Juan Francisco González (1853-1933)

Vor 80 Jahren starb der wohl bekannteste «alte» Maler Chiles, Juan Francisco González. Aus diesem Anlass werden im Instituto Cultural de Las Condes 80 seiner Werke gezeigt, die aus verschiedenen Institutionen und von verschiedenen Sammlern stammen.

Der Maler war ein echter Neuerer in der chilenischen Malerei. Er ließ ihre bis zu seinen Tagen praktisch völlige Abhängigkeit von französischen Vorbildern hinter sich und entwickelte eine freiere, gelöstere und modernere Malart. Sein Leben wird fast immer in spezifische Epochen geteilt, bestimmt von seinen Reisen nach Peru und vor allem nach Frankreich und Europa, wo er während seiner letzten Reise auch in München studierte.

Nach seiner Schulung in der Santiaguiner Kunstakademie, unter anderem von Pedro Lira, ließ er sich nach einem Aufenthalt in La Serena in Valparaíso nieder, wo er sich voll seiner Kunst widmete, mit Ansichten aus dem Hafen, seiner Schiffe, seiner Häuser. 1896 trat er seine erste Reise nach Europa an, zwei Jahre danach die zweite und schließlich 1904 die dritte und letzte.

Zusehend lockerte sich sein Stil. Er begann – und das ist das Charakteristische für sein Werk – seine Bilder auf kleine bunte Flecken aufzubauen, obwohl natürlich, speziell in seinen Gebäuden, fast gerade Linien nicht fehlen konnten. Aber besonders seine fast immer kleinen Landschaften und Stillleben, und mehr noch seine vielen Blumenbilder der späteren Jahren, sind bei näherem Hinblicken Farbtupfen und –flecken, die ineinanderlaufen und dabei seine Motive bestens gestalten.

Entsprechend wird er oft als ein hiesiger Impressionist eingestuft, was aber nur für die Technik der Farbgebung gilt. Dieser Art die Farbe aufzutragen ist speziell in späteren Jahren recht pastös und immer persönlich. So sehr, dass er einmal, gefragt warum er so viele seiner Bilder nicht unterschrieb, antwortete: «Unnötig. Meine Bilder erkennt man sofort als solche.»

Eine von ihm sicherlich unerwartete Konsequenz: In seinen über 60 Jahren eifrigen Schaffens dürfte er schätzungsweise rund um 4.000 Bilder gemalt haben. Aber im Markt gibt es vielleicht 6.000 oder mehr «echte» González-Werke.

Der Künstler arbeitete nach der Rückkehr von seiner letzten Reise (1906) in Santiago. Diese Epoche wird zumeist als seine Glanzepoche betrachtet und wurde mit wichtigen Professuren, Preisen und Ehren belohnt. González zog sich Ende seines Lebens nach Melipilla zurück; in dieser letzten Epoche tendiert er zu dunkleren Farben.

Heute ist sich die lokale Kunstgeschichte seiner großen Wichtigkeit für Chile und seines Einflusses einig, und viele junge Maler beginnen zumindest ihre Karriere noch mit einem prüfenden und ausprobierenden Blick auf ihn.

 

Von Pedro Labowitz

 

Die Ausstellung läuft im Instituto Cultural de Las Condes, Avenida Apoquindo 6570, noch bis zum 29. September.

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