Das Restaurant «Hotzenplotz» – keine Räubergeschichte

Deutsche Küche in Valparaíso

Restaurant Hotzenplotz in Valparaíso Chile
Der Räuber und sein Restaurant: Johannes Finck, Wirt des «Hotzenplotz» in Valparaíso.

 

Der literarische Räuber Hotzenplotz war ja eher ein «plapperndes Großmaul», wie das sein Schöpfer Otfried Preußler einmal gesagt haben soll, ein Räuber zwar, aber im Herzen ganz in Ordnung. Vergleiche hinken naturgemäß, erst recht, wenn man eine literarische Figur einer Kasperlgeschichte aus dem Jahr 1962 mit einem Restaurant auf dem Hügel Bellavista in Valparaíso heute vergleicht. Aber das kleine, feine Restaurant von Johannes und Cornelia trägt nun einmal den Namen des berühmten Räubers, da können wir uns in hinkenden Vergleichen doch einmal versuchen.

 

Von Thomas Magosch

Von unten, von der Plaza Ecuador aus erreicht man das Lokal über die «escalera Becker», wie sie im Volksmund heißt. Eine der bunteren Treppen in Valpo und vor allem abends alle fünf Meter mit kleinen Gruppen bevölkert, vor denen viele ortsfremde Menschen Respekt haben. Aber eine Räubertreppe? Mitnichten.

Johannes trägt einen Vollbart und etwas verwegene Haare, dazu regelmäßig ein Trikot von Borussia Mönchengladbach. Ein Räuber? Ganz im Gegenteil. Betrachtet man die verschiedenen Bewertungen in Online-Foren wird neben der exzellenten Küche vor allem die aufmerksame und liebenswerte Bedienung hervorgehoben. Das ist der Job von Johannes, der das Hotzenplotz vor drei Jahren mit seiner Freundin Cornelia gegründet hat.

Die Geschichte dieser Gründung ist tatsächlich etwas abenteuerlich und könnte gut ein paar Seiten füllen, aber die beiden hat es irgendwie direkt nach Valparaíso verschlagen. Von Leipzig aus über die Zeppellinuniversität in Friedrichshafen bis nach Chile. «Wir wollten etwas Eigenes gründen, irgendwo auf der Welt», sagt Johannes. Sie scannten sozusagen die Welt nach günstigen Wirtschaftsfaktoren für Gründer und Chile lag und liegt da ganz weit vorne – auch wenn die günstigen Eckdaten, wie sie auf dem Papier stehen, vor Ort immer etwas schwieriger sind. Beide sprachen kaum Spanisch und als sie das Lokal schließlich gründeten und aufmachen wollten, ließ die Schankgenehmigung auf sich warten, obwohl alle Dokumente und Anforderungen fristgerecht eingereicht wurden.

Hier käme in der Geschichte der Wachtmeister Dimpflmoser vor, denn das «Hotzenplotz» öffnete trotzdem, man musste Geld verdienen und Dimpflmoser kam regelmäßig um die Ecke, um es wieder zu schließen. Mittlerweile hat sich das «Hotzenplotz» etabliert. Valparaíso ist schnell Heimat geworden für die beiden Abenteurer. 70 Prozent Stammkundschaft erlauben Johannes und Cornelia, ihre Angestellten auch außerhalb der Hochsaison zu beschäftigen, was in Valparaíso nicht alltäglich ist. Das «Hotzenplotz» ist neben dem Restaurant zu einem sozialen Treffpunkt in der Nachbarschaft geworden.

Es läuft so gut, dass in naher Zukunft ein zweites mit chilenischen Partnern eröffnet wird. Großen Anteil am Erfolg des «Hotzenplotz» hat naturgemäß die Küche. «Das Essen soll so sein, dass der (deutsche) Gast nicht merkt, dass er nicht daheim ist und isst», formuliert Johannes die hohen Ansprüche. «Wir finden die deutsche Küche sehr lecker», und schon ein Blick auf die Speisekarte lässt einem da durchaus das Wasser im Munde zusammenlaufen: neben Kassler mit Bratkartoffeln und Sauerkraut finden sich Linsensuppe, fulminante Käsespätzle mit Blattsalat und eine zarte Rindsroulade.

Das Fleisch- und Wurstsortiment stammt übrigens vom Fleischermeister Kämpf in Quilpué und das exzellente Bier vom Tauss-Bräu in Limache. Nur aussprechen können viele den Namen des Lokals kaum richtig. Die Lautfolge «Hotzenplotz» fällt der spanischen Zunge schwer, aber auch das hat sein Gutes: «Die Leute reden dann über den guten Laden, dessen Namen keiner aussprechen kann», sagt Johannes und lacht. Und nach einem Essen im «Hotzenplotz» muss man einfach wiederkommen.

 

Kontakt: Restaurant Hotzenplotz, Héctor Calvo 331, cerro Bellavista, Valparaíso

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