Mauern gegen wilde Horden

Kann man sich gegen Eindringlinge abschotten?

Saalburg Limes
Abgrenzung gegen die wilden Germanen: Die Saalburg ist ein ehemaliges Kastell des römischen Limes in Deutschland. Das Weltkulturerbe wurde vollständig restauriert.

Lassen sich unerwünschte Eindringlinge und Immigranten mit Mauern aufhalten, so wie es US-Präsident Donald Trump bei der Grenze zu Mexiko vorhat? Ein Blick in die Geschichte lässt Zweifel aufkommen.

Von Arne Dettmann

Abbröckelnde Stufen, Pflanzenüberwucherung und Abschnitte, die von Dorfbewohnern als Steinquelle für den Hausbau herhalten müssen: Das größte Bauwerk der Welt, die Chinesische Mauer, vegetiert teilweise in einem bedauernswerten Zustand dahin. China steckt viel Geld in das Unesco-Weltkulturerbe, um eine Instandhaltung zu gewähren, hat allerdings auch selbst mit Bulldozern ganze Abschnitte platt gemacht.

Dabei hatte das Projekt, das wahrscheinlich im 7. Jahrhundert v. Chr. einst begann, einen sehr vitalen Zweck. Das insgesamt 21.000 Kilometer lange Bollwerk sollte vor den nomadischen Reitervölkern aus dem Norden schützen. Meterdicke Wände, Wachtürme und Waffenlager dienten als Grenzbefestigung gegen die wilden Horden aus dem Norden.

Chinesische Mauer
Abschottung gegen die nomadischen Reitervölker: Die Chinesische Mauer erstreckt sich auf einer Länge von mehr als 21.000 Kilometern.

Die Mongolen ließen sich dennoch nicht davon abschrecken. Im Jahr 1215 nahmen die Heerscharen des Dschingis Kahn Peking ein, plünderten die Stadt und setzten sie in Brand. Enkel Kublai Kahn ließ auf den Trümmern seine neue Hauptstadt errichten und wurde Kaiser von China.

Wie war das möglich gewesen? Hatte die Mauer versagt? – Wahrscheinlich schon. Möglicherweise hatte Dschingis Kahn einfach einen Umweg nach Westen eingeschlagen und war somit das Kernstück der Mauer umgangen. Südlich der Großen Mauer schuf er dann ein Lager für weitere Eroberungsfeldzüge.

Dem Beispiel des mongolischen Großkahns folgend ließ auch die Wehrmacht beim Angriff auf Frankreich 1940 einfach deren gesamte Maginot-Linie einfach links liegen und wählte beim Vormarsch den Weg über Belgien. Eine weitere deutsche Angriffsspitze stieß bei der Maginot-Linie just dort erfolgreich durch, wo das Verteidigungssystem aus Bunkern und Festungen am schwächsten war.

Es ließen sich zwei Lehren aus diesen Beispielen ziehen: Erstens bedeuten riesige Grenzwälle und Befestigungsanlagen einen enormen Aufwand an Material und Menschenkraft – beide sind nicht immer im ausreichenden Maße vorhanden. Eine verletzbare Stelle gibt es fast immer. Sind es gar mehrere, wird eine sicher geglaubte Bastion zum Schweizer Käse.

Andererseits verhalten sich unerwünschte Eindringlinge nicht immer so, wie es von den Verteidigern gewünscht ist. Paradoxerweise hatte Hitler aus seinen eigenen Erfolgen im Frankreichfeldzug nichts gelernt und ließ später den 2.685 Kilometer langen Atlantikwall errichten. Der Abwehr-Erfolg war recht bescheiden: Die Stellungen in der Normandie hielten der Invasion der Alliierten nur einen Tag stand.

 

Das vielleicht verrückteste Beispiel einer fragwürdigen Barriere bildet die 1.400 Kilometer lange innerdeutsche Grenze nach dem Zweiten Weltkrieg. Selbstschussanlagen, Splitterminen, 5-Kilometer-Sperrzone, 500-Meter-Schutzstreifen, Stacheldraht und Sperrgitter teilten Deutschland in Ost und West. Insgesamt forderte dieser Todesstreifen einschließlich der Berliner Mauer 872 Todesopfer, den Großteil stellen Menschen beim Fluchtversuch.

Der DDR kostete der Bau, Ausbau und die ständige Bewachung und Unterhaltung der Grenze jahrzentelang Milliarden an Mark und band 40.000 Mann Grenztruppen, deren Arbeitskraft für die Volkswirtschaft verloren waren – ein Wahnsinn sondergleichen. Der «Erfolg» darf dennoch als bescheiden betrachtet werden: Von 1949 bis 1990 verließen immerhin über 3,8 Millionen Menschen den Staat, viele von ihnen illegal und unter großer Gefahr. Am Ende fielen Mauer und Grenze – kurioserweise nicht aufgrund überlegener Angreifer von außen.

DDR Grenze Mauer
Abriegeln gegen Flüchtlinge aus dem eigenen Land: Die DDR-Grenze galt mit Mauer, Stacheldraht und Absperrgittern sowie Beobachtungstürmen als eine der best bewachtesten weltweit.

