Druckgraphik von René Magritte (1898-1967)

Das vom santiaguiner Publikum leider ungenügend bekannte Museo Raill zeigt aus seiner Sammlung Lithographien dieses berühmten belgischen Surrealisten. Sein bekanntestes Werk ist wahrscheinlich ein kleines Ölbild, das eine Pfeife zeigt und die Inschrift: «das ist keine Pfeife» – womit er auf die schwache Verbindung zwischen Wort oder Sprache und der Realität hinweist. Die Ausstellung trägt den Titel «Der Maler der Geheimnisse».

In den ausgestellten Blättern können wir einmal mehr, was die Ausführung betrifft, den extremen Realismus des Künstlers in den Details bewundern und die unwirklichen, fantastischen Verbindungen dieser. Einen Zug, den er mit anderen Surrealisten, wie etwa de Chirico, teilt, so zum Beispiel hier «Le chateau des Pyrrenées»: Ein großes unregelmäßiges Felsstück mit einer winzigen steinernen Burg obenauf, ist dabei senkrecht ins Meer zu fallen. Alle Details sind überzeugend naturalistisch wiedergegeben, aber ihr Zusammenspiel führt uns in das Reich der fantastischen Erfindungen.

Dasselbe lässt sich von jenen nächtlichen Häusern sagen, die kaum von einer Laterne erleuchtet sind und aus denen durch die Fenster elektrisches Licht strahlt – wobei über diesen Szenen jeweils sich ein hellblauer Tageshimmel mit weißen Wolken erstreckt.

In verschiedenen Lithos wiederholt sich die realistische Farbe eines Objekts irreal in einem anderen – etwa wenn das Laub gewisser Bäume sich genau auf dem Körper eines darüber fliegenden Vogels spiegelt.

Das kreative Spielfeld von Magritte und seine überraschende Erfindungsgabe scheinen schier unerschöpflich, von bestens gekleideten Männern, die wie Wassertropfen in einen Hof fallen bis zu jenem Herrn, der statt einer Nase einen grünen Apfel trägt. Magritte erstaunt und erheitert uns in jedem der ausgestellten Blätter.

Ein Besuch der Ausstellung ist ein Vergnügen, nicht zuletzt weil in anschließenden Sälen hochwertige Lithographien von anderen zeitgenössischen Künstlern zu sehen sind, darunter L. Carrington, W. Lam, R. Matta, J. Miró oder Man Ray.

 

Von Pedro Labowitz

 

Info: Die Ausstellung ist im Museo Ralli, Alonso de Sotomayor 4110, Vitacura, noch bis 2014 zu sehen.

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