Die Mehrfach-Nobelpreisträgerin Marie Curie

Die Physikerin und Chemikerin Marie Curie (1867-1934) erhielt in beiden Fachgebieten den Nobelpreis. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Piere Curie entdeckte sich die Elemente Polonium und Radium und prägte das Wort «radioaktiv».

 

Als Marie Curie – geboren unter dem Namen Maria Salomea Sklodowska – 15 Jahre alt war, hatte sie ihr Abitur in der Tasche. Als Klassenbeste wurde sie damals ausgezeichnet. Danach hatte die junge Polin nur einen Wunsch: Sie wollte studieren gehen. Doch die Zeiten in Polen Ende des 19. Jahrhunderts waren für Studentinnen nicht gerade hoffnungsvoll. Es gab kaum Möglichkeiten für Frauen, ein Studium anzufangen. Und ein Studium im Ausland kostete ein halbes Vermögen. Doch Marie lies sich nicht beirren.

Über mehrere Jahre hinweg arbeitete die junge Polin als Hauslehrerin und sparte ihren Lohn für ein Studium. Sie wohnte jeweils eine Zeit lang bei den Familien und unterrichtete die Kinder den Tag über. An ihren freien Abenden las Marie Bücher über Physik, Soziologie, Anatomie und Physiologie. Sie wollte herausfinden, welches Fach ihr am besten gefällt. Schon damals fielen ihr die Naturwissenschaften ins Auge.

Einige Zeit später hatte sie erstmals die Möglichkeit, ein Labor zu betreten. Denn ihr Cousin wurde Leiter eines Museums, das auch über ein eigenes Laboratorium verfügte. Dort führte Marie die ersten eigenen chemischen und physikalischen Experimente durch. Und das nur auf Basis des Wissens, das sie sich über Monate hinweg angelesen hatte. In dem Labor wurde ihr klar: Sie wollte Physikerin werden.

Am 3. November 1891 war es endlich so weit. Nach acht Jahren harter Arbeit hatte Marie genug Geld für ihr Studium zusammen. Sie zog nach Paris und schrieb sich an der Universität Sorbonne für das Studium der Physik und der Mathematik ein. Zum Wintersemester 1891 waren von 9.000 Studenten nur 210 Frauen eingeschrieben. Im naturwissenschaftlichen Zweig waren es 23.

Marie musste sich durchkämpfen. Nicht nur, weil sie als Frau nicht so viel Anerkennung bekam wie ihre männlichen Mitstreiter. Sie hatte auch fachliche Probleme. Denn obwohl sie sich über Jahre hinweg den Stoff angelesen hatte, waren ihre Vorkenntnisse nicht so gut wie die der anderen Studenten. Hinzu kamen die sprachlichen Probleme. Alle Vorlesungen und Prüfungen waren auf Französisch.

Doch auch von diesen Hürden lies sie sich nicht abhalten. Marie war eine sehr strebsame und ehrgeizige Studentin. Tag und Nacht lernte sie in ihrem kleinen möblierten Zimmer in der Rue Flatters im Quartier Latin. Ihre Mühe zahlte sich aus. Den Abschluss in Physik machte sie als Jahrgangsbeste, den Abschluss in Mathematik als Zweitbeste.

 

Heirat mit dem Physiker Pierre Curie

Nach ihrem Studium war die Physikerin auf der verzweifelten Suche nach einem Labor für ihre Experimente. Sie wollte wissenschaftlich vorankommen und einen Doktortitel erlangen. Auf ihrer Suche nach einem geeigneten Platz lernte sie 1894 Pierre Curie kennen. Er leitete damals ein eigenes Labor und bat Marie einen Arbeitsplatz an. Aus den Arbeitskollegen wurde ein Paar. 1895 heirateten die beiden Physiker.

Als Ende desselben Jahres die Röntgenstrahlung entdeckt wurde, erntete diese Neuheit großes Aufsehen in der Welt der Wissenschaftler. Diese Strahlung besteht aus elektromagnetischen Wellen mit einer bestimmten Wellenlänge. Heute nutzt man sie zum Beispiel in Krankenhäusern, um Bilder von den Knochen eines Patienten zu machen. Zahlreiche Forschungsprojekte wurden durch diese Entdeckung ausgelöst. Auch die Curies interessierten sich sehr für das Thema. Denn Marie suchte immer noch ein Thema für ihre Doktorarbeit. Plötzlich hatte sie das Gefühl, den richtigen wissenschaftlichen Schwerpunkt erwischt zu haben.

