Grüezi aus Valparaíso

Import aus der Schweiz: ein Trolleybus in Valparaíso
Import aus der Schweiz: ein Trolleybus in Valparaíso auf der Plaza Sotomayor

 

Von Thomas Magosch

Wahrscheinlich sollte man einen Artikel mit so einem Thema nicht beginnen, aber als im Gespräch mit dem Präsidenten der Corporación Helvética de la Quinta Región, Thierry Dardel Pumpin, die interessante Geschichte der Schweizer Migration nach Valparaíso erwähnt wird, meint Thierry etwas süffisant und trocken, so wie es Schweizern manchmal sehr zu eigen zu sein scheint: «Das Erste, was sie machten, war ein Mausoleum zu bauen.» Dem Bau vorausgegangen waren einige wesentliche Entwicklungen, die Thierry Dardel natürlich ebenfalls erwähnt, aber das Mausoleum scheint mir ein schöner Aufhänger für einen Artikel zu sein, und wichtig ist so ein Mausoleum auf alle Fälle.

In Valparaíso wurde im Jahr 1851 das erste Schweizer Konsulat Südamerikas eröffnet. Elf Schweizer zählte man damals in der Hafenstadt. Doch die Zahl stieg rasant und bereits 20 Jahre später lebten über 200 Schweizer permanent in Valparaíso. Fast 50 Prozent der Immigranten der ersten Stunde siedelten sich in der Region Valparaíso an. Nicht alle von ihnen hatten wirtschaftlichen Erfolg, deshalb gründeten sich zwei Gesellschaften, die unter anderem bedürftigen Genossen unter die Arme greifen sollten.

Und sie bauten das Mausoleum. Auch heute hat man als Mitglied der Corporación Helvética ein Anrecht auf einen Platz darin, auf dem Dissidentenfriedhof auf dem Cerro Panteón in Valparaíso.

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Thierry Dardel Pumpin

Aber zurück zu den Lebenden. In den letzten Jahren lasse sich ein signifikanter Anstieg der Mitgliederzahl in der Corporación vermerken, erwähnt Thierry Dardel. Das sei sehr erfreulich, da die Schweizer Körperschaft, genauso wie andere Interessensgemeinschaften und Vertretungen von Emigranten, mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen haben. «Viele wollen keine Verantwortung mehr übernehmen in den Gesellschaften», sagt er.

Das Problem mag in den Regionen ein wenig stärker existieren als in Santiago, aber es ist definitiv vorhanden. Das Interesse und die Sympathien für die Schweiz seien groß, die Unterstützung der Botschaft in allen Belangen sehr stark, sagt Dardel, aber wie so oft gehen die Menschen gerne auf Cocktails und wollen Beratung in Passangelegenheiten, aber ehrenamtlich engagieren möchten sich nur wenige.

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Der Jardín Suizo wurde vom Landschaftsarchitekten Benjamín Pümpin Ruesch gründet, der1881 nach Chile kam.

Dabei hinterlässt die Schweiz noch immer sichtbare Spuren in Valparaíso. Vom Jardín Suizo über die schweizerische Feuerwehr, die Glaserei Scheggia, die seit 1876 ein traditionelles schweizerische Handwerk auf höchstem Niveau in der Hafenstadt praktiziert bis hin zu den vielen Trolleybussen aus der Schweiz. Erst 2015 wurden zehn Busse aus dem Verkehrsverbund Luzern nach Valparaíso überführt. Zum symbolischen Preis von 5.000 Franken pro Stück sollen sie noch 40 Jahre umweltfreundlich fahren können. Die Trolleybusse gehören in Valpo zum Weltkulturerbe und sind aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Ebenso wie die kleine, aber feine Gemeinde, die sich Mitte des 19. Jahrhunderts von den Alpen an die Anden aufmachte.

Das Bonmot von Luis Aguirre, das er den schweizerische Immigranten in seinem Klassiker «El libro de Valparaíso» vermacht hat, dürfte auch heute noch ohne Abstriche gültig sein: «Die Schweizer Gemeinde in unserem Hafen ist klein, aber wegen ihrer hohen Qualität sehr wichtig.»

Die Internetseite der Corporación Helvética ist www.suizosvalparaiso.cl und vom Jardín Suizo www.jardinsuizo.cl

 

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