70 Jahre Club Manquehue: «Der Verein war immer unser zweites Zuhause»

Alfredo Behrmann Stolzenbach seit 55 Jahren Mitglied im Club Manquehue

Alfredo Behrmann hat sich bemüht, den deutschen Charakter des Sportvereins Club Manquehue in Santiago de Chile beizubehalten. Foto: Walter Krumbach
Alfredo Behrmann hat sich bemüht, den deutschen Charakter des Sportvereins Club Manquehue in Santiago de Chile beizubehalten. Foto: Walter Krumbach

 

Seit 55 Jahren ist Alfredo Behrmann Mitglied des Club Manquehue. In dieser langen Zeit hat er den Verein kennen und lieben gelernt wie wenige. Zwischen April 1979 und Oktober 1983 war er Präsident des Vorstands und zwischen April 1990 und Juli 1992 hatte er den Vorsitz der Aktiengesellschaft inne. Im Cóndor-Gespräch mit Redakteur Walter Krumbach frischte er Erinnerungen aus dem Vereinsleben auf.  

 

Condor: Was hat dich dazu bewogen, in den Club Manquehue einzutreten?

Alfredo Behrmann: Ich habe im September 1962 geheiratet. Ein Haus hatten wir bereits gekauft, also fehlte uns nur noch, irgendwo Sport treiben zu können. Im Dezember stellte ich im Manquehue einen Mitgliedsantrag. Es klappte und ich schrieb mich dann gleich in die Tennis-Abteilung ein. Bei der ersten Versammlung lud man mich ein, am Schatzamt der Tennisabteilung mitzuarbeiten, weil einige Probleme der Finanzen und der Satzungen gelöst werden mussten. Also habe ich dabei mitgeholfen.

Präsident der Tennis-Abteilung war Jorge Schrader, der es später zum chilenischen Mannschaftskapitän im Davis-Cup brachte. Sven von Appen, und Óscar Breinbauer kamen dazu. Das waren herausragende Wohltäter, mit denen wir im März 1963 ein Fest organisierten, um Mittel einzusammeln, weil wir mehr Spielfelder brauchten. Wir erhielten viel Unterstützung, um dieses Projekt auszuführen. Eine Ziegelsteinfabrik aus La Reina zum Beispiel spendete uns gemahlenen Ziegelstein, sodass wir die ursprünglich vier Tennisplätze nach drei Jahren auf zwölf aufstocken konnten. Die nötigen Finanzen wurden von den damaligen Tennismitgliedern gestiftet, insbesondere von Sven von Appen, Julio Kühlenthal und Óscar Breinbauer L.

Zu der Zeit nahmen die gesamten Familien an den Spielen teil, die Binder, die Schrader, die von Appen, die Urresti, die Köster und andere. Somit konnten wir mit einer sehr kompetitiven Junior-Mannschaft rechnen.

Turnvorstellung im Park vor dem Esszimmer, Club Manquehue 1996
Turnvorstellung im Park vor dem Esszimmer, Club Manquehue 1996

 

Deine erste intensive Tätigkeit im Manquehue galt also der Tennis-Abteilung?

Ja, nachdem ich Kassenwart gewesen war, war ich drei Perioden der Vorsitzende. Das hatte zur Folge, dass einige Vorstandsmitglieder des Vereins mir nahelegten, in das Direktorium einzutreten. In der darauffolgenden Abstimmung wurde ich gewählt und seitdem habe ich nie aufgehört, im Manquehue gewisse Aufgaben auszufüllen. Später wurde ich auch zum Präsidenten der Aktiengesellschaft ernannt und zwar, als die Aktiengesellschaft einer neuen Regulierung unterzogen wurde. In Carlos Hohf hatte ich damals einen hervorragenden Rechtsberater. Außerdem hatten wir damals einige «Schwergewichtler» im Vorstand, wie Sven von Appen, Heini Reiners und Julio Kühlenthal, die Hervorrangendes geleistet haben.  

Auszeichnung für Gert Weil, chilenischer Rekordhalter im Kugelstoßen und Diskuswerfen; erreichte den 6. Platz im Kugelstoßen bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul
Auszeichnung für Gert Weil, chilenischer Rekordhalter im Kugelstoßen und Diskuswerfen; erreichte den 6. Platz im Kugelstoßen bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul

 

Wo hast du als Vereinsvorsitzender den Akzent gesetzt?

Zunächst mussten die verschiedenen Sportabteilungen, die sich entwickelten, organisiert und dabei ein freundschaftliches Zusammenleben unter ihnen gefördert werden. Wir haben die gemeinsamen Sport-Wochenenden gegründet. Damals gab es eine mächtige Schwimmabteilung, eine gute Volleyball-Abteilung, dazu kamen Faustball, Hockey, Turnen und Tennis, die unsere traditionellen Sportarten waren. An diesen Versammlungen nahmen nicht nur wir, sondern auch unsere Familien teil.

