Höchste Anerkennung für selbstlose Arbeit

Die ehemalige Honorarkonsulin von Valparaíso und Viña del Mar, Helga Behrend, hat vor Kurzem für ihr karitatives Engagement das Bundesverdienstkreuz am Bande bekommen.

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Das Bundesverdienstkreuz ist die höchste Auszeichnung, die die Bundesrepublik Deutschland zu vergeben hat, «in dem Wunsche, verdienten Männern und Frauen des deutschen Volkes und des Auslandes Anerkennung sichtbar zum Ausdruck zu bringen», wie Bundespräsident Theodor Heuss in seinem Stiftungserlass den 1951 eingeführten neuen Orden zugedacht wissen wollte.
Helga Behrend war sieben Jahre lang Honorarkonsulin der Bundesrepublik Deutschland in Viña del Mar/Valparaiso. Im Zuge dieser Tätigkeit kümmerte sie sich um Touristen, um Seeleute, um Kunst und Kultur und um Menschen, die aufgrund der Gräuel des Zweiten Weltkriegs eine neue Heimat in Chile fanden. Mit 70 schied sie aus dem Amt aus – «Routine», wie sie sagt.
Dafür kann man einen Orden bekommen, keine Frage. Vor allem, wenn man weiß, mit welchem Engagement und welcher Fürsorge sich Helga Behrend den Aufgaben widmete. Aber sie hat sehr viel mehr getan, als ein öffentliches Amt gewissenhaft auszufüllen.
Zum Hintergrund: «Das Ehepaar Behrend zieht ins Erdbeerengebiet.» So stand es damals in einer Regionalzeitung in Dortmund, als Hans und Helga Behrend nach Chile aufbrachen. 1985 war das, und es war natürlich Chile gemeint. Für Behrends war es bereits die dritte Reise auf den lateinamerikanischen Kontinent. Das erste Mal ging es 1965 frisch verheiratet an die Deutsche Schule Valdivia, dann folgte 1975 die Vermittlung an die Deutsche Schule Guayaquil in Ecuador. Die letzte Station war der deutsche Schulverband Valparaíso, wo die Familie Behrend «hängen geblieben» ist.
Bereits kurz nach ihrer Ankunft in Chile 1985 begann ihr Engagement für arme, vernachlässigte und misshandelte Kinder. Behrends Tochter Claudia hatte ehrenamtlich in einem Kinderheim gearbeitet, so hat es angefangen. Mit dem «Hogar Esperanza» hat Helga Behrend vor über 25 Jahren ein Kinderheim gegründet, aufgebaut und betreut.
Man soll sich nicht immer nur über die Umstände, die einem missfallen, beschweren. «Wenn man meckert, muss man auch was besser machen können», sagt sie. Mit maßgeblicher Unterstützung von Pater Alfonso Boess der Schönstatt-Kongregation und durch Mithilfe chilenischer und deutscher Freunde wurde das Fundament für einen Funken Hoffnung für das Leben zahlreicher Kinder gelegt.
Die Kinder im Alter von zwei bis sieben Jahren wurden dem Heim von Gerichten zugewiesen, finanziert wurde es über Spenden. In Deutschland organisierten Fördervereine Spendengelder, in Chile engagierten sich zahlreiche Ärzte, Anwälte, Sozialarbeiter und Pflegekräfte in ehrenamtlicher Arbeit für das Heim. «Am Anfang haben wir selbst die Kinder gebadet und gefüttert, wir hatten noch gar kein Geld für Pflegepersonal.»
Aber die Spendenbereitschaft in Deutschland war hoch, die Behrends waren durch ihre Lehrertätigkeit bekannt und viele Menschen spendeten regelmäßig. «Zudem liefen unglaublich viele Aktionen zugunsten des Fördervereins, hier einmal ein Rockkonzert, dort eine Tombola». So gaben beispielsweise auch der ehemalige deutsche Arbeitsminister Norbert Blüm eine seiner Nickelbrillen, der Ex-Kanzler Helmut Kohl eine Krawatte und der Sportler Henry Maske ein Paar Boxhandschuhe für eine Versteigerung zugunsten des Kinderheims.
Vor ein paar Jahren stattete ehemalige Boxweltmeister und jetzige Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, dem Heim in seiner Funktion als Unicef-Botschafter einen Besuch ab. Aber auch Schulen und viele Privatleute gaben Geld. Insgesamt 2,5 Millionen US-Dollar an Spenden erhielten das Heim 25 Jahre lang am Leben. 350 Kindern konnte in dieser Zeit geholfen werden.
«Und wenn wir im Urlaub in Deutschland waren, dann haben die Schulen angefragt, ob wir nicht kommen und von dem Heim erzählen könnten. Dann sind wir losmarschiert und haben Dias mitgenommen von hier.» Zudem haben sie jährlich mindestens zwei Tätigkeitsberichte geschrieben. So eine Transparenz ist vorbildlich und schafft Vertrauen. Zu vielen Kindern besteht bis heute Kontakt. Einige der ehemaligen Heimkinder sind heute selbst in sozialen Berufen tätig, aber es gibt auch einen Mathematiklehrer in Australien, zwei Landwirte in Frankreich, einige handwerklich Ausgebildete und zwei Theologen in Deutschland, sagt Hans Behrend, der nicht ohne Stolz zusammen mit seiner Frau an dem Cóndor-Gespräch teilnimmt.
«Vielleicht war ich der Motor des Ganzen, aber ohne den Treibstoff meiner Familie und vieler Freunde hätte das Kinderheim nicht 25 Jahre durchgehalten», sagt Helga Behrend. Vor zwei Jahren wurde das Heim der Schönstatt-Organisation «María Ayuda» überschrieben, die die erfolgreiche Arbeit nun fortsetzt.
In ihrer Dankesrede in der Residenz des Deutschen Botschafters stellt Helga Behrend im Hinblick auf die Kosten des Heims die rhetorische Frage, ob sich die Würde eines Menschen in Geld beziffern lässt. Das ist unmöglich. Ebenso der Wert ihrer selbstlosen Arbeit, die mit dem Bundesverdienstkreuz zumindest ein Zeichen der Anerkennung erhält.
Herzlichen Glückwunsch und Danke, Helga Behrend!

Thomas Magosch

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