Grimms Märchen auf Spanisch

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Von Walter Krumbach

Sobald man den ersten Blick hereinwirft, weiß man es: hier handelt es sich um eine Besonderheit. Der kürzlich erschienene Band im Großformat mit 35 Märchen der Gebrüder Grimm auf Spanisch in solidem Kartoneinband, ist auf hochqualitativem Papier hervorragend gedruckt. Die großen Typen und die extra breiten Seitenränder erleichtern die Lektüre und die erlesenen farbigen Illustrationen von Daniela Drescher (München, 1966) tun den Rest. Der Leser stellt angenehm überrascht fest: bei der Herstellung wurde jedes Detail genau durchdacht, um ein einladendes Produkt vorzulegen.

Gebrüder Grimm: deutsche Märchen auf Spanisch übersetzt in Chile
Gebrüder Grimm: deutsche Märchen auf Spanisch übersetzt in Chile

Das anspruchsvolle Projekt erarbeiteten die Verlegerin Mónica Cumar (Ediciones Columba) und die Dozentin der PUC Cecilia Beuchat. Mónica Cumar erwarb die Veröffentlichungsrechte bei dem Stuttgarter Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus GmbH und Cecilia Beuchat nahm die Übersetzung vor. «Grimms Märchen sind für Kinder sehr wichtig», versichert Mónica Cumar, als wir sie nach der Begründung dieser Ausgabe fragen, «und dazu ist es relevant, dass sie nicht in bearbeiteten, sondern in zuverlässigen Fassungen erscheinen. Es sind für denjenigen, der sie hört, sehr gelehrsame und heilsame Geschichten».

Cecilia Beuchat hat sich während ihrer langjährigen Tätigkeit als Dozentin für Kinderliteratur des Öfteren auch mit der Schöpfung von Schriftwerken befasst. So gab sie vor wenigen Monaten den über 300 Seiten starken Leitfaden «Mit Kindern Dichtung hören, lesen und schreiben» heraus. Über Grimms Märchen konnte sie feststellen, dass in spanischer Sprache keine originaltreue Fassung existierte.

Beim Ausarbeiten ihres Märchenbuchprojekts entschied sie sich für die fünfte Auflage des Originals, die die Gebrüder Grimm im Jahre 1857 herausbrachten. Um das damalige Deutsch zu übersetzen, «habe ich versucht, dem Original absolut sinngetreu zu sein», erklärt die Dozentin, «aber bei bestimmten Ausdrücken, die mir im heutigen lateinamerikanischen Spanisch befremdlich erschienen, suchten wir nach einem geeigneteren Wort. Erfreulicherweise ist die spanische Sprache reich an Möglichkeiten, um etwas Adäquates zu finden».

Das heißt beileibe nicht, dass sie den Originaltext einer Modernisierungskur unterzogen hat, wie es Mónica Cumar erläutert: «Ein paar Pinselstriche von veralteten Ausdrucksweisen verleihen jedem Text eine gewisse Anmut – wenn sie angebracht sind, versteht sich. Davor sollte man keine Angst haben».

Zudem ist die Zielgruppe von Grimms Märchen nicht auf Kinder beschränkt, wie die Autorinnen unterstreichen. Man kann sie sechsjährigen Kindern erzählen und sich ebenso als Erwachsener an den zauberhaften Stimmungen, den Lebensweisheiten und den eigentümlichen Redewendungen erfreuen.  

Ein Qualitätserzeugnis dieser Art auf den inländischen Markt anzubieten ist ohne Zweifel riskant. Mónica Cumar nimmt dazu unerschrocken Stellung: «Dies ist wie ein Roulette, denn man setzt alles aufs Spiel. Je größer das Projekt ist, desto größer ist auch das Risiko.» Allerdings sind Cumar und Beuchat zuversichtlich, da das Echo bisher positiv war: «Auf der Buchmesse Mapocho hat man es bestaunt, was uns großen Mut gemacht hat», bemerkt die Übersetzerin, «es ist eben ein Buch, das bereits optisch seine Wirkung hat. Und wer hereinschaute, der war von der Benutzerfreundlichkeit, der Druck- und Papierqualität sehr beeindruckt».

Die Sammlung enthält außer den bekanntesten Märchen wie «Der Froschkönig», «Der Wolf und die sieben Geißlein», «Hänsel und Gretel», «Schneewittchen», «Frau Holle», «Die Bremer Stadtmusikanten» und «Rotkäppchen» auch weniger volkstümliche Titel wie «Hans im Glück», «Die Bienenkönigin» und «Die zertanzten Schuhe». 

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