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Deutschland und Chile für den Schutz der Hohen See

Die unbekannte Welt unter dem Pazifik

En las profundidades del océano Pacífico se esconde un mundo que muy pocos han podido contemplar: enormes cordilleras submarinas y una extraordinaria diversidad de especies marinas. Gran parte de estas áreas se encuentra fuera de las aguas jurisdiccionales de los países y, por ello, durante mucho tiempo permaneció insuficientemente protegida. Ahora esto podría cambiar. Alemania y Chile, junto con otros países, trabajan para convertir en acciones concretas el nuevo marco internacional para la protección de la alta mar.

foto: freepik.com

Wer auf den Pazifik blickt, sieht zunächst vor allem eines: eine scheinbar endlose blaue Fläche. Doch darunter verbirgt sich eine Landschaft, die in ihrer Dimension an die Gebirgszüge an Land erinnert. Vulkane und Bergrücken ragen aus der Tiefsee empor, bilden Schluchten und Hänge und schaffen Lebensräume für eine Vielzahl von Arten. Eine der bemerkenswertesten Regionen befindet sich im südöstlichen Pazifik: die Unterwassergebirge Salas-y-Gómez- und Nazca. Die beiden miteinander verbundenen Gebirgsketten erstrecken sich über mehr als 2.900 Kilometer und umfassen rund 41 Prozent der Seeberge dieser Region. Wissenschaftler haben hier eine außergewöhnlich hohe Zahl endemischer Arten festgestellt – also von Organismen, die nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen. Gleichzeitig dienen die Gebirgszüge wandernden Arten als wichtige Lebensräume und Verbindungswege. Das Besondere und zugleich Schwierige: Ein großer Teil dieser faszinierenden Unterwasserlandschaft liegt außerhalb der nationalen Hoheitsgebiete. Genau hier liegt die Bedeutung des neuen internationalen BBNJ-Abkommens.

Ein neues Kapitel für die Hohe See

BBNJ steht für «Biodiversity Beyond National Jurisdiction» – biologische Vielfalt jenseits nationaler Hoheitsgewalt. Das entsprechende Abkommen wurde 2023 unter dem Dach der Vereinten Nationen verabschiedet und trat am 17. Januar 2026 in Kraft. Es schafft erstmals einen umfassenden internationalen Rahmen, um die biologische Vielfalt in internationalen Gewässern besser zu schützen und nachhaltig zu nutzen.

Jetzt geht es darum, aus den politischen Vereinbarungen konkrete Maßnahmen zu entwickeln. Genau hier setzt «Living High Seas – Partnerships for Ocean Biodiversity» an. Das internationale Projekt bringt sechs Partnerländer zusammen: Brasilien, Chile, Ecuador, Indonesien, Mikronesien und Senegal. Gemeinsam sollen wissenschaftlich fundierte Vorschläge für Schutzmaßnahmen in besonders wertvollen Meeresgebieten entwickelt werden. 

Am 22. Juli wurde das Projekt «Living High Seas – Partnerships for Ocean Biodiversity» für den südöstlichen Pazifik in der Residenz der deutschen Botschafterin Susanne Fries-Gaier in  Santiago vorgestellt.
foto: GIZ

Deutschland investiert in internationalen Meeresschutz

Das Projekt wird vom deutschen Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit über die Internationale Klimaschutzinitiative finanziert. Insgesamt stehen dafür 20 Millionen Euro zur Verfügung. Umgesetzt wird «Living High Seas» von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der International Union for Conservation of Nature (IUCN) und der Global Ocean Biodiversity Initiative (GOBI). Unterstützt werden sie von wissenschaftlichen Einrichtungen, Nichtregierungsorganisationen und regionalen Initiativen. Das Projekt soll vor allem Wissen und Erfahrung zusammenbringen: Wissenschaftler liefern die Grundlagen, Regierungen entwickeln politische Lösungen und Organisationen aus der Zivilgesellschaft bringen ihre Erfahrungen aus dem Meeresschutz ein. Die Idee dahinter ist einfach – ihre Umsetzung allerdings anspruchsvoll: Meeresschutz soll nicht mehr an nationalen Grenzen enden.

Chile spielt eine Schlüsselrolle

Eine Besonderheit des BBNJ-Abkommens besteht darin, dass künftig auch Meeresschutzgebiete in internationalen Gewässern eingerichtet werden können. Für Chile ist dieses Thema von besonderer Bedeutung, denn das Land gehört zu den Vorreitern beim Schutz der Meere und engagiert sich seit Jahren für die internationale Anerkennung der ökologischen Bedeutung der Salas-y-Gómez- und Nazca-Rücken. 

Auch deshalb war Santiago Schauplatz eines wichtigen Treffens: Am 22. Juli wurde «Living High Seas – Partnerships for Ocean Biodiversity» für den südöstlichen Pazifik in der Residenz der deutschen Botschafterin Susanne Fries-Gaier in Chile vorgestellt.

Das Ergebnis: Chile und Deutschland teilen ein Interesse daran, die neuen Möglichkeiten des BBNJ-Abkommens möglichst schnell in konkrete Schutzmaßnahmen umzusetzen. Das eine Land liegt am Pazifik und verfügt über eine der längsten Küsten der Welt, das andere bringt langjährige Erfahrung in internationaler Umweltzusammenarbeit und Finanzierung von Klimaschutz- und Biodiversitätsprojekten ein. Auch Valparaíso könnte künftig eine wichtige Rolle spielen: Chile bewirbt sich mit der Hafenstadt um den Sitz des Sekretariats des BBNJ-Abkommens.

Die Hohe See gehört niemandem – und deshalb allen

«Living High Seas» soll dazu beitragen, dass aus dem neuen internationalen Abkommen eine konkrete Zusammenarbeit zwischen Staaten, Wissenschaft, internationalen Organisationen und der Zivilgesellschaft entsteht. Die sechs Partnerländer sollen dabei nicht nur voneinander lernen, sondern auch Modelle entwickeln, die später in anderen Regionen der Welt eingesetzt werden können. Die eigentliche Herausforderung beginnt jetzt: Aus einem Vertrag auf Papier müssen Schutzmaßnahmen im Meer werden. Denn was tief unter der Oberfläche des Pazifiks verborgen liegt, ist nicht nur ein Schatz Chiles oder einzelner Länder. Es ist Teil eines gemeinsamen globalen Naturerbes. Und dessen Schutz kennt keine Grenzen.

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