Ein belgischer Pater forscht in San Pedro de Atacama

Komplex San Pedro de Atacama  

 

Wenn man von Antofagasta aus über Baquedano und Calama eine mehrstündige, eindrucksvolle Wüstenfahrt hinter sich hat, blickt man von der Cordillera de la Sal in das ausgedehnte Becken des Salar de Atacama.

Die Region rings um diesen größten aller chilenischen Salzseen ist seit altersher kulturelles Zentrum der Atacameños, eines alten Volkes, dessen Nachkommen auch heute noch die uralten Wohnplätze auf dem interandinen Altiplano, um die Salare Atacama und Arizaro (Bolivien) sowie im Flussgebiet des Río Loa bis hin zur Küste bevölkern.

Zwar weiß man nicht viel über die Herkunft dieses Volkes, noch über den Zeitpunkt ihres Eintreffens auf chilenischem Boden, doch ist ziemlich sicher, dass ihm die ersten Anfänge eines Ackerbaus mit künstlicher Bewässerung und die Domestizierung des Llamas zuzuschreiben sind. Uralte Ackerbauterrassen in den Quebradas weisen auf eine intensive, wenn auch räumlich stark eingegrenzte Landwirtschaft mit langer Tradition hin. Zahlreiche ausgedehnte antike Gräberfelder künden von einer ständigen starken Besiedlung dieses Raumes, soweit es die ökologischen Voraussetzungen zugelassen haben.

Mittelpunkt des gesamten Gebietes ist der Oasenort San Pedro de Atacama, der sich aus einer Anzahl zerstreut liegender Einzelgehöfte (»Ayllus«) zusammensetzt. Wie in aIl diesen Orten bildet die alte, weißgestrichene Kirche am Dorfplatz das zentrale Gebäude.

Nicht weit davon erhebt sich das moderne Bauwerk des Museo Regional de San Pedro de Atacama, ausgestattet mit einer reichhaltigen, umfassenden Sammlung archäologischer Fundstücke aus Gräberfeldern und Wohnplätzen einer vorspanischen Kultur, welche die frühen Archäologen wie Uhle und Latcham als «Cultura atacameña» bezeichnen, die aber in der neueren Literatur als «Complejo San Pedro de Atacama» beschrieben wird. Der 1980 verstorbene Jesuitenpater Gustavo Le Paige, der Seelsorger San Pedros und Archäologe aus Leidenschaft, hat in jahrzehntelanger mühsamer Arbeit den überwiegenden Teil dieses Materials zusammengetragen, untersucht und klassifiziert.

 

Quelle: wörtlich zitiert aus «Vergangen und vergessen – Die Kulturen der vorspanischen Völker des chilenischen Raumes», Willi Hirth, Jahn & Ernst Verlag, 1995, Hamburg.

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