Wie im Himmel

Wer viele «ältere» Konzertbesucher erwartet hatte, sah sich getäuscht. Obwohl die englische Pop-Band The Cure Ende der 70er Jahre gegründet wurde und ihren Höhepunkt von Mitte der 80er bis hinein in die 90er Jahre feierte, waren etliche Fans ins Nationalstadium gekommen, die vom Aussehen nach zu urteilen klar jünger waren als 40 oder 30 Jahre alt.

Doch Hits wie «Boys Don´t Cry» (1979), «Inbetween Days» (1985), «Just Like Heaven»(1987), «Lullaby» (1989), «Pictures of You»(1990) und «Friday I´m in Love» (1992) gelten schon längst als zeitlose Klassiker. Und als diese Songs angestimmt wurden, hielt es niemanden mehr auf den Plätzen. Alle sangen textfirm mit. Wer sagt da noch, die Chilenen seien schwach in Englisch?

Das erste Mal in ihrer 35-jährigen Karriere trat die Band um Frontmann Robert Smith in Chile auf; gleichzeitig war es das erste Mal in Lateinamerika nach 17 Jahren. Dieser Umstand sowie die internationale Bekanntheit wirkte wie ein Magnet: Schätzungsweise bis zu 60.000 Menschen kamen, sahen und hörten.

Und schwärmten in Nostalgie. Bis auf ein paar poppige, fröhlich Ausnahmen liegt allen Liedern von The Cure eine depressive, melancholische Stimmung zu Grunde. Sartres und Camus´ Existenzialismus wird hier akustisch erfahrbar. Unweigerlich dürften ältere Zuhörer einige Songs mit der ersten Liebe, der ersten Trennung oder auch den Weltschmerz assoziieren, der bekanntlich in jungen Jahren besonders schlimm daherkommt.

Ganze dreieinhalb Stunden lang spielte die Gruppe – perfekt im Ton, gut ausbalanciert in der Lautstärke. Und durch alle Stücke hindurch die unverwechselbare Stimme von Robert Smith, so unverändert, also ob die 80er Jahre erste gestern gewesen wären. Eben «Just Like in Heaven».

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