Die Steiermark – Heimat des «Gouvernators»

Wer mit «Gouvernator» gemeint ist? Arnold Schwarzenegger. Der österreichische Actionfilmstar und spätere Gouverneur Kaliforniens wurde 1947 in Thal bei Graz geboren. Und gerade Graz als Hauptstadt des Bundeslandes Steiermark war in der Historie oftmals Schauplatz geschichtsträchtiger Ereignisse, die selbst vielleicht Stoff für Hollywoodfilme bieten könnten.

Das Grazer Rathaus

 

Graz ist nach Wien die zweitgrößte Stadt Österreichs mit knapp 300.000 Einwohnern und liegt am Fluss Mur im südöstlichen Teil des Alpenstaates. Im Süden grenzt die Steiermark an Slowenien. Dass eine Grenze zwischen dem österreichischen Bundesland und dem Balkanstaat liegt, war allerdings nicht immer so. Und nach wie vor kann man in beiden Ländern Ortschaften mit deutschen beziehungsweise slowenischen Namen finden.

Wie alle mitteleuropäischen Staaten hat auch die Steiermark zwei Jahrtausende ständiger Herrschaftswechsel, neuer Grenzziehungen, religiöser Konflikte und Kriege hinter sich. Das Bundesland ist die Ursprungsregion zweier Ethnien, deren Gemeinsamkeiten noch immer sichtbar sind.

 

Kelten, Römer und die Traungauer

1851 wurde bei Grabungen an einem Fürstengrab in der Nähe von Judenburg ein aus Bronze gefertigter Kultwagen gefunden. Bei diesem handelt es sich um den berühmten keltischen Strettweger Opferwagen, der heute im Museum Joanneum in Graz besichtigt werden kann.

Schon im Zeitalter der Neandertaler bevölkerten Menschen den Raum. Nach vorzeitlicher und keltischer Zuwanderung gehörte das Gebiet ab 15 v. Chr., genauso wie fast alle heutigen österreichischen Bundesländer, dem Noricum an, allerdings mit der Besonderheit, dass Teile der Oststeiermark in Pannonien lagen. Das Schicksal der römischen Zentren nach dem Verfall des Römischen Reiches war anders als das des Landes Salzburg: Die kulturellen Einflüsse der Mittelmeermacht konnten sich nicht halten und vermischten sich auch nicht mit den zur Völkerwanderungszeit anwesenden Goten oder Hunnen.

Als Nachbarländer im Westen und im Norden schon zu Bayern gehörten, war die Region damals Teil des Fürstentums Karatanien und konnte diese Unabhängigkeit auch bis Ende de 8. Jahrhunderts halten. Erst danach wurde sie in das Heilige Römische Reich eingegliedert. In diese Zeit fällt auch ein Teil des Namensursprungs. Als Mark wurden damals die Grenzkontrollposten des Reiches bezeichnet.

Nach der siegreichen Verteidigung des Territoriums bei der Schlacht auf dem Lechfeld Ende des 10. Jahrhunderts begann die verstärkte deutsche Zuwanderung. Die Machtübernahme der Traungauer und deren Sitz Burg Steyr verliehen nun zu Beginn des 2. Jahrtausends dem ehemaligen Karatanien den Namen Steiermark mit der neugegründeten Hauptstadt Graz.

Unter der nachfolgenden Herrschaft der Babenberger existierte die Steiermark relativ unabhängig vom Herzogtum Österreich und ging nach dem Ableben des letzten Babenberger Herzogs an die Habsburger. Dieser Zustand sollte bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts fortdauern.

 

Die Wirren des Mittelalters und das Osmanische Reich

In den folgenden Jahrhunderten bestimmten Pest, deutsche Zuwanderung, erblich bedingte Teilungen und Wiederzusammenfügungen, architektonische Mittelalterbauten und die Ausbeutung der steirischen Böden das Geschehen. Wirtschaftlich gewann die Region durch Eisen-, Salz- und Silberbergbau an Stärke. Neue Arbeitsmöglichkeiten wurden geschaffen und lockten immer mehr Menschen in die steirischen Lande. Neben dieser erwünschten Zuwanderung hatte die Steiermark aber ab Mitte des Jahrtausends auch mit Einfällen der Türken und Ungarn zu kämpfen.

Besonders die Türken wurden zu einer Jahrhunderte langen Dauerbedrohung für Innerösterreich, wie die Region damals weitläufig genannt wurde. Durch die Eroberung des Balkans und die, in diesem Fall, sehr ungünstige geographische Lage der Steiermark, befand sich der Feind praktisch vor der Haustür und ließ die Bevölkerung in permanenter Angst vor Übergriffen leben.

