Der Ost-West-Konflikt

Er gilt als einer der längsten Kriege der Neuzeit. Doch obwohl die Welt während des mehr als 40 Jahre andauernden Konflikts aufgrund der atomaren Bedrohung mehrmals in den Abgrund schaute, haben sich die Spannungen des Kalten Krieges nie offen entladen. Für bewaffnete Konflikte, Putschversuche und Stellvertreterkriege in aller Welt zeichneten die politischen Hauptakteure des Ost-West-Konflikts allerdings dennoch verantwortlich. Das geteilte Deutschland und mittendrin Berlin standen vier Jahrzehnte lang an vorderster Front im ideologischen Kräftemessen.

"Reißen Sie diese Mauer herunter, Herr Gorbatschow!" - US-Präsident Ronald Reagan bei seinem Berlin-Besuch 1987

 

«Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor! Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!» – Es war am 12. Juni 1987, als der ehemalige amerikanische Präsident Ronald Reagan seine berühmte Rede vor dem Brandenburger Tor hielt und der Ost-West-Konflikt bereits dicht vor seiner Beendigung stand. Den Blick auf das damalige West-Berlin gerichtet, waren seine Worte auch bis weit in den Osten der Stadt zu hören.

Menschen zu beiden Seiten des «Eisernen Vorhangs», Abertausende an den Rundfunkgeräten und Politiker weltweit dürften in diesem historischen Moment still oder auch mit Begeisterung ihrem Traum nach einem Ende des Kalten Krieges nachgehangen haben.

Über Jahrzehnte hatten die atomaren Drohgebärden der von den USA und der ehemaligen Sowjetunion angeführten Blöcke die Weltbevölkerung in Atem gehalten. Gewarnt durch die katastrophalen Folgen der Atombombenabwürfe über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki zweifelte niemand an der Gefährlichkeit und verheerenden Wirkungskraft der enormen konventionellen und nicht-konventionellen Waffenarsenale auf beiden Seiten. Der Rüstungswettlauf hatte das Bedrohungsszenario seitdem eher noch verstärkt.

 

Militärische Bündnisse

Der Kalte Krieg gilt in der historischen Nachbetrachtung als einer der längsten nicht offenen kriegerischen Auseinandersetzungen der Neuzeit. Da es sich dabei um keine direkte und formal erklärte Kriegshandlung handelte, ist seine exakte Dauer bis heute noch umstritten. Im Allgemeinen wird darunter jedoch die gesamte Nachkriegszeit ab 1945 bis hin zum Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 und darüber hinaus dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 verstanden.

Die Hauptakteure des Kalten Krieges waren die von USA und ehemaliger Sowjetunion angeführten Blöcke, die aufgrund der geographischen Gegenüberstellung ihrer ideologischen Anführer auch in einen Ost- sowie einen Westblock unterteilt waren. Daher rührt auch die von zahlreichen Historikern bevorzugte Bezeichnung des Kalten Krieges als Ost-West-Konflikt.

Während der Westblock vor allem die Nato-Staaten – also ab Mai 1982 auch West-Deutschland – umfasste, wurde unter dem Ostblock im Wesentlichen sein militärisches Gegenstück unter Führung der Sowjetunion, der Warschauer Pakt verstanden. Im Gegensatz zum Pakt der Nato-Staaten konnte das Warschauer Militärbündnis den Untergang der Sowjetunion jedoch nicht überdauern.

Beiden Militärbündnissen waren zunächst enge wirtschaftliche Beziehungen und Abkommen zwischen ihren Gründungmitgliedern vorausgegangen. Daraus erklärt sich, dass nicht alle europäischen Länder die enge Handelsbeziehungen mit einem der beiden Blöcke führten, auch deren Militärbündnissen angehörten.

Ein Ausbruch offener Kriegshandlungen zwischen den Blöcken und ihren politischen Polen konnte in der rund vier Jahrzehnte langen Geschichte des Ost-West-Konflikts stets verhindert werden. In zahlreichen Stellvertreterkriegen wie den Kriegen in Korea und Vietnam sind die ideologischen Spannungen dennoch sichtbar nach außen getreten.

 

Spannungen um Berlin

Gleich mehrmals drohte der Kalte Krieg zu einem echten, einem «Heißen Krieg» zu werden. Einen ersten Höhepunkt fand der fortwährende Konflikt zwischen dem kapitalistischen Westblock und seinem kommunistischen Pendant während der Berlin-Blockade der Jahre 1948 und 1949.

Nachdem die Alliierten noch kurz zuvor Seite an Seite Nazi-Deutschland und seine Verbündeten in die Knie gezwungen und das Ende des Zweiten Weltkriegs erreicht hatten, konnten sich die beiden Großmächte USA und Sowjetunion anschließend nicht über ein weiteres gemeinsames Vorgehen zur Kontrolle der nun von ihnen besetzten Gebiete einigen. Zu groß waren das Misstrauen und das geopolitische Anspruchsdenken beider Weltmächte.

