Österreicherin zieht die tolle Knolle

Frankreich, Italien, Deutschland: Normalerweise wird die Luxusknolle Trüffel in europäischen Ländern geerntet. Doch auch im Süden Chiles kann man Trüffel anbauen. Die Österreicherin Sonja Ungar macht´s vor.

 

Sonja Ungar hat Klimadaten gesammelt und den Boden genauestens analysiert: Auf eigene Forschung hin hat die Biologin aus Wien im Jahr 2005 herausgefunden, dass es in Chile einen Ort gibt, wo die perfekten Voraussetzungen für den Anbau von Trüffeln herrschen. Und zwar circa 30 Kilometer nordöstlich von Chillán. Noch im selben Jahr ist sie mit ihrem Mann Carlos Weber, einem Genetiker, nach Chile gegangen und hat die ersten Hektar Trüffel gepflanzt. Diesen Winter erntet sie 15 Kilogramm schwarze Knollen auf insgesamt 15 Hektar Land.

Es gibt die verschiedensten Sorten von Trüffeln: Zu den bekanntesten zählen weiße Albatrüffeln, schwarze Wintertrüffeln, die auch Sonja Ungar in Chillán anbaut, und Sommertrüffeln. Bis es soweit ist und man angebaute Trüffeln ernten kann, dauert es aber sehr lange. Auch Sonja Ungar und ihr Mann mussten viel Geduld und Nerven mitbringen. «Wir haben junge Eichen gepflanzt und diese mit Trüffelsporen infiziert», erklärt die 37-Jährige. «Außerdem muss der pH-Wert des Bodens angepasst werden, damit sich Baum und Pilz wohlfühlen.»

Passen die Voraussetzungen, wird zwischen Baum und Pilz eine Mykorrhiza, also eine Verbindung im Wurzelsystem ausgebildet. Dann heißt es warten: «Vier bis acht Jahre dauert es, bis man die Trüffeln ernten kann», erklärt die Biologin. Im vergangenen Jahr konnte Sonja Ungar die erste Ernte verkaufen. Die Erntezeit der schwarzen Wintertrüffeln ist Juni bis August.

Die Knolle hat stolze Preise: Trüffeln sind mit Abstand die teuersten Speisepilze. Ein Kilogramm weiße Trüffeln kostet bis zu 9.000 Euro. Eine Portion Trüffeln für zwei Personen mit ungefähr 25 Gramm kostet 40 bis 60 Euro. Sonja Ungar verkauft ihre Ernte für 1.400 Pesos pro Gramm.

Ganze 125.000 Euro – so viel zahlte ein Feinschmecker aus Hongkong für drei Trüffeln mit einem Gewicht von 1,5 Kilogramm bei einer Versteigerung im Jahr 2006. Die Aktion in der Nähe von Alba in Italien findet jedes Jahr für einen wohltätigen Zweck statt.

Der Trüffelmarkt lockt aber nicht nur Gourmets und Feinschmecker an. Wegen der hohen Preise ist der Markt auch für Fälscher vor allem aus Osteuropa und China attraktiv. Sie versuchen minderwertige Sorten in den Handel zubringen, die sich äußerlich von den echten Knollen nicht unterscheiden.

Für Sonja Ungar aber gibt es nur ihre echten, schwarzen Wintertrüffeln. Ihre wertvollen Knollen verkauft Sonja Ungar in ganz Chile. «Vor allem die Chefköche in Santiago kann ich mit meinen Produkten begeistern», sagt sie. Immer wieder fährt sie in die Hauptstadt, um ihre Trüffeln vorzustellen. Exportiert hat sie zwar noch nicht. Denn generell lohne es sich nicht, weil die Preise im Ausland niedriger seien als die in Chile. «Wir haben aber bereits unsere Fühler in alle Richtungen ausgestreckt», sagt die Biologin. Besonders in Brasilien und Peru habe sie Kontakte und dadurch den Markt abgetastet. «Peru scheint als Exportmarkt sehr interessant», zieht Sonja Ungar ihr Fazit. Die Nachfrage sei groß, noch haben sie aber zu wenig Angebot.

Der Grund dafür, dass Sonja Ungar ausgerechnet nach Chile für den Trüffelanbau gegangen ist, liegt bei ihrem Mann: Carlos Weber ist Österreich-Chilene. Seine Eltern sind bereits seit langer Zeit in Chile. Carlos Weber ist hier geboren und aufgewachsen. Für sein Studium ist er aber nach Wien gegangen. «In der Universität haben wir uns kennengelernt», erzählt Sonja Ungar, «als wir unseren Abschluss in der Tasche hatten, kam für uns die Grundsatzfrage auf, wo wir leben wollen». Einfach so nach Chile auswandern wollte Sonja Ungar aber nicht.

Dann kam der Tipp von einem Studienkollegen, dass der Anbau von Trüffeln ein rentables Geschäft sei. Die wissenschaftliche Herausforderung, in einem Land fern von zu Hause Trüffeln anzubauen, habe sie gepackt. Heute leben die beiden mit ihren vier Kindern in der Nähe der Plantage, neben einer deutschen Schule. Bereut hat Sonja Ungar diese Entscheidung nie: «Ich fühle mich hier total wohl», sagt sie, «ich finde die chilenische Kultur und die Sprache total spannend».

Während Carlos Weber für die Produktion zuständig ist, übernimmt Sonja Ungar die Vermarktung. Doch nicht nur die reinen Trüffel verkauft sie: Auch Trüffelöl nach eigenem Rezept steht auf der Produktpalette. «Gerade arbeite ich an einem Rezept für Trüffel-Brotaufstrich», verrät sie.

 

Von Katrin Ewert

 

Keine Schweinearbeit

 

Viele sind überzeugt davon, dass man bei der Suche nach Trüffeln die sogenannten Trüffelschweine einsetzt. Diese wühlen aber nur noch für Touristen in der Erde herum. Zwar können sie in der Tat der Luxusknolle auf die Spur kommen. Denn der Duft des Speisepilzes ist dem Sexualduftstoff des Ebers sehr ähnlich. Weibliche, geschlechtsreife Schweine finden daher instinktiv Trüffeln im Erdboden.

Jedoch ist die Suche mit Schweinen nicht sonderlich effektiv. Denn wenn die weiblichen Schweine erst einmal in ihrem Element sind und wild graben, machen sie die Wurzeln der Pilze kaputt. Außerdem stehen Trüffeln auch bei Schweinen auf dem Speiseplan. Haben sie einen Pilz entdeckt, sind sie schwer zu zügeln. In Italien sind aus diesen Gründen sogar Trüffelschweine verboten.

Deswegen werden Trüffel heute vor allem mit speziellen Hunden gesucht. Ähnlich wie Spürhunde werden sie darauf trainiert, den Geruch von Trüffeln aufzuspüren. Und weil Hunde keine Pilze essen, können ihnen die gefundenen Trüffel einfacher entwendet werden. Auch Sonja Ungar sucht die Trüffel auf ihrer Plantage mit speziellen Hunden.

 

Weitere Informationen unter www.trufas.cl.

Print Friendly, PDF & Email

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*