Schiffe und ihre Schicksale

Der Neubau einer weiteren stählernen Viermastbark wurde von der Reederei Laeisz 1914 bei der Werft von Blohm & Voss geordert. Leider brach im gleichen Jahr der Erste Weltkrieg aus und die Fertigstellung verzögerte sich. Erst im Juni 1917 konnte das Schiff auf den Namen «Priwall» getauft werden. So hieß eine Halbinsel dem Ostseebades Travemünde gegenüber.

 

Durch Verhandlungen mit den Siegermächten erreichte der Eigner, dass die «Priwall» nach Kriegsende nicht ausgeliefert werden musste, da sie erst im März 1920 vom Hersteller übergeben wurde.

Laeisz setzte das neue Schiff sofort im wiedereröffneten Liniendienst nach Chile ein. Beladen mit Stückgut und Zement verließ die «Priwall» am 24. Juli den Hamburger Hafen. Auch Passagiere befanden sich an Bord, welche die Reise nach Valparaiso gebucht hatten. Am 12. November erreichte man diese Stadt und nahm anschließend in Mejillones eine Ladung Salpeter über. Mit einer hervorragenden Leistung wurde nach 121 Tagen Fahrt Delfzijl erreicht.

Spätere Reisen verliefen nicht so schnell. 1926 zum Beispiel sollte die Fracht in Venedig abgeliefert werden. Das fiel ganz aus dem Rahmen, denn die Winde im Mittelmeer begünstigten das Segelschiff keineswegs. Sage und schreibe nach einem geschlagenen Jahr lief die «Priwall» dann auch erst wieder im Heimathafen Hamburg ein. Erst 1935 besserte das Schiff seinen Ruf auf und rundete Kap Horn in nur sechs Tagen.

Von ihrer 19. Reise nach Chile kehrte die «Priwall» 1939 nicht mehr nach Deutschland zurück. Sie löschte ihre Fracht am 10. August in Corral und kam am 31. dieses Monats in Valparaiso an, also einen Tag vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Bis 1941 lag die Bark auf Reede. Da noch immer kein Ende des Krieges abzusehen war, übereignete man sie der chilenischen Regierung.

Nun wurde sie unter dem Namen «Lautaro» als Frachtschulschiff eingesetzt. Während der Kriegsjahre unternahm sie Reisen an der Westküste Südamerikas. Im März 1945 geriet eine Salpeterladung vor der peruanischen Küste in Brand. Man musste den Totalverlust des stolzenSchiffes beklagen.

 

Aus «Padua» wird «Krusenstern»

Im Jahr 1925 wagte es die Laeisz-Reederei noch einmal, ein Segelschiff bauen zu lassen. Es wurde nach alter Tradition auf der Tecklenborg Werft in Auftrag gegeben. Und gleich ging die Fahrt nach Chile. Auf der Jungfernreise brauchte die «Padua» von Hamburg nach Talcahuano nur 87 Tage. Da die deutschen Reeder sich über die erzieherischen Werte der Ausbildung von Führungspersonal zur See auf Segelschiffen einig waren, erfuhr die «Padua» von einem dafür gegründeten Verein Unterstützung.

Eine kurzweilige Unterbrechung des Liniendienstes an die Westküste Südamerikas trat ein, als die «Padua» wiederholt von Filmgesellschaften gechartert wurde. Es begann mit der «Meuterei auf der Elsinore» (1935), dem Film «Herz geht vor Anker» und dem allbekannten Streifen «Große Freiheit Nr.7» mit Hans Albers (1944).

Dann brachte sie wieder Koks und Kali nach Corral. Das gelang ihr in 61 Tagen. Am 8. August 1929 nahm die «Padua» in ihrem Heimathafen noch einmal Fracht nach Chile über. Doch die Ausreise verzögerte sich und sie wurde schließlich wieder entladen, denn Deutschland befand sich im Krieg.

Als Schulschiff versah der Segler eine Zeit Dienst in der Ostsee. Wegen der dort lauernden Gefahren führte sie ihr Kapitän dann in die Flensburger Förde. 1945 übernahm sie ein sowjetisches Kommando als Reparationsleistung. Unter russischer Flagge fährt sie noch heute als Schulschiff «Krusenstern» über die Weltmeere. Vor drei Jahren konnte man sie beim großen Treffen der internationalen Windjammer in Valparaiso sehen.

 

Von Alois Schmidt

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