Bereits ab der Potsdamer Konferenz zwischen Juli und August 1945 auf der die gemeinsame Verwaltung der Siegermächte beschlossen werden sollte, traten die Spannungen nach außen.

Zum Ende des Jahrzehnts hatte sich die Lage dramatisch zugespitzt. In den Mittelpunkt der Auseinandersetzungen rückte die direkte Konfrontation zwischen beiden Seiten in der Vier-Sektorenstadt Berlin. Die spätere gesamtdeutsche Hauptstadt war von enormer strategischer Bedeutung für die jeweilige Partei. Nirgends sonst auf der Welt trafen die ideologische Denkmuster beider Blöcke und deren militärische Präsenz so eng aufeinander wie in der Enklave mitten in der sowjetischen Besatzungszone.

 

Rosinenbomber als Lebensretter

Schon ab 1948 ließ die sowjetische Militärführung aus Misstrauen gegen die westlichen Alliierten erste Blockaden der Verkehrswege Richtung Westteil der Stadt errichten. Wie weit beide Militärkommandanturen von einer gemeinsamen Berlinpolitik entfernt lagen, zeigten die noch im selben Jahr unabhängig voneinander angeordneten Währungsreformen in Berlin.

Die sowjetische Führung, die die Einführung der Deutschen Mark als Affront empfunden hatte, reagierte mit einem Alleinvertretungsanspruch für Berlin.

Die hitzigen Reaktionen beider Seiten auf die jeweiligen Provokationen gipfelten in der Blockade aller Land- und Wasserwege zwischen den westalliierten Zonen und West-Berlin durch die sowjetischen Streitkräfte.

Statt Berlin jedoch aufzugeben garantierten die Westalliierten unter Führung der USA die Versorgung der Westzone durch einen permanenten Luftkorridor. Zwischen Juni 1948 und Mai 1949 war die Berliner Luftbrücke die Lebensader für West-Berlin. Da die Versorgung der Stadt durch die sogenannten Rosinenbomber über einen langen Zeitraum sichergestellt werden konnte, gab die sowjetische Führung ihre Blockadehaltung schließlich auf.

Während der Berlin-Blockade war die Stadt an der Spree zu einem ersten hitzigen Schauplatz des Ost-West-Konflikts geworden. Während Chruschtschows Berlin-Ultimatum 1958 und dem Bau der Berliner Mauer sollten die Augen der Weltöffentlichkeit erneut spannungsvoll auf die Stadt gerichtet sein.

Weitere Höhe- und mögliche Wendepunkte des Kalten Krieges waren die Kubakrise und die Stationierung sowjetischer Atomraketen auf der Karibikinsel im Jahr 1962, sowie die Auseinandersetzungen um die Installation amerikanischer Kernwaffen in Europa zwischen 1979 und 1983.

 

Entspannung und deutsche Ostpolitik

Mit der Verschärfung der wirtschaftlichen Lage in den Ländern des Ostblocks konnte der Zusammenbruch zahlreicher Regierungen sozialistischer Länder nur durch intensive finanzielle Unterstützung aus Moskau verhindert werden.

Der ideologische Konflikt zwischen den Blöcken geriet darüber hinaus zunehmend in den Hintergrund. Zumal auch in der Sowjetunion selbst ab Beginn der 1980er Jahre ein politischer Richtungswechsel eingeleitet wurde.

Die Reformpolitik des neuen Generalsekretärs des sowjetischen Politbüros, Michail Gorbatschow, ab Mitte des Jahrzehnts und seine Konzepte von «Perestroika» (Wende in Wirtschaft und Verwaltung) sowie «Glasnost» (Offenheit und Transparenz nach innen und außen) veränderten die geopolitische Realität grundlegend. Eine neue und konsequente Offenheit gegenüber dem Westen schuf ein bindendes Gesprächsklima zur endgültigen Überwindung des Ost-West-Konflikts.

In visionärer Art und Weise hatte bereits auch der ehemalige Regierende Bürgermeister West-Berlins (1957-1966) und spätere deutsche Bundeskanzler (1969-1974) Willy Brandt mit der Ostpolitik seiner Regierung – Höhepunkt war der legendäre Kniefall von Warschau im Dezember 1970 am Mahnmal des Ghetto-Aufstandes von 1943 – für Entspannung im Verhältnis der Bundesrepublik und seinen sozialistischen Anrainerstaaten gesorgt.

Zum Ende der 1980er Jahre schien das politische Klima schließlich bereit, damit Ronald Reagan während seines Staatsbesuches in West-Berlin vor dem historischen Umfeld des Brandenburger Tores als Symbol des Eisernen Vorhangs seine bis heute unvergessene Forderung an die historische Verantwortung der sowjetischen Führung stellen konnte.

 

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