Berliner Bär gerettet

Einst stand er vor der Grundschule der Deutschen Schule Santiago und war dorthin gelangt, als die damalige Stadtverwaltung von Las Condes die Absicht hegte, die vier Verkehrsschleifen an der Kreuzung Avendia Kennedy mit Manquehue nach deutschen Städten zu benennen. Die Ecke vor der Schule sollte den Namen der deutschen Hauptstadt tragen. Und da hinein gehörte selbstverständlich ein Berliner Bär.

Dr. Max Müller, damals Präsident des Deutsch-Chilenischen Bundes (DCB), ergriff die Initiative. Unter seiner Regie gelangte der aus Berlin angereiste Bär aus solider Bronze zu Ehren auf einem mit Marmor verkleideten Podest. Doch bald darauf musste die Straßenkreuzung – einst höhengleich, Ampeln regelten den Verkehr –dem Moloch der Modernität geopfert werden: Der Bär verschwand im Gebüsch und niemand erinnerte sich seiner.

Später geriet der Verkehrsknotenpunkt unter die Verwaltung von Vitacura. An die Benennung nach deutschen Städten und dass dort mitten im Verkehrslärm in dichtem Gewächs einsam ein kleiner Bär trauerte, von Baumaschinen angerempelt wurde, einen Teil seiner Podestes verlor – ja, daran nahm wohl niemand mehr Anstoß. Nur der Umstand, dass dicke Farbschichten ihn bedeckten, muss zur seiner Rettung verholfen haben. Denn unter grauer, grüner und sogar roter Farbe schlummerten 100 Pfund Bronze und die wären bestimmt ein Ansporn für so manchen Buntmetalldieb gewesen.

Kommandant Cristobal Goñi, aus der 15. Deutschen Feuerwehr  hervorgegangen, heute Kommandant der Gesamtfeuerwehr von Santiago und kürzlich bei der Berliner Feuerwehr zu Gast gewesen, erklärte lakonisch: «Dieser Bär darf nicht verkommen!» Schon nagten Bagger des Umbaus der Straßenkreuzung an seinem Fundament. Der Deutsch-Chilenische Bund war einverstanden, bei der Stadtverwaltung von Vitacura zuckte man die Schultern, wusste nichts rechtes mit ihm anzufangen und war wohl froh, das schwere Ungetüm loszuwerden. An Gerät, den Bären zu bewegen, mangelte es bei der Feuerwehr nicht.

Mit Hilfe von Spendengeldern konnte der Bär wieder schön hergerichtet werden. Heute hat er seinen Ehrenplatz vor der Wache der 15. Deutschen Feuerwehrkompanie gefunden. Die Floriansjünger werden auf ihn aufpassen, genau so wie der kleine Bär sein Auge auf die Feuerwache hält.

 

Von Dietrich Angerstein

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