Hatte die DDR-Führung versucht, die eigene Bevölkerung im Staat einzusperren, war das Römische Imperium doch intelligenter gewesen und hatte erkannt, dass man sich nicht zumindest nicht hermetisch gegen die germanischen Horden abriegeln konnte. Der ab dem 1. Jahrhundert gebaute Limes – lateinisch Schneise oder auch Grenzweg – bestand aus Steinmauern, hölzernen Palisaden, Gräben sowie Ketten von Kastellen und Wachtürmen, um mit Hilfe dieser Sperranlagen den Personen- und Warenverkehr zu kontrollieren. Der Limes diente als «Friedensgrenze» und nicht als Eiserner Vorhang. Zur Abwehr von größeren Angriffen war er weder gedacht noch geeignet.

Allerdings wurden auch die Römer von den Ereignissen langsam aber sicher überrollt. Im Laufe der Jahrhunderte waren sie immer weniger in der Lage, die Grenze effizient zu verteidigen. Der Siedlungsdruck germanischer Gruppen nahm zu, die sogenannte Völkerwanderung gilt heute in der Geschichtsforschung als ein wesentlicher Faktor bei der Auflösung des Weströmischen Reiches. Schlagbäume, Schranken und Demarkationslinien hinderten die «Barbaren» nicht, ins Reich einzufallen und im Fall der Vandalen sogar über Spanien zu wandern und sich bis nach Nordafrika auszubreiten.

 

Sollte also US-Präsident Donald Trump in absehbarer Zeit einen Antrittsbesuch in Deutschland unternehmen, dann könnte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihn vielleicht zum archäologischen Bodendenkmal Obergermanisch-Raetischer Limes einladen. Das Weltkulturerbe erstreckt sich auf einer Länge von 550 Kilometern und diente zwischen Rhein und Donau dazu, die Römer von den Germanen abzugrenzen. Historiker streiten noch darüber, ob der Wall an dieser Stelle in einem einzigen Ansturm fiel oder ob es sich um einen kontinuierlichen Prozess des Niedergangs handelt, der äußere und innere Ursachen aufweist.

In jedem Fall ist er ein Beispiel dafür, dass – ähnlich wie Trumps Großeltern väterlicherseits, die aus Deutschland in die USA ausgewandert waren – der Mensch stets umhergezogen ist. Mal in friedlicher Absicht, mal aggressiv im Krieg. Und nur selten hielten ihn dabei Mauern und Grenzzäune auf.

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2 Comments

  1. irgendwer

    Das alles ist sehr, sehr eng gesehen! Dem entgegen stehen die seit Menschen gedenken bstehenden Grenzen der einzelnen Staaten. Gesichert und beständig! Auch sind Stadmauern von alters her Gegenstand der Beständigkeit. Die Lehrern darus: Trump wird es schon richtig machen

  2. Natürlich lässt sich ein Land durch Mauern abschotten.
    Bestes Beispiel aus der nahen Vergangenheit war die DDR.

    Andere Mauern aus lang vergangen Zeiten dienten als Grenzschutz die die Feinde vor Landnahme aussperren sollten.
    Die heutigen Mauern dienen dazu illegale Einwanderung zu verhindern. Dazu ist der Staat verpflichtet und auch seine Bürger zu schützen.

    Was da in Europa passiert, wo halb Afrika illegal nach Europa auswandert, vorher noch den Pass wegwirft und sich am Sozialsystem bereichert, wird irgendwann den Kollaps der Sozialsysteme bringen. Es kann nicht sein das z.B Deutschland viele Millionen im Jahr aufnimmt und durchfüttert während in Afrika in dem selben Jahr 40 Millionen Kinder geboren werden.
    Das Ergebnis der ungebremsten Enwanderung ist hohe Kriminalität die durch die laschen Gesetze nicht geahndet wird.
    Falschparker und Steuerhinterzieher bekommen höhere Strafen als Mörder.
    In Schweden ist der Kollaps schon in der Nähe, die Akzeptanz der Bevölkerung ist auf dem Nullpunkt. Was kaum berichtet wurde ist u.a. das Schweden im Jahr 2016 über 1400 % Vergewaltigungen mehr registrien musste.
    Da man die Bevölkerung nicht verunsichern möchte und um eine Rechtsruck zu verhindern werden solche Meldungen unterdrückt.
    Leider wird nicht mehr unterschieden zwischen tatsächlich hilfebedürftigen Flüchtlingen und Wirtschaftsflüchtlingen.
    Auch wird nicht davon gesprochen das nach Beendigung einer Fluchtursache die Leute wieder zurück geführt werden.

    Folge ist, dass viele unregistrierte Illegale in Parallelgesellschaften von den Sozialsystemn leben, und die “ dumme“ arbeitende Bevölkerung bei 50 % Abgabenlast wie Sklaven arbeiten um das System zu finazieren.
    Waährend die Illegalen dann meist billig schwarz arbeiten, die Löhne der arbeitenden Bevölkerung noch weiter drücken aber nichts an den Staat abführen der sie ja unterstützt.
    Liebe linke Sozialisten…. ich frage mich wirklich was ihr euch so denkt.

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