Otto Grashof – ein deutscher Maler in Chile Mitte des 19. Jahrhunderts

Das Gemälde "Die Gründer Chiles" aus dem Jahr 1854: José Miguel Carrera, Bernardo O´Higgins, José de San Martín, Diego Portales
Das Gemälde „Die Gründer Chiles“ aus dem Jahr 1854: José Miguel Carrera, Bernardo O´Higgins, José de San Martín, Diego Portales

Bei einem Vortrag in der Universität Bernardo O’Higgins hörte ich von einem deutschen Maler, der Mitte des 19. Jahrhundert für einige Monate in Chile einige Arbeiten vollbrachte, darunter auch eines, auf dem unser Nationalheld Bernardo O’Higgins vorkam. Ich hatte noch nie von diesem Maler gehört, so dass ich im Archiv Emil Held Informationen über ihn suchte und auch fand.

Von Bruno Siebert H.
Emil Held Archiv

Otto Grashof wurde 1812 in Prenzlau, Uckermark, geboren. Er ging in die Schule und studierte in Köln, bis er 1830 nach Berlin kam. Nach seiner Malerausbildung fuhr er nach Russland, wo er in Sankt Petersburg und in Moskau für bekannte Persönlichkeiten Porträts anfertigte, sogar für den Zar Nikolas I.

1845 kehrte er nach Berlin zurück, wo er mit Alexander von Humboldt Bekanntschaft machte. Dieser forderte ihn auf, eine Reise nach Südamerika zu unternehmen, auch unterstützt vom Forscher Paul von Württemberg, um Malereien zu einem Buch über Südamerika anzufertigen.

Das Gemälde "Familie auf der Terrasse über Valparaíso" von 1854
Das Gemälde „Familie auf der Terrasse über Valparaíso“ von 1854

Somit kam er über Uruguay und Argentinien – damals gerade während der Revolution – und gelangte schließlich 1853 nach Chile, wo er 15 Monate lang blieb und interessante Beziehungen zu Diplomaten, Unternehmern, Kaufleuten und führenden Persönlichkeiten der Regierung knüpfte. Mehrere Arbeiten wurden ihm aufgegeben, darunter auch Landschaften und Studien über die Ureinwohner. Diese befinden sich heute hauptsächlich in Deutschland, aber auch in privaten Sammlungen hier in Chile.

Der weit bekannte chilenische Geschichtsschreiber und Universitätsrektor Diego Barros Arana verlangte von ihm ein Bild mit den vier Hauptfiguren der Gründung unser Republik Bernardo O’Higgins, José Miguel Carrera, José de San Martín und Diego Portales. So entstand das Bild «Vier Väter des Heimatlandes», das im Museum von Rancagua zu sehen ist.

Tanz der Zamacueca
Tanz der Zamacueca

Es ist anzumerken, dass in der Hälfte des 19. Jahrhunderts noch zwei deutsche Maler Chile besuchten, und zwar Moritz Rugendas von 1834 bis 1842 und Alexander Simon im Jahr 1852. Zusammen mit dem Franzosen Raymond Monvoisin von 1842 bis 1858 hielten sie in Gemälden die damaligen Persönlichkeiten, Sitten und Landschaften für die Nachwelt fest.

Otto Grashof verliebte sich in Chile, hauptsächlich in Valparaíso, wo sein Freund und Mitarbeiter Franz Hallmann ihn aufnahm und unterstützte. Als er Valparaíso per Schiff verließ, um über den Kap Horn nach Brasilien zu fahren, schrieb er ein kurzes Gedicht, in dem er sein Herz ausschüttete.

1855 durchreiste er auch noch Brasilien. Nach vier Jahren harter, aber fruchtbarer Arbeit kehrte er nach Deutschland zurück. Erst 1864 gelang es ihm ein illustriertes Buch mit seinen vielen Gemälden über Südamerika herauszugeben. Im hohen Alter erblindete er leider und starb schließlich 1897 in Köln, bekannt als der «Maler der kaiserlichen Häuser von Russland und Brasilien».

Print Friendly

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*