Paulina, meine Frau, war auch aktiv beteiligt, seit wir das Damenkomitee ins Leben gerufen haben. Mit ihr waren Christa Binder, Olli Kühlenthal, Anita Westendarp, Anita Redlich und andere Damen mit von der Partie.

Außerdem haben wir das Oktoberfest zum ersten Mal in der Geschichte des Manquehue gefeiert. Ich hatte die Idee am Ende meines Arbeitsstipendiums bei der AEG in München aufgegriffen, und als ich Ilse und Roberto Stange anstellen durfte, ihn als Geschäftsführer und sie für das Gesellschaftliche im Clubhaus, konnten wir es organisieren. Bei der Gelegenheit traten Peter Rock und seine beiden Geschwister auf. Ebenfalls spielten die Kapellen der Luftwaffe, sowie des Heeres und der Polizei. Die Hauptfestlichkeit fand auf dem alten Hockeyfeld Nummer 2 statt. Die Dekoration war wunderschön, sie war von Mitgliedern der verschiedenen Sportabteilungen verfertigt worden. Es kam kein Publikum von außerhalb, sondern lediglich die Manquehue-Familie war daran beteiligt. Bei der Gelegenheit wurde der Ausdruck «familia manquehuina» geprägt, was bedeutet, dass alle sich wie zu Hause fühlen und dass es keinen Zwiespalt zwischen den verschiedenen Gruppen geben sollte, sondern Verständnis und Kameradschaft.

Dieses konnte nur zustande kommen, weil das Ehepaar Stange-Werner absolut zuverlässig und der Vorstand erstklassig waren.   
   

Hans Walter Stein, Werner Lothholz, Peter Janssen, Peter Wessel
Hans Walter Stein, Werner Lothholz, Peter Janssen, Peter Wessel

 

Deine Aufgaben als Vorsitzender müssen recht zeitraubend gewesen sein?

In der Finanzkrisenzeit ab 1981 tagten wir oft bis 3 Uhr morgens, um zu besprechen, wie wir den Mitgliedern helfen konnten, die ihre Beiträge nicht zahlen konnten. Wir berieten hin und her, bis eines Nachts Edgar Köster sich an den Kopf griff und sagte: «Kinder, seid vernünftig, wir machen uns hier kaputt!» Sehr hilfreich waren drei junge Direktoren, die uns berieten, bis wir schließlich aus der Krise herauskamen. Mit dieser Erfahrung appelliere ich heute an die Jugend, die in den Manquehue eintritt: Der Verein hat nur dank der typisch deutschen Eigenschaft der Sparsamkeit überleben können. Wir mussten zum Beispiel etliche Kämpfe mit dem Strom- und Wasserkonsum ausfechten, konnten aber letztendlich dabei siegen.

  

Kann man typische deutsche Eigenschaften über so eine lange Zeit aufrechterhalten?

Ich bin mit der Absicht eingetreten, das Deutschtum um jeden Preis zu erhalten und dass unsere Sitten und Gebräuche weiter gepflegt werden. Das ist auch heute noch mein Anliegen. Ich bin übrigens sehr darüber erfreut, dass das Direktorium unter Claudia Fehlandt eine Kampagne gestartet hat, um diese Werte aufrechtzuerhalten und weiter zu respektieren.   

Carlos Binder und Sven von Appen im Jahr 1980, Club Manquehue
Carlos Binder und Sven von Appen im Jahr 1980, Club Manquehue

 

Während deiner Amtszeiten lag die Betonung nicht nur auf dem sportlichen, sondern auch auf dem gesellschaftlichen Bereich. In wieweit war das Absicht?

Als Paulina, die damals Mutter von kleinen Kindern war, auf die Idee kam, das Damenkomitee zu gründen, war ihr Hintergedanke, das Gesellschaftsleben im Verein zu vervollkommnen.

Wir haben Gott sei Dank das Glück gehabt, dass Rudi Renz praktisch sofort nach seiner Rückkehr nach Chile diese notwendige Aufgabe sehr gern übernommen hat.

 

Deine Frau, du und deine Kinder haben dem Club Manquehue viel Zeit und Opferbereitschaft gespendet. Nun umgekehrt: Was hat der Manquehue deiner Familie gegeben?

Unsere Kinder sind im Manquehue aufgewachsen! Ihre Freunde haben sie alle in der Deutschen Schule und im Manquehue kennengelernt. Der Verein war immer unser zweites Zuhause. Die Zeit, die ich meiner Familie als Führungskraft weggenommen habe, war lediglich ein Dankeschön an den Manquehue. Der Verein ist mit mir nicht verschuldet. Eher habe ich mit dem Manquehue über die Menge Leute, die mir bisher ihr Wohlwollen ausgedrückt haben, eine Schuld. Nur einen Wunsch habe ich, nämlich nicht mehr die Anlaufstelle für Beschwerden von denjenigen zu sein, die sich nicht trauen, bei einer Versammlung den Mund aufzumachen und dann zu mir kommen, damit ich ihre Klagen vortrage.