Da die katholische Kirche zu jener Zeit mit einer schlechten wirtschaftlichen Lage und Unruhen im Volk zu kämpfen hatte, fand der aufkommende Protestantismus schnell Anhänger bis in die höchsten Kreise der Aristokratie. Ein Produkt des Unmutes über diesen Umstand war die Gründung der Grazer Universität, die die Ausbreitung der lutherischen Lehren behindern sollte. Dennoch entschied sich der Nachfolger Karl II. von Innerösterreich, Ferdinand II., zu einer Aufhebung der bedingt gewährten Religionsfreiheit und löste dadurch eine Vertreibungswelle der Protestanten aus.

 

Herrschaft Maria Theresias

Parallel nahm die Bedrohung durch das Osmanische Reich weiter zu und kulminierte in der Einnahme Ungarns und Kroatiens. König Ferdinand II. erhielt damals die Kaiserkrone und bewirkte dadurch einen Bedeutungsverlust der Stadt Graz, da er von nun an in Wien residierte. Der im 17. Jahrhundert für ganz Europa bestimmende Dreißigjährige Krieg ging, genauso wie für Nachbarherzogtümer, an der Steiermark vorbei und brachte in Kombination mit der zeitweilig friedlichen Gesinnung der Osmanen eine kurze Epoche des relativen Friedens für die Region.

Ende des 17. Jahrhunderts konnte die türkische Bedrohung dann endgültig durch eine gewonnene Schlacht bei Wien abgewendet werden und den Weg für die absolutistische Herrschaft Maria Theresias bereiten. Während ihrer Regierung erlebte die Steiermark organisatorische Reformen wie Volkszählung, Hausnummerierung, Kataster der Liegenschaften und eine Erneuerung des Rechtssystems. Trotz eines Toleranzpatentes, das andere Konfessionen duldete, blieb der Katholizismus nach wie vor dem Protestantismus und der griechisch-orthodoxen Kirche vorangestellt.

Die Revolutionsjahre des 19. Jahrhunderts, die napoleonische Herrschaft und schwere menschliche und wirtschaftliche Verluste in den Zeiten des Vormärz bereiteten den Steirern teilweise unerträgliche Lebensumstände. Die Region profitierte damals von Herzog Johann, dem Bruder des Kaisers Franz II., der mit Verbundenheit zum Volke die Auswirkungen der Herrschaft seines Bruders auf die Bevölkerung teilweise abwehren konnte.

Wirtschaftlich regte sich in dieser ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einiges: die Industrialisierung erreichte die Steiermark und löste durch Arbeitsplätze in den neu geschaffenen Großunternehmen und bessere Lebensverhältnisse ein starkes Bevölkerungswachstum aus.

 

Österreich oder Slowenien

Ende des 19. Jahrhunderts wurden erstmals ethnische Auseinandersetzungen zum bestimmenden Thema in der Steiermark. Der aufkommende Nationalismus führte zu einer Unterscheidung zwischen Steirern aus Deutschland und Steirern aus Slowenien. Die Politik war von der Privilegierung der Deutschen bestimmt, was Unmut bei der slowenischen Minderheit auslöste. Dies führte 1918 im Zuge des Selbstbestimmungsrechtes der Völker zu einer Abspaltung der Untersteiermark, deren territoriale Grenzziehung sich durch Problemfälle wie Marburg, heute Maribor in Slowenien, als schwierig erwies.

Das ohnehin als radikal verrufene Graz erwies sich zur Zeit des aufkommenden Nationalsozialismus als fruchtbarer Boden für die ideologische Überzeugung der NSDAP und wurde nach kurzer, intensiver und aggressiver Niederschlagung des Widerstandes zu einem Zentrum der Gesinnung. Besonders die hohe Arbeitslosenquote war ein Grund für die positive Aufnahme. Nach Kärnten stellte die Steiermark damals den höchsten Anteil an NSDAP-Mitgliedern in Österreich und war Schauplatz all der bekannten Gräueltaten der Nazis; die Grazer Synagoge fiel in der Reichskristallnacht der antisemitischen Bewegung ebenso zu Opfer wie tausende Juden und andere Minderheiten.

 

Die Nachkriegssteiermark und der Aufstieg zur Kulturmetropole

Nach Beendigung des Naziregimes 1945 durch die Alliierten wurde die Steiermark kurzzeitig von der Roten Armee besetzt, was bis heute Narben im Bewusstsein der Steirer hinterlassen hat, da diese rücksichtslos innerhalb weniger Wochen das Land ausbeutete.

Die folgende britische Besatzung ermöglichte der Region raschen Wiederaufbau und Demokratisierung. Der Wirtschaftsaufschwung in den folgenden Jahrzehnten katapultierte Österreich gemessen am realen BIP pro Kopf zum aktuell 12. wohlhabendsten Staat weltweit. Aktuell charakterisiert sich die steirische Wirtschaft durch die Stahl- und Eisenindustrie sowie die Automobilindustrie. Die Region profitiert außerdem vom Tourismus in den Wintersportgebieten und der verkehrsgünstigen Anbindung an die Nachbarstaaten. Graz als Hauptstadt entwickelte sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem kulturellen Zentrum und erlangte 2003 den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt.

 

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