Bewegend, sagenhaft und sehr, sehr stressig

Europa-Tournee des Martin-Lota-Ensembles erfolgreich beendet

In Steinbach bot der chilenische Konsul den Musikern ein Konzert im Cervantes-Institut an. Nach getaner Arbeit: Ilse Simpfendörfer, Ítalo Riffo und Patricia Rodríguez
In Steinbach bot der chilenische Konsul den Musikern ein Konzert im Cervantes-Institut an. Nach getaner Arbeit: Ilse Simpfendörfer, Ítalo Riffo und Patricia Rodríguez

 

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 500. Jubiläum der Reformation trat das Martin-Lota-Ensemble der Santiaguiner Erlöserkirche in verschiedenen Städten Deutschlands und der Schweiz auf.

 

Von Walter Krumbach

Mit von der Partie waren die Sänger Ilse Simpfendörfer und Ítalo Riffo, die Pianistin Patricia Rodríguez und Germán Valenzuela, der die Rundreise auf Fotografien und Videos dokumentierte. Sie gaben drei Konzerte und traten bei mehreren Veranstaltungen des Evangelischen Kirchentags auf.

Der erste Auftritt erfolgte am 25. Mai während eines Treffens im Plenarsaal des Brandenburger Landtages, wo die Kirchenpräsidentin Izani Bruch eine Bibelarbeit leitete. Die Pfarrerin «sprach über biblische Frauengestalten, wie Elisabeth und Maria», berichtet Patricia Rodríguez, «und wir haben dazu einige geistliche Werke vorgetragen». Die Stücke der Misa a la Chilena von Vicente Bianchi bildeten, besonders mit dem Stück «María de mi pueblo», einen passenden Rahmen zu der Veranstaltung.

Tags darauf improvisierten sie im Monbijoupark einen Auftritt. Verschiedene Ensembles wechselten sich mit ihren Darbietungen im Freien ab. «Es war eine Idylle», erinnert sich die Pianistin, «ganz nahe an der Spree, auf der Touristenkähne vorbei schwammen und uns beobachteten». «Es war wie eine Generalprobe», schmunzelt Ítalo Riffo, bei der sie ihr Repertoire durchgehen konnten. Außer Bianchis Werk sangen und spielten sie Stücke von der Osterinsel und Kompositionen von Violeta Parra und Víctor Jara. Hierbei erlebten sie eine Überraschung, als eine Dame aus dem Publikum sie auf Violeta Parra ansprach, deren Laufbahn sie offenbar gut kannte.

Am 27. Juni nahm das Martin-Lota-Ensemble an einer Zusammenkunft in der Gethsemanekirche am Prenzlauer Berg teil. «Die Kirche war voll», erzählt Ítalo Riffo, «und Guy Erwin, der Bischof einer nordamerikanischen Evangelisch-Lutherischen Gemeinde, hielt über die Einbeziehung von Homosexuellen in die Christengemeinschaft ein Referat». Die Chilenen stellten Musik von der Osterinsel vor, das beliebte «María de mi pueblo», den Dauerbrenner «Gracias a la vida», Ilse Simpfendörfer trug einige Mapuche-Lieder vor und Patricia Rodríguez spielte die Tonada rítmica von Vicente Bianchi.

Die Musiker der Erlösergemeinde waren bei dieser Gelegenheit von der großen Anzahl Zuschauer, die ihr Mobiltelefon zückten, um die Darbietung aufzunehmen, beeindruckt. «Es war viel junges Volk mit dabei, welches begeistert applaudierte. Wir konnten einen runden Erfolg verzeichnen», freut sich der Tenor im Nachhinein.

Am gleichen Abend hatte die Gruppe Gelegenheit, während eines Gottesdienstes in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche aufzutreten. Der Pfarrer bat Patricia Rodríguez, zum Gloria etwas Festliches zu spielen. Die Pianistin entschied sich für Bianchis Tonada rítmica, die sie an einem großen Flügel vortrug. Während des Abendmahls spielte sie das Preludio melancólico und, zusammen mit Ítalo Riffo, «Amanecer», ebenfalls Werke von Bianchi.

