Wie Straßenfußball Chile und Deutschland verbindet

Ein soziales Projekt in Cerro Navia

Chigol Fußball
Teamarbeit und viel Einsatz sind sehr wichtig beim Straßenfußball: Der «Chigolito» Darien Soto (Mitte) beim Straßenfußball- Workshop. Foto: Jörg Jäger

Seit 2009 ermöglicht das Centro Comunitario Chigol in Cerro Navia, Santiago, einen Austausch mit Deutschland, der in Zusammenarbeit mit KICKFAIR und seit 2016 mit dem Goethe-Institut organisiert wird. Aber das ist nicht die einzige Aktivität. Was der Verein zur Freizeitbeschäftigung der Bevölkerung noch alles bereithält, ist beachtlich.

 

Von Theresa Zachäus

Wenn man zu dem kleinen Sportplatz von Chigol läuft, vorbei an den vielen Hütten und den staubigen Straßen, kann man sich kaum vorstellen, dass dieses unscheinbare Fußballfeld für die Menschen von Cerro Navia der Mittelpunkt ihrer Kommune ist. Fast täglich wird hier ein Kurs angeboten: Angefangen mit Straßenfußball seit 2005, kamen in den letzten Jahren zum Beispiel Hip-Hop- und Rap-Kurse sowie Austauschtreffen für Frauen dazu. Die aktiven Mitglieder haben sich in den letzten Jahren von 50 auf rund 90 fast verdoppelt. Chigol ist also nicht mehr nur ein Straßenfußballverein, es ist nun das Centro Comunitario Chigol und stellt damit das zentrale Gemeinschaftswesen Cerro Navias dar.

Chigol Fußball
Einige Teilnehmer aus Chile und Deutschland, die bei dem Programm von Kickfair dabei waren. Foto: Jörg Jäger

Das positive Lernen, eine gute Entwicklung und das Wachstum der Kinder sind die wichtigsten Schwerpunkte. Es gibt keine Hierarchien oder Lehrer, aber trotzdem kann jeder Chigolito, wie sich die junge Generation selbst nennt, von einem Fortschritt erzählen, dass er oder sie vor allem durch den Straßenfußball erzielt hat. Vor dem Spiel werden nämlich bestimmte Regeln ausgemacht, an die sich jeder halten muss. Danach bewerten sich die Teams immer nach den drei Werten Chigols, die alle Spieler im Schlaf aufsagen können: Teamarbeit, Respekt und Fair Play. Die Mannschaft, die die meisten Punkte dadurch erzielen kann, gewinnt das Spiel.

Zudem betreibt Chigol eine intensive Kooperation mit Kickfair, einer deutschen NGO, die Menschen durch Straßenfußball auf nationaler und internationaler Ebene verbindet. Seit 2009 können einige Mitglieder Chigols zum Programm von Kickfair nach Deutschland fliegen. Der letzte Austausch fand vom 4. bis 20. Dezember 2016 im Standort von Kickfair, in der Nähe von Stuttgart, statt. Untergebracht waren die Chigolitos in Tübingen. Insgesamt konnten fünf Kinder und fünf Erwachsene nach Deutschland reisen, denn genau zehn Plätze vermittelt und finanziert das Goethe-Institut. Teilnehmen durften nur diejenigen, die sich bei Chigol viel engagieren. Darüber hinaus hat das Goethe-Institut den zehn Auserwählten einen Sprachkursus in Santiago für einen ganzen Monat ermöglicht, der dreimal in der Woche stattfand. Dadurch konnten sie die grundlegenden Sprachkenntnisse in Deutschland gleich anwenden.

Chigol
Cristian Vera präsentiert seine Erfahrung mit und durch Chigol. Foto: Jörg Jäger

Der letzte Austausch beinhaltete zwei Schwerpunkte für die Chigolitos: Zum einen haben sie selbst Straßenfußball-Workshops organisiert, zum anderen erstellten sie ein kleines Buch über die Geschichte Chigols. «Die Kinder waren die Protagonisten in den Straßenfußballkursen. Sie haben die Werte gelebt und angewendet», meint Flavio Arevalo, einer der Mediatoren, der mit nach Deutschland reiste. In der Tat haben die Teilnehmer bei jedem Kurs ihre Rollen gewechselt und ihre Verantwortungen anders aufgeteilt. Bis zu 25 junge Menschen haben bei diesen Workshops mitgemacht, einige waren schon erfahrener im Straßenfußball, manche weniger.

«Besonders schön war für mich die Erfahrung, mit Personen aus anderen Kulturen zusammenzuarbeiten. In unseren Kursen haben Menschen aus der Türkei, Geflüchtete aus Ägypten und insgesamt viele Menschen verschiedener Kulturen teilgenommen», erzählt Flavio. Für den 13-jährigen Carlos Faundez war das Zusammenstellen der Biographien eine tolle Erfahrung: «Man hat sich wieder an seine eigene Geschichte erinnert, also wie man früher hier hergekommen ist.» In diesem kleinen Buch sind nämlich die Biographien von eingen Mitgliedern festgehalten, die vor allem zeigen, was jeder Einzelne gelernt hat.

Trotz der vielen Erfolge fehlt es noch an vielen Dingen: «Wir brauchen mehr Platz, neue Räume und vor allem Toiletten neben dem Fußballplatz. Dafür benötigen wir aber einfach Spenden, um uns das finanzieren zu können», erklärt Juan Burgos, der schon seit 2005 als Teamer bei Chigol arbeitet.

Chigol ist das Zentrum für junge Menschen in Cerro Navia. Unterstützung ist jederzeit willkommen. Mehr Information per E-Mail an jburgos@futbolchigol.cl
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