«Gladiator» von Ridley Scott

Von Walter Krumbach

Anfang der 1960er Jahre produzierte Hollywood die letzten historischen Monumentalfilme. Großer Beliebtheit erfreuten sich damals biblische Geschichten, auch Sandalenfilme genannt, mittelalterliche Epen sowie Abenteuerstreifen, deren Handlung sich in Altägypten oder im Römischen Reich abspielte.

Nachdem die Produktion von «Cleopatra» die 20th Century Fox 1963 fast ruiniert hätte, ließen die Filmemacher die Finger von diesen riskanten Stoffen. Das Genre verschwand in der Tat fast vollkommen von den Leinwänden, bis der erfolgreiche Abenteuerfilmregisseur Ridley Scott («Alien», «Blade Runner», «1492 – Die Eroberung des Paradieses») um die Jahrtausendwende die Fabel des römischen Generals, der zum Sklaven degradiert wird, in Augenschein nahm und sich bereit erklärte, sie zu verfilmen.

Die frei erfundene Handlung wurde in einen historischen Kontext eingebettet. So spielen «echte» Figuren wie Kaiser Mark Aurel und dessen Kinder Lucilla und Commodus tragende Rollen.

Ridley Scott erweist sich als ein großartiger Schlachtenbilderinszenator. Genüsslich schildert er zu Beginn in allen Einzeleiten das letzte, entscheidende Gefecht gegen die Germanen. Die Großaufnahmen sind von ungeheurer Brutalität. Schwerter stechen, Äxte hacken, Glieder reißen auseinander, Blut spritzt hektoliterweise.

Wer glaubt, in einen Gore-Film geraten zu sein, wird jedoch bald eines besseren belehrt. Scott psychologisiert die Handlung, indem er einfühlsam von den Nöten des gedemütigten Offiziers erzählt, der verzweifelt versucht, seine ruinierte Existenz in den Griff zu bekommen. Dabei verliert der Regisseur natürlich nicht die Orientierung. Die bewegte Handlung ist stets tonangebend, ein Streit folgt dem anderen, die Kampf-Choreographien sind phantasievoll ausgearbeitet und spektakulär realisiert.

Die Blu-ray-Kassette bringt zwei Platten. Nummer 1 enthält zwei Fassungen des Films: eine verlängerte Ausführung von 171 Minuten und die 155-minütige Kinoversion, aus der die blutigsten Szenen herausgeschnitten wurden. Platte Nummer 2 bietet eine Unmenge an Extras an, von Gesprächen mit Regisseur, Produzenten, Komponisten und Hauptdarstellern, bis zu Schnappschüssen an den Drehorten. Lobenswert ist die Einbeziehung von Gesprächen mit Geschichtswissenschaftlern, die eingehend vom Leben und Leiden der Gladiatoren im alten Rom berichten.

Die Bildqualität ist, an heutigen Maßstäben gemessen, guter Standard. Allerdings fallen dabei einige computergenerierte Einstellungen auf, wie etwa die unecht wirkende Außenfassade des Kolosseums. Der gute Breitwand-Ton ist etwas vordergründig. Die hinteren Lautsprecher kommen so gut wie gar nicht zum Einsatz. Schade, denn man hätte sich bei diesem effektvollen Werk mehr Raumklang gewünscht.

«Gladiator», England, USA, 2000. Regie: Ridley Scott. Produktion: David Franzoni, Branko Lustig. Drehbuch: David Franzoni, John Logan. Musik: Lisa Gerrard, Hans Zimmer. Kamera: John Mathieson. Schnitt: Pietro Scalia. Mit: Russell Crowe, Joaquin Phoenix, Connie Nielsen, Oliver Reed, Richard Harris, Derek Jacobi. Spieldauer: 171 Min.

Bild                 ***
Ton                 ***
Darbietung   *****
Extras            *****

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