Deutsche Weihnachtslieder in Chile

Singkreis-Konzert im Club Manquehue

 

Singkreis Weihnachtslieder Club Manquehue
Der Singkreis bei seinem Auftritt im Club Manquehue

Bei jedem Konzert unserer Singkreisler müssen wir erfreut feststellen, mit welcher Inbrunst und Hingabe die Traditionen unserer Ahnen unter uns Deutsch-Chilenen gepflegt werden. Als im Jahre 1942 unsere unvergessener Arturo Junge die Idee konzipierte, eine kleine Gruppe verschiedener musikliebender junger Menschen unserer Gemeinschaft für das Ensemblesingen zu begeistern, hätte man sich kaum vorstellen können, dass jetzt nach 74 Jahren dieser Chor mit dem gleichen Enthusiasmus und Liebe zur Musik die von ihrem Gründer erwünschte Tradition noch weiterführt. Zweifelsohne hat sich die Zusammenstellung der Mitwirkenden sehr geändert, jedoch der Geist, die Essenz blieben unverändert.

 

Von Sylvia Wilckens
Círculo de Críticos de Arte de Chile

Als Arturo Junge 1994 verstarb, übernahm Waldo Aránguiz, sein langjähriger Kollege und Freund, die Leitung. Jetzt ist die Direktion in Händen von Hernán Cuevas. Beide Nachfolger von Arturo haben stets versucht, vor allem in den deutschen Liedern das einzigartige Wesen so echt wie möglich darzubieten.

Das war Arturo Junges Spezialität. Er kannte das deutsche Wesen, seine Romantik, seine Natur und somit war es auch bei ihm möglich dieses auch in die Musik zu übertragen. Hinzu kam natürlich, dass Deutsch sozusagen seine Muttersprache war. Diese Anforderungen sind nicht leicht für einen Spanisch sprechenden Leiter zu übernehmen, zumal die Liedkomposition so eng mit dem Text verbunden ist.

Und doch, die chilenischen Leiter haben bewiesen, dass es ihnen bei mühseliger Arbeit gelingt, sich derart mit dem deutschen Lied zu verbinden, so dass das Resultat sehr zufriedenstellend gelungen ist. Allerdings spüren wir Deutschstämmigen oft, dass die Anpassung zum deutschen Lied nur in vereinzelten Fällen 100% gelingen kann. Dieses hängt in großem Maße vom Chorleiter ab, der jedoch keine Mühe scheut, zu einem glücklichen musikalischen Resultat zu gelangen. Dies ist bei Hernán Cuevas der Fall.

Dieses Mal bot der Singkreis im ersten Teil eine Auslese deutscher Lieder und auch andere, die ausgezeichnet in die Advents- und Weihnachtszeit  hineinpassten.

Der Chor bot von Mendelssohn (1809-1847) aus dem Psalm 42 «Wie der Hirsch schreit» ein nicht oft gesungenes Stück. Der Vortag war stimmlich ausgezeichnet, so wie auch das «Verleih uns Frieden». Es folgte von Mozart (1756-1791) das bezaubernde «Laudate dominum» bei dem obgleich musikalisch dargebracht, man die nötigen «legatos» vermisste (verbindende Bögen, die der Melodie das Feierliche verleihen).

Im Allgemeinen hätte man sich im ersten Teil öfter Nuancierungen gewünscht, anstatt das gleichbleibende «forte» und eine nicht angebrachte ständige Vitalität in der Interpretierung.

Dagegen war das nächste Lied, das «Ave Maria» von Liszt (1811-1886) eine sehr sensible, rührende Ausführung, wohl die gelungenste Interpretation aller dargebotenen Lieder. Von Eduard Ebel (1839-1905) eins der bekanntesten deutschen Weihnachtslieder «Leise rieselt der Schnee» musikalisch vorgetragen, jedoch fehlte es etwas an Einfühlungsgabe für solch ein feines und zartes Lied. Von Michael Praetorius (1571-1621) brachte der Chor das traditionsreiche «Es ist ein Ros entsprungen», dem leider etwas Gemütsreichtum fehlte, jedoch stimmlich gut gelungen.

Von Alfonso Letelier (1912-1994), ein chilenischer Komponist, hörten wir sehr gelungen «En los brazos de la luna». Etwas weniger starkes «forte» wäre überzeugender gewesen. Das letzte des ersten Teils war von Johann Sebastian Bach (1685-1750) «Wie soll ich dich empfangen», es wurde mit religiöser Hingabe gesungen und musikalisch sehr gut.

Im zweiten Teil des Programms übernahm Alejandro Reyes die Leitung. Ein Ensemble von Mitgliedern der Orquesta de Cámara de Chile übernahm die instrumentale, makellose Begleitung. Natalia Cantillano und Hernán Muñoz (Violine), Paulina Mühle-Wiehoff (Cello), Alejandro Cárcamo (Viola) und Pedro Robert (Klavier). Die Gesangssolisten waren Millaray González (Sopran), die ihre Arien mit musikalischem Feingefühl sang, Felipe Gutiérrez (Tenor) mit seinem baritonalen Tenor, ein herrliches Material, mit viel Ausdruck. Marco Huento (Bass) konnte mit seinem wertvollen Stimmmaterial und Ausdruck Hervorragendes leisten.

Diese Messe von Schubert in G-Dur (1797-1828) gestaltete sich zum Glanzstück des Abends. Wochenlang widmete sich der Singkreis der Vorbereitung dieser einzigartigen, melodienreichen Messe. Unter der qualifizierten Führung des Dirigenten Alejandro Reyes bewiesen die Sänger große Sicherheit in Einsetzen und Nuancierungen einer nicht unkomplizierten Partitur. Hier leistete der Chor Außerordentliches.

Zum Beispiel im Credo: Diese Messe ist eine Komposition eher zarten, intimen Charakters mit sehr gut geschriebenen Texten. Innerhalb Schuberts sechs geschriebenen Messen handelt es sich um seine populärste. Alejandro Reyes gelang ein perfektes Gleichgewicht zwischen Chor, Solisten und dem Instrumentenensemble. Die Solopartien sind abwechselnd Arien und concertati (Zusammenklang verschiedener Solisten).

Alles in allem eine höchst gelungene Darbietung, die die Tatsche unter Beweis stellt, dass der Singkreis bei längerer, intensiver Probenarbeit sich auch an Werke dieses Ausmaßes wagen kann. Das Publikum dankte mit langanhaltendem Applaus.

Print Friendly

Leave a Comment

Su dirección de correo no se hará público. Los campos requeridos están marcados *

*