Auf einer Skala ganz oben: Valparaíso und die «Beatles»

Interview mit Rodrigo González von der Band «Die Ärzte»

Rodrigo González wurde 1968 in Valparaíso geboren, lebt aber seit seiner Kindheit in Deutschland. Der Bassist ist Mitglied der Band «Die Ärzte», einer der erfolgreichsten deutschen Bands neben den «Toten Hosen».
Rodrigo González wurde 1968 in Valparaíso geboren, lebt aber seit seiner Kindheit in Deutschland. Der Bassist ist Mitglied der Band «Die Ärzte», einer der erfolgreichsten deutschen Bands neben den «Toten Hosen».

 

Anfang Juni wurde das diesjährige Rockfestival der Deutschen Schulen in Chile unter dem Motto «Was ihr wollt» mit dem bekannten chilenischen Bassist der Rockband «Die Ärzte», Rodrigo Gonzales, ausgetragen. Die Schüler David Seewald, Henry Reibe und Jendrik Schulze (7 G) der DS Santiago führten im Anschluss an das Festival mit ihm ein Interview.

 

Was für Musik hast du früher gerne als Teenager gehört?

Als ich klein war, habe ich gerne die «Beatles» gehört, das war der Anreiz selber Musik zu machen, weil man die Stücke spielen wollte. Mit zehn Jahren kam Rockmusik wie «Queen» und «Old-mans-kiss» oder sehr virtuose Bands wie «Black Sabbath», dann 1981 mit 12 und 13 Jahren kam Punk in mein Leben, als wir einen englischen Austauschschüler aus Winden hatten, der hatte drei Singles dabei, darunter die «Sex Pistols», und da war für mich klar, dass das noch viel geiler war als das, was ich vorher gehört hatte. Das war der ausschlaggebende Moment auch selber wirklich Musik zu machen und selber anfangen zu spielen. So eigene Stücke zu schreiben und eine Band zu gründen.

 

1993 sind sie bei den Ärzten eingestiegen, wie genau lief das damals ab?

Die Band hatte sich 1987 offiziell aufgelöst, die gab`s nur sechs Jahre, dann haben sie eine fünfjährige Pause gemacht. Und als die beiden Protagonisten Farin Urlaub und Bella B. beschlossen, sie würden die Band gerne wieder machen, war ihnen klar, dass sie den alten Bassisten nicht mehr wollten. Sie haben mich gefragt, doch ich war zunächst nicht so begeistert. Ich hatte zuerst bei den «Wambles» gespielt, sehr erfolgreich. Danach in einer Rocker-Band, wo ich E-Gitarre gespielt habe, zum Teil auch als Studiengitarrist gearbeitet. Ich dachte: wieder Bass spielen, das ist aber öde. Aber dann haben sie mich überzeugt und sie konnten mir versichern, dass das, was sie vorhatten, nicht so wie «wir spielen die alten Lieder noch mal» sein würde.

 

Welches Lied von den «Ärzten» spielst du am liebsten?

Man mag das am meisten, was man am wenigsten spielt. Die Lieder, die man immer spielt, sind dann irgendwann langweilig.

 

Welches war das erste Instrument, was du gespielt hast?

E-Gitarre, dann kam Bass.

 

Welche Band ist dein Vorbild?

Da hat es viele gegeben, ja eigentlich die «Beatles».

 

Lieder wie «Schrei nach Liebe» und «Deine Schuld» sind sehr gut. Mit den Texten wollt ihr aber auch etwas Wichtiges ausdrücken, oder?

Ja klar! Die «Ärzte» stehen für eine sehr libertäre Einstellung, dass man sich seine eigenen Gedanken machen und nicht einfach Sachen so hinnehmen soll, wie sie sind. Es gibt viele Bands, die glauben, sie haben den Auftrag, dass sie die Leute belehren müssen, doch so waren wir nie. Wir wollen, dass die Zuhörer sich ein eigenes Bild machen. Bei manchen Themen sagen wir deutlich unsere Meinung wie bei Rassismus und Faschismus; bei allen anderen versuchen wir es so textlich hinzukriegen, dass es nicht vorgefertigt ist, was sie zu denken haben. Die beiden besagten Stücke haben einen Ansatz: Geh auf die Straße und mach dein Maul auf, wenn du was ändern willst. Grundsätzlich verkaufen wir keine Lieder, wo wir sagen: Mach das, das und das. Außerdem sind unsere Fans schlau genug, um das selber zu wissen.

 

Du hast deine Kindheit in Valparaíso und Hamburg verbracht. Welche Stadt gefällt dir besser?

Da ich in Berlin lebe, mag ich Hamburg nicht mehr so sehr. Valparaíso ist auf jeden Fall die geilere Stadt. So was gibt es nicht nochmal auf dieser Welt. Hamburg ist zu Valparaíso verglichen saulangweilig. Der Hamburgerschnack ist super. Auf einer Skala ganz oben Valparaíso und dann käme nach einer Zeit Hamburg. Ich wohne zurzeit in Berlin, das ist die einzige Stadt in Deutschland, wo ich leben möchte. Wenn ich eine andere Stadt aussuchen sollte, würde ich ins Ausland ziehen, denn da gibt es schönere Städte als zum Beispiel Braunschweig.

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