«Der Soldat James Ryan» von Steven Spielberg

Der Kriegsfilm beruht auf einer wahren Begebenheit: Drei amerikanische Brüder, die in Europa und Neuguinea kämpfen, sind in kurzer Reihenfolge gefallen. Ein vierter zieht in Frankreich zu Felde. Hauptmann John Miller (Tom Hanks) erhält den Befehl, den Mann zu finden, um ihn sofort vom Dienst zu befreien und ihn heimwärts zu seiner Mutter abzukommandieren.

Der Film schildert die Suchaktion, beginnend mit der Landung in der Normandie am 6. Juni 1944. Diese Szenenfolge hat eine Spieldauer von 22 Minuten (!), die in eine Greuelschau sondergleichen ausartet. Seekranke Soldaten übergeben sich in Großaufnahme, einem Verwundeten quellen die Eingeweide aus dem Leib, ein Sanitäter operiert behelfsmäßig die klaffende Wunde eines vor Schmerz schreienden Soldaten.

Das Bild ist grobkörnig, die Farbtönungen bleich und hart und die Überzahl der Aufnahmen mit der Handkamera gedreht, um den Eindruck einer realistischen Dokumentation zu vermitteln. Oft sind sie derartig verwackelt, dass man geradezu verhindert ist, den Handlungsablauf zu verfolgen.

Die Geräuschgestaltung ist ein Kapitel für sich. Der Tonmeister Gary Rydstrom bemühte sich um eine historisch echte Wiedergabe der deutschen und amerikanischen Geschütze, was übrigens von Experten gelobt wurde. Und wie es aus den sechs Kanälen knallt in diesen 22 Minuten!

Natürlich hat der Streifen auch seine besinnlichen Einstellungen. Ergreifend sind zum Beispiel die Bilder, in denen Offiziere und ein Kaplan auf der Farm der Ryans vorfahren, um die Mutter über den Tod ihrer Söhne zu unterrichten. Kaum sieht die Frau den Priester aussteigen, da begreift sie was vorgefallen ist und erleidet einen Zusammenbruch.

Regisseur Spielberg mahnt – ohne den moralischen Zeigefinger erheben zu müssen – wie schrecklich Krieg sein kann und wirkt dabei durchaus überzeugend. Er hat auf der beigelegten zweiten Platte verschiedene Auftritte, in denen er diesen Gedanken erläutert.

 

 

Diese Zugabe ist reich bestückt mit Reportagen über den Zweiten Weltkrieg und die Entstehung des Films. Man erfährt Näheres über die Zusammenarbeit zwischen Spielberg und dem Hauptdarsteller Tom Hanks, sowie über den militärischen Drill, den die Schauspieler von Captain Dale Dye erhielten, um «echt» zu wirken.

Ein 22-minütiges Making-of ist auch dabei, dazu ein Bericht über den Omaha-Strand-Schauplatz, der in Irland in Szene gesetzt wurde. Besonders sehenswert ist die anderthalbstündige Dokumentation «Shooting War», in der in Ehren ergraute Kameramänner ihre Erfahrungen an den verschiedenen europäischen und asiatischen Fronten schildern.

Alles in allem Material in Hülle und Fülle über den Zweiten Weltkrieg und dazu ein spannender Langspielfilm, der fünf Oscars erhielt, darunter die begehrte Statuette für die beste Regie.

 

Von Walter Krumbach

 

«Saving Private Ryan», USA, 1998. Regie: Steven Spielberg. Produktion: Steven Spielberg, Ian Bryce. Drehbuch: Robert Rodat. Musik: John Williams. Mit: Tom Hanks, Edward Burns, Matt Damon, Tom Sizemore. Spieldauer: 169 Min.

 

Bild                 ***

Ton                 *****

Darbietung   ****

Extras            *****

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