Von Berlin reisten die Musiker nach Steinbach, nahe bei Frankfurt, wo sie in einer Kirche, die im 14. Jahrhundert erbaut worden war, ein Konzert gaben. Beim ersten Besuch fiel ihnen die historische Orgel (18. Jahrhundert) auf, weshalb sie den Wunsch äußerten, das wertvolle Instrument in ihre Darbietung mit einzubeziehen. Kurzentschlossen eröffneten sie daher ihr Programm mit dem Vaterunser von Pablo Délano. Im Publikum saßen etliche Chilenen, unter denen sich der Termin herumgesprochen hatte. «Es war sehr beeindruckend, ehemalige Klassenkameraden zu treffen», meint Patricia Rodríguez, «einige hatte ich zum letzten Mal in Schuluniform gesehen». Der chilenische Konsul Christian von Loebenstein war von dem Rezital so angetan, dass er den Musikern spontan anbot, bei ihrer nächsten Tournee einen Konzerttermin im Frankfurter Instituto Hispanoamericano Cervantes zu organisieren.

Die nächste Station war die Heiliggeistkirche in Heidelberg. Die Organisatoren hatten entschieden, dass die Vorstellung maximal 45 Minuten dauern sollte, weshalb das Programm gekürzt werden musste. «Schließlich haben wir eine Stunde musiziert, aber verschiedene Stücke haben wir leider nicht spielen können», erinnert sich Patricia Rodríguez. Auch bei dieser Gelegenheit kamen etliche Chilenen ins Konzert, «und acht Freiwillige, die im Jahr 2014 für die Evangelische Kirche in Chile gearbeitet hatten, waren anwesend, was uns besonders gefreut hat», hebt Ítalo Riffo hervor.

Mit dem Bus fuhr die Delegation anschließend in die Schweiz, um in Lausanne aufzutreten. Zunächst nahmen sie am 1. Juni an einem Seminar teil, an dem das zurzeit brisante Thema der Immigranten behandelt wurde. Hier führten sie osterinsulanische Stücke und Teile aus Bianchis Misa a la chilena auf. Am gleichen Abend spielten und sangen sie in der Eglise Saint Jean a Coeur, wo das gesamte, in Chile vorbereitete Programm über den Altar ging. Sie schlossen mit zwei Cuecas, «Lagos de Chile» und «El guatón Loyola», die spontan von anwesenden Chilenen mitgetanzt wurden.             

Patricia Rodríguez und Ítalo Riffo sind Anfang Juni nach Chile zurückgekehrt. Die Pianistin beurteilt die Tournee «einerseits bewegend und sagenhaft, aber andererseits sehr, sehr stressig. Es hieß reisen, spielen, reisen, spielen. Wir schliefen im Bus, einige Nächte ruhten wir uns zwei Stunden aus. Es war erschöpfend. Wir hatten keine Zeit, die verschiedenen Ortschaften mit ihren Leuten zu genießen. Nächstes Mal sollten wir zwischen den Konzertterminen mehr Zeit einbauen». Ítalo ist der gleichen Meinung: «Opernsänger sichern sich vertraglich Ruhepausen ab. Ich musste mir Arzneien besorgen, um dieses Tempo durchhalten zu können. Aber: die Erfahrung war trotzdem wunderbar!»

Überhaupt ist der Gesamteindruck des Erlebten positiv, insbesondere weil das Echo durchaus gut war: «Der chilenische Botschafter in Berlin äußerte seinen Stolz über unsere Leistung», erinnert sich Ilse Simpfendörfer, die noch in Europa weilt, «und sprach seinen Wunsch aus, dass wir wiederkommen mögen, um Chile auf anderen Veranstaltungen zu vertreten». Eine Meinung, die die beteiligten Künstler nicht ungerührt ließ. Ob in den kommenden Jahren eine zweite Tournee zustande kommen könnte, steht allerdings noch in den Sternen.

   

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