Botschafter gratuliert der «allmächtigen Jungfrau»

«Man ist so alt, wie man sich fühlt», lautet das Lebensmotto von Gertrudis Klett, die kürzlich ihren 104. Geburtstag feierte. Zu diesem festlichen Anlass besuchte sie der deutsche Botschafter Hans-Henning Blomeyer-Bartenstein in Begleitung der Konsulin Barbara Jünger, um ihr persönlich zu gratulieren.

In ihrem Zimmer in der Seniorenresidenz Hogares Alemanes in Vitacura holte die kleine Delegation das Geburtstagskind ab. Mit einem rosa-roten Blumenstrauß und Lebkuchen aus Nürnberg gratulierte der Botschafter: «Die haben wir extra für sie einfliegen lassen.» Gertrudis Klett freute sich über den Besuch, nahm die Geschenke gerührt entgegen.

Das Team des Altenheims hatte zudem ein kleines Buffet vorbereitet und natürlich – das durfte nicht fehlen – einen Geburtstagskuchen gebacken. Gemeinsam sang man dann ein Lied für das Geburtstagskind, das im Jahr 1909 in Stuttgart geboren wurde und seit 1953 in Chile lebt.

Botschafter und Konsulin nutzten außerdem die Gelegenheit, die Einrichtung Hogares Alemanes kennenzulernen.

«Wir haben 185 Zimmer und alle sind belegt. Es gibt sogar eine Warteliste“ berichtete Geschäftsführerin Mohira Saavedra. «Na dann melden wir uns am besten jetzt schon an», scherzte Blomeyer-Bartenstein, dem es in der Seniorenresidenz sichtlich gefiel. Direktorin Mónica Wolff bestätigte: «Ich glaube, es ist das schönste Altenheim in Santiago.»

Tatsächlich ist das Wohnheim eingerichtet wie ein großes Mehrfamilienhaus. Die vielen Bilder an den Wänden und frische Blumen in Vasen sorgen für eine wohnliche Atmosphäre auf den 8.000 Quadratmetern Wohnfläche. Bei dieser Größe gibt es genug Platz für einen eigenen Fitnessraum, einen Gemeinschaftsraum, eine Wäscherei und sogar eine eigene Kapelle. «Einmal im Monat kommt Pastor Gysel», erklärt Direktorin Wolff.

In der Bibliothek traf Botschafter Blomeyer-Bartenstein eine gebürtige Hamburgerin, mit der er über das Leben in der Residenz plauderte. «Ich hab gleich Turnen», erzählte die Bewohnerin. «Sind Sie die Lehrerin?», fragte daraufhin der Botschafter.

Im Gemeinschaftsraum werden nicht Muskeln, sondern die grauen Zellen beansprucht. «Wissen Sie, wie die Hauptstadt von Weißrussland heißt?», fragte eine Seniorin die Besucher. Die anderen elf Hauptstädte hatte sie schon feinsäuberlich in schöner, alter Handschrift auf dem Fragebogen eingetragen.

Am Ende des Besuchs sang Geburtstagskind und Hobby-Sängerin Gertrudis Klett für ihre Gäste. Voller Inbrunst und mit beachtlichem Stimmvolumen stimmte sie aus Wagners Tannhäuser «Allmächtige Jungfrau» an. Botschafter Blomeyer-Bartenstein war daher zuversichtlich, als er sich verabschiedete: «Wir kommen nächstes Jahr zu Ihrem 105. Geburtstag wieder.»

 

Von Helena Haack

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