Sieg über die Fremdherrschaft

Doppeljubiläum

Die Schlacht und das Denkmal

 

Vier Tage im Oktober: Die Völkerschlacht in Leipzig vor 200 Jahren war ein blutiges Gemetzel. In Erinnerung blieb vor allem der Triumph über Napoleon. Vor 100 Jahren wurde das Völkerschlachtdenkmal fertig.

 

Das 91 Meter hohe Erinnerungsmal an die Völkerschlacht wurde von 1898 bis 1913 nach dem Entwurf von Bruno Schmitz bei Leipzig errichtet. Das Monumentaldenkmal erhebt sich unweit des Kommandostandes Napoleons.

Leipzig (dpa/tmn) – Das Museum am Völkerschlachtdenkmal macht um 10 Uhr auf. Aber schon eine Viertelstunde vorher stehen zwei Schulklassen vor der überdimensionalen Kriegerfigur mit Schild und Rüstung. Wenn sie die Spitze des gigantischen steinernen Klotzes sehen wollen, müssen sie den Kopf in den Nacken legen: Er ist 91 Meter hoch – das größte Denkmal Europas – und Leipzigs meistbesuchte Touristenattraktion. Im Oktober wird es 100 Jahre alt. Es erinnert an ein blutiges Ereignis, das sich zum 200. Mal jährt: die Völkerschlacht.

Leipzig war 1813 mit gerade einmal 33.000 Einwohnern überschaubar. Doch vor der Stadt kämpften ab dem 16. Oktober mehr als eine halbe Million Soldaten, mindestens 90.000 kamen ums Leben. Napoleons Truppen mussten sich schließlich Preußen, Russen und Österreichern geschlagen geben. Die große Zeit des kleinen Korsen war damit vorbei, bis Waterloo fehlte nicht mehr viel. Die Völkerschlacht war ein Triumph über den machtbewussten Feldherrn, der in Leipzig vorschnell schon die Siegesglocken hatte läuten lassen.

Aber der triumphale Sieg ist nur das eine: «Es war das blutigste Gemetzel des 19. Jahrhunderts», sagt Steffen Poser, Leiter des Museums Forum 1813. «Äcker und Felder waren mit Leichen und Pferdekadavern bedeckt, auf den Dörfern hat es wochenlang gedauert, die Toten zu begraben.» Das Denkmal, das 100 Jahre nach der Schlacht unweit der Stelle eingeweiht wurde, an der Napoleon den Befehl zum Rückzug gab, erinnert auch daran.

Das Stadtgeschichtliche Museum zeigt vom 4. September bis zum 5. Januar die Ausstellung «Helden nach Maß». Natürlich widmet sie sich der Völkerschlacht. «Aber es geht nicht darum, deren Geschichte nochmal zu erzählen», sagt Poser. «Sie soll auch ein wenig irritieren», kündigt der Historiker an. Nicht Schlachtpläne, Kanonenkugeln und Uniformjacken sind dort zu sehen, sondern zum Beispiel ein Weckglas mit Erdbeeren aus Posers Garten.

Was hat das mit der Schlacht zu tun? Eigentlich nichts. Aber eine Erdbeersorte ist nach der preußischen Königin Luise benannt, die wie keine andere Frau ihrer Zeit für den Kampf gegen Napoleon stand. «Wir wollen auch ungewöhnliche Zusammenhänge zeigen», erklärt Poser – und den Bogen etwas weiter spannen: von den preußischen Generälen wie Blücher und Gneisenau bis zum Ehrenmal für gefallene Bundeswehrsoldaten und vom Eisernen Kreuz, das 1813 gestiftet wurde.

 

Pferdeskelett im Museum

Mit einem besonderen Exponat wartet auch das Militärhistorische Museum in Dresden auf. Hunderte Knochen, eine Kanonenkugel und ein gut erhaltener Kiefer – aus diesen Einzelteilen setzen Experten derzeit das 200 Jahre alte Skelett eines Pferdes aus der Völkerschlacht bei Leipzig wieder zusammen. «Ein Glücksfall für unsere Ausstellung und ein Schlüsselexponat», sagt Historiker und Kurator Gerhard Bauer Nur wenige Stücke seien so authentisch und würden ein Bild vom Schlachtfeld um 1813 vermitteln.

In der neuen Schau «Blutige Romantik – 200 Jahre Befreiungskriege gegen Napoleon» (6. September bis Januar 2014) soll die dramatische und gewaltgeprägte Epoche anhand von mehr als 500 Exponaten in Dresden lebendig werden.

Das Skelett sei nicht vollständig, viele Knochen fehlten oder seien zerbrochen. «Dennoch sollte das Pferd möglichst so hergerichtet werden, wie es auf dem Schlachtfeld verendet ist», sagte Landesarchäologin Regina Smolnik zur Arbeit der Experten des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden. Sie hatten keine leichte Aufgabe bei rund 300 bis 500 Einzelteilen.

Gefunden wurde das Tier mit einer faustgroßen Kanonenkugel im Bauch. «Daran ist es vermutlich verendet.» Eine Musketenkugel im Unterkiefer lasse darauf schließen, dass der Soldat seinem Pferd den Gnadenschuss gegeben habe. Es sei ein kräftiges Warmblut gewesen und habe während der Schlacht als Zug- oder Lastenpferd gedient, sagte Smolnik. Historiker gehen davon aus, dass rund eine Million Pferde in den Befreiungskriegen zwischen 1806 bis 1813 starben.

Für die Ausstellung wird das Pferdeskelett in eine begehbare Bodenvitrine eingelassen. Die Überreste könnten laut Smolnik nicht auf das Jahr genau datiert werden – aber die typischen Verletzungen lassen auf das Kriegsgeschehen von 1813 schließen. Die Knochen waren 2004 bei Straßenbauarbeiten im Leipziger Stadtteil Lindenthal gefunden worden. Die Gegend war einer der Nebenschauplätze der Völkerschlacht.

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