Einweihung des Carl-Strutz-Denkmals 1982 im Club Manquehue
Einweihung des Carl-Strutz-Denkmals 1982 im Club Manquehue

 

Die Infrastruktur des Club Manquehue hat sich in diesen 70 Jahren enorm entwickelt. Die Anlagen sind erweitert und modernisiert worden. Heute steht den Mitgliedern sogar ein Hallenschwimmbad zur Verfügung, demnächst wird eine unterirdische Parkplatzanlage gebaut werden. Was meint ein langjähriges Mitglied wie du zu dieser Entfaltung? 

Ich kann dem Verein nur dankbar sein. Dem muss man hinzufügen, dass in diesem Jahr der Kreis ehemaliger Präsidenten gegründet worden ist. In diese Vereinigung ist jetzt Claudia Fehlandt aufgenommen worden, die während ihrer Amtszeit eine außerordentliche Leistung an den Tag gelegt hat, weshalb die Manquehuinos die Gelegenheit wahrnehmen sollten, ihr im Rahmen der Festlichkeiten eine Ehrenbezeigung zukommen zu lassen.

 

Vielen Dank für dieses Gespräch und alles Gute zu den Jubiläumsfestlichkeiten!

Alfredo Behrmann Stolzenbach, 55 años socio del Manquehue:

«El Club Manquehue siempre fue nuestra segunda casa»

 

Ingresó al club en 1962. Fue su presidente entre abril de 1979 y octubre de 1983. Entre abril de 1990 y julio de 1992 presidió la sociedad anónima. A continuación, párrafos marcados de la entrevista con el destacado manquehuino.

Por Walter Krumbach

¿Dónde pusiste el acento en tu calidad de presidente?
Primero hubo que organizar las ramas deportivas que se estaban desarrollando, impulsando una buena convivencia entre ellas. Así creamos los fines de semana deportivos. Teníamos una poderosa rama de natación, una buena rama de vóleibol, además faustball, hockey, atletismo y tenis, que eran nuestros deportes tradicionales. En estas reuniones participábamos no solo nosotros, sino también nuestras familias. Además celebramos el Oktoberfest por primera vez en la hstoria del Manquehue. En la oportunidad, actuaron Peter Rock y sus hermanas, como también las bandas de la Fuerza Aérea, del Ejército y el Orfeón de Carabineros. No asistió público de afuera, sino sólo los socios. En la oportunidad, se acuñó la expresiín «familia manquehuina», lo que significa, que todos deben sentirse como en casa y que no debe haber desunión entre los diversos grupos, sino comprensión y camaradería.

Günter Säuberlich 1996, durante la inauguración del Oktoberfest en el Club Manquehue
Günter Säuberlich 1996, durante la inauguración del Oktoberfest en el Club Manquehue

Tus tareas como presidente deben haberte significado una gran inversión de tiempo.
Durante la crisis financiera a partir de 1981 nos reuníamos hasta las 3 de la mañana, para ver cómo podíamos ayudarles a los socios que no estaban en condiciones de pagar sus cuotas. Nos ayudaron mucho tres jóvenes directores, que nos asesoraron, hasta que logramos salir de la crisis. Con esta experiencia apelo a la juventud, que hoy ingresa al Manquehue: El club ha podido sobrevivir únicamente gracias a la cualidad alemana del ahorro. Tuvimos que hacer frente a varios conflictos por el consumo de agua y electricidad, pero finalmente pudimos triunfar.

¿Es posible conservar por tanto tiempo cualidades típicas alemanas?
Yo ingresé con la intención de conservar las costumbres alemanas a cualquier precio. Ese sigue siendo mi deseo hasta el día de hoy. En este sentido me causó una gran alegría que el directorio encabezado por Claudia Fehlandt inició una campaña para mantener y seguir respetando estos valores.

Tu familia ha estado ligada al Manquehue desde mucho tiempo. ¿Qué le ha dado el club a tu familia?
¡Nuestros hijos crecieron en el Manquehue! Conocieron a todos sus amigos en el Manquehue y en el Colegio Alemán. El club siempre fue nuestra segunda casa. El tiempo que le quité a mi familia como directivo fue solo un agradecimiento al Manquehue. El club no está en deuda conmigo. Mas bien yo estoy endeudado con el Manquehue por la gran cantidad de personas, que me han expresado su buena voluntad. Sólo tengo una inquietud: no ser más el paño de lágrimas de los que no se atreven a abrir la boca en las asambleas y se acercan a mí, para que exponga sus quejas.

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