«Wir haben viel Know-how zu bieten»

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Seit August ist Joachim Öppinger der neue österreichische Botschafter in Chile. Der Cóndor sprach mit ihm über die bilateralen Beziehungen.

Von Arne Dettmann

«Chile ist für uns als zweitwichtigster Handelspartner auf dem südamerikanischen Kontinent sehr wichtig», sagt Joachim Öppinger gleich zu Beginn des Gesprächs und verdeutlicht diese Aussage mit Zahlen: Alleine 50 Niederlassungen und Vertretungen österreichischer Unternehmen gibt es in Chile. Bei den Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern steigt die Summe sogar auf 500 an. Darunter fallen so große Projekte wie das Wasserkraftwerk Alto Maipo, an dessen Bau die österreichische Firma Strabag beteiligt ist, oder auch das Maut-System, bei dem die Kapsch AG als Verkehrstelematikkonzern mitwirkte. Axess, der österreichische Spezialist für Ticketing- und Zutrittsmanagementsysteme, hat drei chilenische Skigebiete mit Smart Gates ausgestattet, die nun pünktlich mit Beginn der Skisaison im Juni erstmals zum Einsatz kamen. Eines der jüngsten Start-ups eines Österreichers in Chile ist Moritz-Eis. Zudem wurde bei Punta Arena Chiles südlichste Bewässerungsanlage durch die österreichische Firma Bauer errichtet.

Aber auch auf politischer Ebene finde ein reger Austausch statt. So besuchte vor kurzem Bernadette Gierlinger, Leiterin der Sektion für Außenwirtschaftspolitik und Europäische Integration im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, Chile, wobei es u.a. bei Gesprächen mit Chiles Umweltminister Pablo Badenier auch um Müllverwertung und Smogvermeidung ging. Joachim Öppinger: «Wir haben dort viel Know-how zu bieten und spüren auf der Gegenseite ein großes Interesse.». Demnächst werde der österreichische Justizminister Wolfgang Brandstetter erwartet. Umgekehrt hätte vergangenes Jahr Staatspräsidentin Michelle Bachelet im Rahmen ihrer Europa-Reise auch Wien einen Besuch abgestattet

Gebürtig stammt Joachim Öppinger aus Linz in Oberösterreich, wo er 1960 geboren wurde und nach der Schule Jura studierte. Seine diplomatische Laufbahn führte ihn insgesamt zwölf Jahre lang nach Afrika, darunter Pretoria in Südafrika, Addis Abeba in Äthiopien und zuletzt als Botschafter in Nigeria, wo er auch für west- und zentralafrikanische Staaten von Ghana bis Gabun, vom Tschad bis Zentralafrika zuständig war. Weitere Stationen waren Paris, London und natürlich Wien.

«Ein großes Thema in Chile ist Bildung. Chile ist sehr spezialisiert auf Rohstoffe, doch ohne Fachausbildung wird man auf lange Sicht keine weiterverarbeitende Industrie auf die Beine stellen können.» Bei der Lehrlingsausbildung und Ausbildung von Handwerkern sowie der Steigerung von Produktivität könne Österreich unterstützend mitwirken.

Eine weitere Aufgabe bestünde in der Neuformulierung des Assoziierungsabkommens Chiles mit der Europäischen Union, das im November 2002 ratifiziert wurde und nun, 14 Jahre später, einer Neubewertung bedarf. «Die politischen Beziehungen sind in der Zwischenzeit enger geworden. Wir wollen nun gucken, wie man zukünftig noch intensiver zusammenarbeiten kann.»  Unter anderem soll durch verbesserte gegenseitige Anerkennung von Studien- und Berufsabschlüssen der Studentenaustausch zwischen Chile und der EU erleichtert werden.

Auf kulturellem Gebiet will der österreichische Botschafter zwar nicht die Hände in den Schoß legen, verweist aber darauf, dass hier bereits so viele Projekte und private Initiativen laufen, die auch ohne diplomatische Hilfe zustande gekommen sind und von denen die Botschaft sogar manchmal gar nichts weiß. Joachim Öppinger: «Das ist der beste Beleg, dass die Beziehungen sehr gut funktionieren.»

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