Deshalb fing sie an, strahlende Materialien zu untersuchen. Dazu gehörten reines Uran und Pechblende, ein Material das ähnlich aussieht wie ein Stein und das unter anderem aus den Elementen Uran und Sauerstoff besteht. Marie Curie fand heraus, dass Pechblende viermal so aktiv wie Uran ist, also viermal so viel Strahlung abgibt und dass die Strahlung beim Uran proportional zum Anteil ansteigt. Also doppelt so viel Uran, doppelt so viel Strahlung.

 

Auf der Suche nach neuen Elementen

Das Wichtige aber daran ist, dass Marie durch diese Erkenntnisse darauf kam, dass die Strahlung eigentlich nur von den einzelnen Atomen im Material ausgehen kann. Sie ging davon aus, dass in der Pechblende außer Uran und Sauerstoff noch weitere Elemente stecken – bisher unbekannte Elemente. Deshalb versuchte sie akribisch, diese unbekannten Elemente zu isolieren.

Am 20. Dezember 1898 folgte endlich der lang erwartete Eintrag im Laborbuch der Curies: Radium und Polonium nannten sie die beiden neuen Elemente, letztes nach Maries Heimat in Polen. Außer den beiden Elementen schufen sie einen Namen für die Eigenschaft der sonderbaren Strahlung: Radioaktivität.

Für ihre Entdeckungen bekam Marie Curie zahlreiche finanzielle Unterstützung, zum Beispiel von der Academie des Sciences. Ihre Dissertation «Untersuchung über die radioaktiven Substanzen» wurde innerhalb eines Jahres in fünf Sprachen übersetzt und 17-mal in Fachzeitschriften abgedruckt.

1903 kam zudem die große Überraschung: Für ihre Entdeckung der beiden neuen Elemente erhielt das Ehepaar den Nobelpreis für Physik. 1911 bekam Marie Curie zusätzlich den Nobelpreis für Chemie. Damit ist die Wissenschaftlerin die einzige Person neben Linus Pauling und die einzige Frau, die jemals einen Nobelpreis auf zwei verschiedenen Gebieten bekommen hat.

 

Ein Leben für die Wissenschaft

Die Curies waren ganz oben auf die wissenschaftliche Karriereleiter geklettert. Besser konnte es nicht laufen. Doch dann kam das Unerwartete. Maries Mann Pierre geriet in einen Verkehrsunfall und starb noch am Unfallort. Ein Schicksalsschlag für Marie Curie. Sie hatte nicht nur ihren Lebenspartner, sondern auch Arbeitskollegen verloren.

Doch Marie konnte sich nach einiger Zeit wieder aufrappeln. Ihr Leben hatte sie der Wissenschaft verschrieben. Aus diesem Grund musste sie weitermachen. Marie konnte die Professur ihres Mannes für Physik an der Sorbonne übernehmen. Das erregte viel Aufsehen in der Welt der Wissenschaftler. Denn damit war sie nicht nur eine der wenigen Frauen in der Wissenschaft. Sie war die erste Frau, die an der Sorbonne lehrte. Zwei Jahre später übernahm sie sogar den Lehrstuhl für allgemeine Physik.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, lies sie ihre Forschung liegen. Sie erlernte die Grundlagen der Strahlenbehandlung und arbeitete in Krankenhäusern, um den verwundeten Soldaten zu helfen. Doch die Krankenhäuser waren zu der Zeit schlecht ausgestattet. Deswegen kam Marie auf die Idee, mobile Röntgenwagen einzusetzen. Damit fuhr sie zu den Lazaretten in der Nähe der Front und konnte den verletzten Soldaten helfen. Insgesamt rüstete sie 20 radiologische Fahrzeuge aus. Sie machte sogar einen Führerschein, um die Wagen selbst zu steuern, was für Frauen zu der Zeit eher ungewöhnlich war.

Nach dem Krieg engagierte sich Marie für bessere Arbeitsbedingungen von Wissenschaftlern ein. Sie fing an, im Pariser Radium-Institut zu arbeiten. Dort setzte sie sich ganz bewusst für weibliche und ausländische Studierende ein.

Marie Curie arbeitete Tag und Nacht in ihrem Labor. Das forderte einen Tribut, denn die Arbeit mit den radioaktiven Stoffen war nicht ganz ungefährlich, was damals niemand richtig ahnte. Ihr Gesundheitszustand wurde laufend schlechter: Sie hatte eine Fehlgeburt, es folgte eine Nierenbeckenentzündung, manche Forschungsreisen konnte sie wegen ihres Zustands nicht antreten. Am 4. Juli 1934 starb sie an Blutarmut. So wurde sie zum Opfer des Radiums – und zum Opfer ihrer eigenen Wissenschaft.

 

Von Katrin Ewert

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