Pioniere der Militärreform

Eine kritische Analyse des Pazifik-Krieges (1879-1884), durch hochrangige Offiziere der chilenischen Armee durchgeführt, leitete zu dem Schluss, dass der siegreiche Ausgang für Chile eher auf den Mut der chilenischen Soldaten auf den Schlachtfeldern als auf die angewandten Strategien und Taktiken zurückzuführen sei.

Fahnenträger der Militärschule, Leutnant Bruno Siebert Held, rechte Eskorte, Fähnrich Richard Quaas Bornscheuer, bei der Militärparade 1957.

Im Verlauf des Krieges hatte Bismarck zweimal Eingriffe von Großbritannien und den Vereinigten Staaten zugunsten der peruanisch-bolivianischen Allianz verhindern können. Auf der anderen Seite waren die Erinnerungen an den Erfolg der deutschen Waffen im deutsch-französischen Krieg von 1870-71 immer noch sehr frisch. Beide Umstände beeinflussten entscheidend die chilenischen Militärführer unter General Sotomayor, die unverzüglich nach der Beendigung der Feindseligkeiten nach deutschen militärischen Missionen verlangten.

Es sollte mit anekdotischem Wert erwähnt werden, dass das beispielhafte Verhalten des deutschen Offiziers Otto von Moltke, der im Kampf auf der chilenischen Seite in der Schlacht von Chorrillos 1881 in der Nähe von Lima fiel, General Sotomayor in seinem Anliegen bestärkt haben dürfte, sein Blick gen Deutschland zu wenden.

Schon Ende 1884 kam Leutnant Schenk als erster deutscher Lehrer der Artillerie und Befestigungsanlagen. Ein Jahr später traf Hauptmann Emilio Körner ein, der zum Lehrer der Militärschule und Organisator der Kriegsakademie berufen wurde. Mit seiner späteren Ernennung als stellvertretender Kommandeur der Militärschule begann die tiefe Modernisierung der chilenischen Armee und ihrer Lehrmethoden, ganz nach preußischem Vorbild.

Zwischen 1885 und 1891 kamen auch Hauptmann Januskowski als Turn-und Fechtlehrer, Major Betzhold als Experte in Befestigungsanlagen, Freiherr von Bischoffshausen als Professor für Taktik, außerdem die Offiziere Drigalski und Schmit von Wuthenow.

Im Jahr 1895 wurde Körner zum General befördert und begann in dem Jahr die Anstellung einer großen Anzahl von deutschen Offizieren, die über das ganze Land verteilt wurden. So wurde Bonsart von Schellendorf nach Tacna (peruanische Stadt, durch Chile besetzt, bis zur Volksabstimmung von 1929) versetzt; Grahl nach Talcahuano; der Graf von Königsmarck zum Eskort-Schwadron in Santiago; von Alvensleben nach La Serena; Bansa und Zimmermann zur Kriegsakademie; von Below und Rogalla von Bieberstein an die Militär-Schule; Berling ins Infanterie-Regiment in Santiago.

Der Graf von Brockdorf-Ahlefeldt und von Wrangell ins Kavallerie-Regiment von Angol; von Erckert nach Antofagasta; von Fritsche nach Limache; Güttich und Graf von der Schulenburg-Wolfsburg zur Artillerie in Santiago; Hardt nach Valparaíso zur Artillerie der Küstenabwehrkräfte; Schneevoigt, von Harbou und von Wulfen zur Schießschule in San Bernardo; Herrmann, Horn, von Lettow-Vorbeck und Pirscher zur Unteroffiziersschule.

Von Jöden nach Concepción zum Infanterie-Regiment; Kellermeister von der Lund nach Valparaíso; Marcard zur Militär Schule; von Oven und von Rüxleben nach Iquique; von Rogister ins Kavallerie-Regiment von Santiago; Roth nach Talca und Sipmann zu den Pionieren in Santiago. Ihnen sind noch alle pensionierte Offiziere zuzufügen, O’Grady, Betzhold und Dainert, letzterer als Körners Generalsekretär, sowie auch die Lehrer Pönisch, Tafelmacher, Francke und Everding.

Ab dem Jahr 1908 wurde von den anzustellenden Offizieren gefordert, dem deutschen Generalstab angehört zu haben. Dieser Gruppe gehören von Hartrott, Mohs, von Kiesling, Haenlein und Lothes an.

Damit die vorliegende Aufzählung so vollständig wie möglich ist, müssen wir folgende Namen hinzufügen: die Artillerie-Instrukteure Zieger, Hess, Schobert und Sirvent; die Tierärzte Reff und Dierehki; die von Krupp entsandten Spezialisten: Wadenphul als Chefingenieur der Munitionsfabrik und die Pyrotechniker Hille und Ohlmann; sowie auch die Hufbeschlaglehrer Schwalbe und Redens und der Kartograph Hundt.

Körner befürwortete auch die Einführung der Wehrpflicht, die vom Kongress im Jahr 1900 genehmigt wurde.

Diese Gruppe von Offizieren und Instrukteuren, obwohl sie begrenzt war, hat im ganzen Militärbereich einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung und Modernisierung der chilenischen Armee ausgeübt. Sie und die chilenischen Offiziere, die nach Deutschland zur Fortbildung geschickt wurden, erhob die chilenische Armee auf die Höhe, die sie bis zum heutigen Tag bewahrt hat.

Chile ist stolz auf seine Streitkräfte, und das Ansehen und Sympathie gegenüber den Deutschen in Chile kann man in gutem Maße sicherlich auch auf die Leistungen dieser deutschen Offiziere zurückführen.

Seit jenen Zeiten haben Chilenen deutscher Abstammung die höchsten Ränge sowohl in der Armee wie in der Marine und der Chilenischen Luftwaffe erreicht. Zu ihnen gehören Namen wie Allen, Heitmann, Mahn, Forestier, Prüssing, Siebert, Matthei, Weber, Zippelins, Klaue, König, Schöpke, Westermeyer, Junge, Wachtendorff, Hepp und Hartwig, nur um einige Wenige zu nennen.

 

Von Ricardo Elfeldt W.

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