«Interstellar» von Christopher Nolan

Von Walter Krumbach

Der Film Interstellar von Christopher Nolan ist eine packende Weltraumgeschichte.
Der Film Interstellar von Christopher Nolan ist eine packende Weltraumgeschichte.

In der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts ist der Pflanzenanbau auf der Erde aufgrund der fortgeschrittenen Umweltschäden derartig schwierig, dass die Nasa erwägt, die Menschheit in ein Wurmloch, das in der Nähe des Planeten Saturn entdeckt wurde, umzusiedeln. Dort befindet sich ein Planetensystem, das offenbar ähnliche Lebensbedingungen wie diejenigen der Erde aufweist.

Der Film beschäftigt sich mit der Erschließung dieser unbekannten Zone. Das Besondere dabei ist, dass die Handlung sich nicht mit den gewohnten Charakteristika eines Science-Fiction-Abenteuers zufrieden gibt, sondern in vielschichtige metaphysische und philosophische Bereiche vordringt. Der Astronaut Cooper tritt die lange Reise an, wissend, dass auf dem Zielplaneten die Zeit viel langsamer verstreicht als auf der Erde, weshalb er seine 10-jährige Tochter Murph nach der Rückkehr wahrscheinlich als 90-jährige Greisin antreffen wird – vorausgesetzt, sie ist noch am Leben.

Die Inszenierung ist das große Plus der Produktion. Phantasievolle Gebilde im All und die Landschaften des fernen Planeten (auf Island gefilmt) versetzen in Erstaunen. Die ausgetrocknete Erde bildet dazu mit ihrem ständigen Staubregen und den verängstigten Menschen einen hoffnungslosen Kontrast.

Die Kassette bringt außer dem Film eine zweite Platte mit über drei Stunden Extras. Sie enthält insgesamt 15 Dokumentationen, die allesamt lehrreich und zum Teil auch kurzweilig sind. «The Science of Interstellar» etwa erklärt die Umsetzung des Gedankenguts des Forschers Kip Thorn in die Handlung. Thorn und Regisseur Nolan nehmen dazu Stellung, wie der heutige Stand der Wissenschaft beim Verfassen des Drehbuchs entscheidend war.

Sie betonen, dass sie auf Fakten größten Wert legten. Die Phantasie, die bisher in Science-Fiction-Produktionen ausschlaggebend war, habe in diesem Fall lediglich eine zweitrangige Rolle gespielt. Thorn legt das Verhältnis Zeit-Raum dar, welches von Einstein seinerzeit aufgestellt wurde. Andere Forscher erläutern das Verhalten der Schwarzen Löcher, was schließlich zur Gretchenfrage führt: Können wir durch die Zeit reisen?

Fünf Berichte beschäftigen sich mit den Dreharbeiten, von den Anbauproblemen auf Coopers ausgetrockneter Farm, über die Arbeit mit dem Staub, der Fortbewegung und dem Verhalten der Roboter bis zu einem Bericht über die Musikbegleitung: «The Cosmic Sounds of Interstellar». Komponist Hans Zimmer plaudert über seine Zusammenarbeit mit einem Organisten. In einer englischen Kirche aus dem 17. Jahrhundert probieren beide auf einem prächtigen Instrument Klangatmosphären aus, die laut Zimmer ein Synthesizer nicht imstande ist zu erzeugen.

Überhaupt verzichtet Zimmer vollends auf Elektronik, was übrigens absolut mit Nolans Konzept harmoniert, «echt» zu wirken. Kürzlich lief in den Kinos Nolans letzter Film «Dünkirchen» an, den der Regisseur bezeichnenderweise nicht digital, sondern größtenteils auf 65mm-Negativfilm drehen ließ und bei dessen Produktion er weitgehend auf digitale Spezialeffekte verzichtete. Es ist erstaunlich und lobenswert, dass ein Filmemacher im mittleren Alter (Nolan ist jetzt 47) sein Publikum gezielt von dem heute üblichen Computerschrott bewahrt.

Die vielen beigefügten Extras – eine Köstlichkeit für den Käufer der Blu-Ray-Disc – scheinen zu bekunden, dass die Produzenten «Interstellar» zum Meisterwerk hochstilisieren wollen. Das ist ihr gutes Recht, denn klassikerverdächtig ist er allemal.                   

«Interstellar», USA, England, 2014. Regie: Christopher Nolan. Produktion: Christopher Nolan, Emma Thomas. Drehbuch: Jonathan Nolan, Christopher Nolan. Musik: Hans Zimmer. Kamera: Hoyte van Hoytema. Schnitt: Lee Smith. Mit Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Mackenzie Foy, Jessica Chastain. Spieldauer: 169 Min.

Bild                 ****                                                                           
Ton                 ****
Darbietung   ****
Extras            *****

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