Ein Honorarkonsul mit einem Herz für Chile

Zum 88. Geburtstag von Georg Kieferle

Georg Kieferle (rechts) mit seiner Frau und seinem Sohn auf dem Santiago-de-Chile-Platz in Stuttgart
Georg Kieferle (rechts) mit seiner Frau und seinem Sohn auf dem Santiago-de-Chile-Platz in Stuttgart

 

Von Arne Dettmann

«Diese Ursprünglichkeit, diese Topographie machen Chile zu einem der schönsten Länder der Welt.» So klar und eindeutig fasste es Georg Kieferle vor ein paar Jahren in einem Interview mit der Cóndor-Zeitung zusammen. Der aus Oberschwaben gebürtige Deutsche ist nicht nur ein berühmter Architekt in Stuttgart, sondern wurde auch 1986 zum chilenischen Honorarkonsul ernannt. Seitdem vertrat er damals die Interessen der schätzungsweise 1.000 Chilenen, die in Baden-Württemberg leben.

Doch natürlich nicht nur das. Unzählige Male besuchte Georg Kieferle Chile – «eines der am interessantesten geformten Länder der Welt. Und wenn das einen Architekten nicht interessiert, dann ist er kein guter Architekt.»

 

Santiago-de-Chile-Platz in Stuttgart

Die Liebe zum südamerikanischen Staat war ausschlaggebend, als er sich im Jahr 2005 für die Gründung des Santiago-de-Chile-Platzes in Stuttgart einsetzte. Der bei Touristen als auch Einheimischen beliebte Aussichtspunkt wird von einer Moai-Statue verziert, die ja normalerweise nur auf der Osterinsel anzutreffen sind. Eine Plakette darunter verrät das exotische Geheimnis: «Gestiftet von Georg Kieferle. Bildhauer: Bene Tuki-Pate, Osterinsel/Rapa Nui».

Und weil Georg Kieferle schon so lange Honorarkonsul ist, schenkte der Staat Chile ihm vor ein paar Jahren eine bronzene Büste der Literaturnobelpreisträgerin Gabriela Mistral, die nun ebenfalls den Platz in Stuttgart ziert. «Der Platz symbolisiert die Beziehungen zwischen den Städten und macht die Besucher neugierig auf das Land, seine Kultur und seine Menschen», schrieb der damalige chilenische Botschafter Jorge O´Ryan Schütz.

 

Stuttgart-Platz in Santiago de Chile

Doch damit nicht genug. Das Gegenstück rief Georg Kieferle 2010 in Santiago de Chile ins Leben: An der Ecke Santa Isabel mit San Isidro weihte er zusammen mit dem damaligen Oberbürgermeister Pablo Zalaquett und seinem deutschen Amtskollegen Wolfgang Schuster die Plaza Stuttgart ein. Drei Pferdeskulpturen, typische Rössle, schmücken den Ort. Diese Akzentsetzung im chilenischen Städtebau kam für Kieferle nicht von ungefähr: «Schöne Architektur ist ein Akt von Höflichkeit. Das ist für mich die oberste Devise.»

Der bekannte Architekt war aber auch immer genügend Realist, nicht die Schattenseiten einfach zu übersehen: «Diese herrliche Skyline, die Anden, es ist ein Traum! Diese wird jetzt durch die Hochhäuser verletzt», erklärter er einst gegenüber unserer Zeitung. «Das Tal von Santiago lag mit seinen niederen Bauten am Fuß der Anden wunderschön und jetzt entstehen diese Spargel und zerstören die Ansicht.»

Dabei zog Georg Kieferle selbst für bedeutende Konzerne in aller Herren Länder große Bauten hoch. Auch in Valparaíso beteiligte sich seine Firma «Kieferle & Partner» an einer Architektur-Ausschreibung für die Neugestaltung der Avenida Argentina in Valparaíso und gewann einen Preis.

Zu seinem Hobby zählt der Besuch von Skulpturausstellungen. Diese müssen ähnlich wie die ältesten Dome, Basiliken und großen Regierungsgebäude eine gewisse Ausstrahlung haben, eben Charakter. «Ein Haus, das keinen Charakter hat, das taugt zu nichts.»

Eins dürfte sicher sein: Dieser Schwabe hat Charakter. – Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Georg Kieferle.

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