Salzburg, Tor der Alpen

Salzburg – welche Assoziationen kommen einem da zuerst in den Sinn? Sicher ist es der Name Wolfgang Amadeus Mozart, der bekannteste Sohn der Stadt. Oder sind es gar die nach dem Komponisten benannten und mit Marzipan gefüllten Mozartkugeln, die ein begehrtes Souvenir vieler Salzburgbesucher sind? Über Salzburg gibt es aber noch viel mehr zu berichten: Eine lange und bewegte Landesgeschichte, die von Spaltung, kirchlicher Herrschaft und einem Hin- und Hergerissensein zwischen Bayern und Österreich geprägt ist.

 

Der 27. Januar im Jahre 1756 oder auch Jänner, wie der erste Monat des Jahres von den Österreichern genannt wird, fällt in die zweite der drei tiefgreifenden Etappen des Salzburger Landes. Nämlich in die Zeit des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Das Land Salzburg war zu jener Zeit ein von Erzbischöfen regiertes Gebiet und als Fürsterzbistum Teil des Deutsch-Römischen Reiches.

Am besagten Tag erblickte der berühmteste Sohn der Stadt Salzburg das Licht der Welt. Wolfgang Amadeus Mozarts avancierte von einem musikalischen Wunderkind bis hin zu einer der schillerndsten Figuren der damaligen Zeit. Schlussendlich prägt er bis heute die musikalische Epoche der Klassik als einer der berühmtesten und talentiertesten Komponisten.

Bis zum Fürsterzbistum Salzburg war es ebenfalls ein langer und von Turbulenzen geprägter Weg. Eben ein bisschen wie Mozarts Leben.

 

Steinzeit und Antike

Funde belegen die Existenz von Menschen im Salzburger Raum bis zurück in die Altsteinzeit. Im zweiten Jahrtausend v. Chr. wurden Bronze- und Kupfervorkommen entdeckt und führten zum Bedeutungszuwachs der Region am nördlichen Ende der Alpen. In den vorzeitlichen Handelszentren des Alpenraumes wurde neben diesen Gütern ebenso mit Eisen und ab circa 500 v. Chr. auch mit Salz gehandelt. Salzbergbau wurde insbesondere im Salzburger Becken und am Dürrnberg bei Hallein betrieben.

Zur Siedlungszeit der Kelten wurde zudem Gold in den Hohen Tauern entdeckt. Das Land Salzburg hatte damals noch einen anderen Namen: Iuvavum, dessen genaue Bedeutung bis heute noch unklar ist. Während dieser Zeit existierten bereits freundschaftliche Handelsbeziehungen zu den Römern im Mittelmeerraum.

Die darauf folgende knapp 500-jährige römische Herrschaft ab 15. n. Chr. brachte dem Raum unzählige neue kulturelle Einflüsse, die sich mit den bis dato herrschenden keltischen Bräuchen vermischten. Der Region Iuvavum wurde der Titel einer Municipalstadt zugeschrieben. Dadurch fungierte sie als Verwaltung über ein Gebiet, das bis ins heutige Südostoberbayern und in Teile Tirols hineinreichte.

Nach der Regentschaft Kaiser Diokletians hielt das ab diesem Zeitpunkt herrschende Christentum in Iuvavum Einzug. Als sich die Herrschaft der Römer im späten 5. Jahrhundert n. Chr. ihrem Ende neigte, wurde das heutige Salzburger Land von den Bajuwaren besiedelt. Trotz des Abzugs der römischen Bevölkerung bewahrte die Region noch viele Sitten der Römer. In dieser Zeit der Völkerwanderung im alten Europa durchstreiften auch Slawen die Region und ließen sich mancherorts nieder.

 

Katholische Herrschaft

Gegen Ende des 7. Jahrhunderts wählte der Missionar Rupert aus Franken Iuvavum als geeigneten Ort für die Gründung eines Klosters aus. Er war im Auftrag des bayerischen Herzogs Theodor II. dazu beauftragt worden. Da die unbedeutende Stadt und die darin lebende romanisch-keltische Bevölkerung noch ihre christlichen Brauchtümer aus der Römerzeit bewahrt hatten, stieß Rupert hier auf fruchtbaren Boden für seine Missionarsabsichten. Das neue Kloster wurde vom bayerischen Herzog mit zahlreichen umliegenden Gebieten ausgestattet.

Die Herrschaft der katholischen Kirche und die mit ihr herrschenden geistlichen Oberhäupter brachten Salzburg wissenschaftlichen Fortschritt und legten damit den frühen Grundstein für die Wissenskultur des Landes. Mit den Jahrhunderten überholte Salzburg die Stadt Regensburg als kirchliches Zentrum und wurde zum Erzbistum erhoben.

