Dieser verflixte Name

Kaffee-Becher bei Starbucks für den Kunden "Arnet", was "Arne" ganz nett findet.
Kaffee-Becher bei Starbucks für den Kunden „Arnet“, was „Arne“ ganz nett findet.

Liebe Cóndor-Leser,

vergangene Woche erhielt unser Sohn Aike (5) in seiner Karate-Gruppe den roten Gürtel verliehen. Der Kleine war natürlich stolz auf seine Auszeichnung. Doch dann der Schreck beim Vater: Auf dem Gürtel fehlte beim eingenähten Nachnamen ein n in «Dettmann». Der Fehler wiederholte sich auf der Urkunde: «Dettman».

Ich blieb gelassen. Es war ja nicht das erste Mal, dass der deutsche Name Schwierigkeiten bereitete. Ein ehemaliger Nachbar nannte mich monatelang «Arnett», bis meine chilenische Ehefrau ihn aufklärte, dass ich durchaus nicht immer «nett» sei.

Ein Kellner begrüßte mich vor einigen Jahren immer mit «Earp», obwohl ich ihm mehrmals meinen dänischen Vornamen mitgeteilt hatte. Doch da war nichts zu machen. Vielleicht dachte er immer an den US-Revolverhelden Wyatt Earp, der ja auch ein «Gringo» gewesen war, was hierzulande mit Ausländer gleichgesetzt wird.

Weitere Varianten sind bisher «Arnes» und «Arnel» gewesen, was wohl damit zu erklären ist, dass sich das chilenische Sprachempfinden einfach dagegen sträubt, dass beim e von Arne Schluss sein soll. Also wird noch ein Konsonant hinten drangehängt. Auch habe ich es beim Buchstabieren tatsächlich mehrmals erlebt, dass mein Gegenüber «Arní» schrieb, obwohl ich klar sagte: «A como antártica, r como red, n como norte, e como España.»

Die Macht des Sprachgefühls macht natürlich auch vor den Deutschen nicht halt. So kamen jahrelang Pakete meiner Eltern aus Hamburg hier in Chile mit dem Empfängernamen meiner Frau «Valentina Rojas Rodrígues» an, auch wenn ich mehrmals erklärt hatte, dass Rodríguez am Ende mit z geschrieben wird. Aber was will man machens?

Arne ist kein geläufiger Vorname, schon gar nicht in Süddeutschland, woher mich E-Mails oft mit der Anrede «Sehr geehrte Frau Arne Dettmann» erreichen. In Chile habe ich versucht, gegen die Sprachverwirrung mit ausgefeilten Strategien gegenanzukämpfen. So sage ich noch immer auf Nachfrage: «Arne – wie arnés ohne s am Ende oder carne ohne c am Anfang.» — Die meisten denken, ich will besonders lustig sein, lächeln freundlich zurück und schreiben den Namen dann trotzdem falsch.

Bei der Kaffee-Kette Starbucks, wo die Bedienung ebenfalls nach dem Namen fragt, um ihn auf den Becher zu schreiben, habe ich aus lauter Frust schon falsche Namen angegeben, in der Hoffnung, es den Leuten einfacher zu machen. «Enrique» — doch wie ein Enrique Iglesias mit meinen deutschen Gesichtszügen und den blonden Haaren sehe ich eben nicht aus, so dass ich misstrauische Blicke ernte. Also lieber «Arnold», denn dieser Name ist immerhin mit der Namensgruppe «Arn» verwandt. «Wie Arnold Schwarzenegger» sage ich zur Bekräftigung, denn den kennt ja schließlich jeder. Doch auch hier wieder unsichere Blicke. Soll das ein blöder Scherz sein?

Dabei hatten meine Eltern mir doch einen Namen geben wollen, der möglichst einfach ist und auf den sich keine albernen Sachen reimen lassen. Tja, und dann kam ich in die 1. Klasse. Und wissen Sie, was ich mir auf dem Schulhof anhören musste? «Arne – Banane, Speckbrot mit Sahne!»

Herzlichst Ihr

Arne Dettmann

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2 Comments

  1. Lieber Arne,
    schade das die Eltern Ihnen, wie es in Chile üblich ist, keinen zweiten Vornamen gaben.
    Arne – Jorge wäre sicher eine nervenschonende Alternative gewesen.
    Mit meinem Namen „Mike“ habe ich hier auch schon manche Variante erleben müssen

  2. Volkhart Holscher

    Hallo Arne,
    schlimm wird es erst wenn jemand bei der elektronischen Erfassung der Namen im Registro Civil einen Fehler macht. Einer meiner Namen ist Kunibert. Daraus wurde, trotz sehr deutlich geschriebenen Kunibert ein „Kumbert“. Aus dem N und I wurde ein M gemacht. Dem chilenischen Konsulat in Deutschland tut es furchtbar leid. Ich solle mich über eine zusätzliche Identität freuen. Ärger gibt es jetzt bei einer Erbschaft für Kunibert in der unter der RUN … nur ein Kumbert registriert ist. Es soll rund 2 Jahre dauern bis der Fehler beseitigt ist.
    Das ist nicht zum Lachen.

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