jahre alt war, zog seine Familie beruflich nach Chile. Sein Vater arbeitete als Berater in der Landwirtschaft, die Neuankömmlinge wohnten im Stadtteil Macul, später in La Florida. Das war Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre.

«Diese viereinhalb Jahre in Chile haben mich geprägt», erklärt der gebürtige Österreicher aus Wien. In einem VW-Bus tourten die Eltern damals durchs ganze Land, von Arica bis nach Puerto Aysén. «Ich habe sechs Geschwister, der Bus war bis oben hin gefüllt.» Im Sommer, wenn Josef Pernerstorfer die Ferien der Schweizer Schule genoss, fuhr die Familie zum Baden an den Strand von San Antonio und Cartagena.

Damals zählte Santiago mehr als zwei Millionen Einwohner, jetzt sind es über sechs Millionen. In der gesamten Zwischenzeit war der Österreicher nicht mehr hier gewesen. «Die Stadt hat sich gewaltig verändert. Überall riesige Mallls. Doch der Süden des Landes ist weiter beschaulich geblieben.»

 

Ohne Spanisch überleben

In den 90er Jahren wanderte Josef Pernerstorfer nach Gran Canaria aus. Die Kanarischen Inseln gehören zwar zu Spanien, liegen aber vor Afrika, was sie mit ihrem subtropischen Klima zu einem beliebten Ziel für europäische Urlauber macht. Der Wiener arbeitete zunächst im Tourismus, schreibt nun aber für die deutschsprachige Zeitschrift «Gran Canaria olé», die mittlerweile seit neun Jahren jeden Monat erscheint.

Was als kostenloses Werbeblatt startete, hat sich zum Abonnenten-Magazin mit 80 Seiten voll an Reportagen und Kulturtipps gemausert. Rund 10.000 Deutsche haben ihren Wohnsitz auf Gran Canaria, weitere 5.000 Schweizer und Österreicher fliehen vor den dunklen und regnerischen Monaten ihrer Heimat und «überwintern» von November bis März auf den «Inseln des ewigen Frühlings», so ein Beiname der Kanaren. Hinzu kommen 200.000 Hotelbetten, die ebenfalls von deutschen und englischen Touristen belegt werden. «Unsere Leserschaft ist deutsch und wir schreiben alles auf Deutsch.»

An 200 Verkaufsstellen kann der Leser das Magazin kaufen. Darin findet er alles, was er zum Leben braucht: Anzeigen von deutschsprachigen Frisören, Rechtsanwälten, Automechaniker und Restaurants. «Es gibt Deutsche, die leben seit 20 Jahren auf der Insel und können kein Wort Spanisch, weil man dort auch ohne diese Sprache überleben kann – vom Kindergarten bis zum Seniorenheim.»

 

Atacama-Klänge in Wien

In Chile lernte Josef Pernerstorfer Gitarre und Charango spielen. Auch Klavier und Gesang gehörten zu seiner Erziehung. Die Freude an der Musik hat er mit nach Wien genommen, wo er eine Gruppe namens «Atacama» gründete. Die Band gibt Konzerte mit Andenmusik und hat bereits eine Platte aufgenommen. Drei seiner Geschwister spielen mit. Auf Gran Canaria beteiligt sich der 60-Jährige an einer kanarischen Folkloreband namens «Chupito».

Die Verbindung zwischen Andenmusik, den Kanarischen Inseln und Europa kommt nicht von ganz ungefähr, meint der Österreicher. Schon Kolumbus kreuzte auf seiner ersten Fahrt die Islas Canarias. Später wurde die Inselgruppe zu einem wichtigen Anlaufpunkt der spanischen Konquistadoren bei ihren Seefahrten zwischen Amerika und Europa.

 

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