Um die erste Jahrtausendwende wurde der Stadt Salzburg durch Kaiser Otto III. das Maut- und Münzrecht verliehen und außerdem der Salzhandel modernisiert. In diese Zeit fallen auch die Baubeginne der Festungen Hohensalzburg, Petersburg und Hohenwerfen, die in Folge der feindlichen Gesinnung des regierenden Erzbischofs Gebhard zu Kaiser Heinrich IV. zum Schutz der Stadt notwendig wurden. War die damalige Regentschaft eines Erzbischofs stets vom Spagat zwischen Papst und Kaiser geprägt, musste Salzburg unter Konrad II. aufgrund eines Konflikts mit Kaiser Friedrich I. Barbarossa mit Zerstörung und Bränden kämpfen.

Im 12. Jahrhundert konnte unter Eberhard II. von Regensburg erstmals ein geschlossenes bayerisches Landesgebiet gebildet werden. Im Zuge dieser Landeswerdung Salzburgs mussten auch soziale Schwierigkeiten behandelt werden. So wurden nach der Einsetzung des Schiffsherrenprivilegs durch Wladislaw von Schlesien viele Menschen arbeitslos. Unruhen in der Bevölkerung waren die Folge. Als Konsequenz wurde der sogenannte Sühnebrief aufgesetzt, der für die Schlichtung der Differenzen zwischen Ober- und Unterschicht benötigt wurde. Salzburg hatte damit sein erstes schriftliches Stadtrecht.

 

Abspaltung von Bayern

Das sich sukzessive emanzipierende Land Salzburg schaffte seine absolute Abspaltung von Bayern 1328 mit der Salzburger Landesverordnung. Es war damit ein relativ unabhängiger Staat im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Das 14. und 15. Jahrhundert war von Bergwerksmodernisierungen, Pest, Heuschreckenplage und Bauernaufständen geprägt. Im 16. Jahrhundert dauerte die Unzufriedenheit der Bauern aufgrund hoher Steuerzahlungen weiterhin an und wurde um das Auftreten lutheranischer Lehren zum zentralen Konfliktherd im Salzburger Land. Viele Protestanten wurden entweder hingerichtet oder der Stadt verwiesen. Salzburg sollte katholisch bleiben.

Erzbischof Paris Graf Lodron konnte Salzburg Mitte des 17. Jahrhunderts aus dem 30-jährigen Krieg heraushalten und erweiterte seine politischen Verdienste noch um die Gründung der ersten Universität, sowie des Baus einer geschlossenen Stadtmauer. Das Fürsterzbistum Salzburg wurde im Westfälischen Frieden von 1648 als souveränes Fürstentum anerkannt.

Etwa 100 Jahre später stellt Leopold Anton von Firmian 1732 den Augsburger Komponisten Leopold Mozart an der Hofkapelle an. Damit ist Leopold der Vater berühmtesten Bürgers Salzburgs, der allerdings die meiste Zeit seines Lebens als Erwachsener in Wien verbrachte.

Kurze Zeit später nach dem Aufkommen der Lehren der Aufklärung und der weiter reifenden Wissensgesellschaft Salzburgs rückte im Dezember 1800 Napoleons französische Armee ein. Das bis dahin von Musik, Kultur und Wissenschaft nur so florierende Salzburg erlebte in den darauffolgenden Jahren eine schwere Krise und konnte erst unter Kurfürst Ferdinand III. 1803 wieder zur Ruhe kommen.

Diese Ruhe war aber nur von kurzer Dauer. 1805 wurde das Kurfürstentum aufgelöst und als Herzogtum zu Österreich gefügt. Nur vier Jahre später löste man es allerdings nach einer verlorenen Schlacht gegen Napoleon wieder ab und stellte es unter französische Herrschaft. Schon ein Jahr später übernahm der bayerische Kronprinz Ludwig die Regentschaft über das Land Salzburg, um 1816 vom Wiener Kongress dann endgültig Österreich zugesprochen zu werden.

Der damit verbundene Bedeutungsverlust Salzburgs zeigte sich in der folgenden Bevölkerungsabwanderung und starken wirtschaftlichen Schrumpfung. Ein verheerender Stadtbrand potenzierte die Krisenstimmung. Erst im weiteren Verlauf des 19. Jahrhundert erholte sich die Region durch steigenden Fremdenverkehr und der Wiederentdeckung der Kupfervorkommen von den Wirren zu Beginn des Jahrhunderts.

 

Salzburg in der Republik Österreich

Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde Salzburg zum österreichischen Bundesland. Die Festspiele regten den Tourismus wieder an und brachten wirtschaftlichen Aufschwung in der Region. 1938 wurde Salzburg nach dem Einmarsch deutscher Truppen zum «Reichsgau» und zu einer Hochburg des Nationalsozialismus. Der Zweite Weltkrieg führte zu schweren menschlichen und baulichen Verlusten, die neben der Stadt Salzburg auch Hallein schwer trafen. Die Stadt wurde 1945 von den Amerikanern befreit und wieder an die Republik Österreich angeschlossen. Seit 1995 ist Österreich Mitglied der Europäischen Union und die Altstadt Salzburgs Unesco-Weltkulturerbe. Das geistige und künstlerische Gut der Stadt lebt wieder auf. Nicht zuletzt auch wegen der Ernennung des Mozarteums zur Hochschule.

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