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Wenn der Klimawandel die Extreme verstärkt

Chile zwischen Dürre und Überschwemmungen

Quien habla de agua en Chile suele pensar, ante todo, en la escasez hídrica. Desde hace años, los cauces secos de los ríos, los embalses semivacíos y la escasa nieve en la cordillera de los Andes dominan los titulares. Por eso, la sorpresa fue aún mayor cuando, en julio, una sucesión de intensos sistemas frontales provocó inundaciones en distintas zonas del país en apenas unos días. Precisamente en la Región de Coquimbo, en el borde del desierto de Atacama, calles enteras se transformaron en verdaderos ríos. Lo que a primera vista podría parecer un simple capricho de la naturaleza es, en realidad, la manifestación de un cambio mucho más profundo: el cambio climático no solo trae menos lluvia a Chile, sino que también hace cada vez más frecuentes los fenómenos meteorológicos extremos.

Nach vergleichsweise trockenen Herbst- und Winterwochen blickten Landwirte Mitte Juli wieder einmal sorgenvoll zum Himmel. In der Zentralzone wartete man auf den dringend benötigten Regen – aber auch in den Skigebieten Valle Nevado, La Parva, El Colorado oder Portillo, die zunehmend verspätete Saisonstarts und kürzere Wintersportzeiten verzeichnen. Wo früher ausreichend Naturschnee lag, müssen heute Schneekanonen aushelfen. Doch künstliche Beschneiung benötigt nicht nur viel Energie, sondern auch erhebliche Mengen Wasser – ausgerechnet in einer Region, in der Wasser ohnehin knapp ist. Übrigens gibt es in Chile 370 Skipisten mit einer befahrbaren Fläche von mehr als 6.000 Hektar.

Überschwemmung in Penco, Juli 2026
Foto prensa.presidencia.cl / Victor Burgos

Dann änderte sich die Lage schlagartig. Innerhalb weniger Tage überquerten mehrere kräftige Regen- und Sturmfronten das Land. Flüsse traten über die Ufer, Straßen wurden unpassierbar, Häuser überflutet und tausende Menschen waren von den Folgen betroffen. Besonders überraschend war die Situation in der Region Coquimbo, die als Übergang zwischen der Atacama-Wüste und dem mediterranen Zentralchile normalerweise eher für Trockenheit als für Starkregen bekannt ist.

Auf den ersten Blick scheint dies ein Widerspruch zu sein. Wie kann ein Land gleichzeitig unter Wassermangel leiden und von Überschwemmungen heimgesucht werden? Die Antwort der Klimaforschung ist eindeutig: Gerade diese Gegensätze sind ein typisches Merkmal des Klimawandels. Es geht längst nicht mehr nur um steigende Durchschnittstemperaturen oder sinkende Niederschlagsmengen. Vielmehr verändert sich das gesamte Wettersystem. Extreme werden häufiger, heftiger und unberechenbarer.

Mehr Energie in der Atmosphäre

Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasserdampf aufnehmen. Pro Grad Celsius Temperaturanstieg steigt ihre Speicherkapazität um rund sieben Prozent. Dieser zusätzliche Wasserdampf wirkt wie ein riesiges Reservoir. Bleiben die Wetterlagen über längere Zeit stabil, sammeln sich große Feuchtigkeitsmengen an. Treffen dann bestimmte Bedingungen aufeinander, entladen sie sich innerhalb kurzer Zeit in Form intensiver Niederschläge. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass insgesamt mehr Regen fällt. Vielmehr verschiebt sich seine Verteilung. Anstelle vieler gleichmäßiger Regentage treten längere Trockenphasen auf, unterbrochen von wenigen, dafür umso heftigeren Regenereignissen. Genau dieses Muster beobachten Meteorologen inzwischen in zahlreichen Regionen der Erde – und zunehmend auch in Chile.

Das Ende der Megadürre?

Zwischen 2010 und 2023 erlebte Zentralchile eine der schwersten Trockenperioden seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die sogenannte «Megadürre» führte zu sinkenden Grundwasserspiegeln, leeren Stauseen, Ernteausfällen und erheblichen Belastungen für die Wasserversorgung vieler Städte und Gemeinden.

Die regenreicheren Winter der vergangenen Jahre haben zwar kurzfristig Entlastung gebracht. Einige Stauseen füllten sich wieder, und die Schneedecke in den Anden war zeitweise deutlich stärker als während der Dürrejahre. Doch Klimaforscher warnen davor, daraus voreilige Schlüsse zu ziehen. Viele Grundwasserspeicher benötigen Jahre oder sogar Jahrzehnte, um sich vollständig zu regenerieren. Gleichzeitig schrumpfen die Gletscher der Anden weiter – ein schleichender Prozess, der langfristig die natürliche Wasserversorgung Chiles beeinträchtigt. Die aktuelle Regenperiode bedeutet deshalb keineswegs das Ende der Wasserknappheit. Sie zeigt vielmehr, dass Trockenheit und Starkregen zunehmend nebeneinander auftreten können.

Coquimbo – Regen in der Halbwüste

Besonders aufmerksam verfolgen Meteorologen die Entwicklung in der Region Coquimbo. Das Gebiet gehört zu den trockensten Regionen des Landes. Viele Flüsse führen dort nur saisonal Wasser, und in zahlreichen Gemeinden bestimmen Wasserknappheit und Dürre seit Jahren den Alltag. Umso außergewöhnlicher waren die starken Niederschläge im vergangenen Monat: teilweise fiel hier innerhalb weniger Tage nahezu so viel Regen wie sonst in einem ganzen Jahr. Ein außergewöhnliches Ereignis für eine Region, die seit Jahren unter chronischer Wasserknappheit leidet. Paradoxerweise lösen Starkregen gerade in sehr trockenen Regionen besonders schwere Schäden aus. Der ausgehärtete Boden wirkt beinahe wie Asphalt. Das Wasser fließt rasch talwärts und erreicht innerhalb kurzer Zeit Ortschaften und Verkehrswege. Die Folge waren plötzlich anschwellende Bäche, Schlammlawinen und Überschwemmungen.

Blick auf die Überschwemmungen und die zerstörte Brücke Lo Gallardo, nachdem der Maipo Ende Juni über die Ufer getreten war
foto: dpa

Starkregen auf verbrannten Flächen

Die jüngsten Starkregen haben sich nicht nur auf den Norden beschränkt. Auch in Süd- und Südzentralchile, insbesondere in den Regionen Biobío, La Araucanía, Los Ríos und teilweise Los Lagos, führten intensive Niederschläge zu Flusshochwasser, Erdrutschen und erheblichen Schäden an Straßen und Brücken. An der Küste kamen hohe Wellen und Sturm hinzu. Die schweren Waldbrände des Sommers 2025/26 hatten vor allem die Regionen Biobío und Ñuble getroffen. Dort verbrannten große Waldflächen, zahlreiche Häuser wurden zerstört und zehntausende Menschen mussten evakuiert werden. Bäume, Sträucher und Gräser bremsen normalerweise den Regen und halten den Boden mit ihren Wurzeln fest. Die starken Niederschläge führten jetzt zu besonders vielen Hangrutschungen, Schlammlawinen und starker Bodenerosion.

Ein Land der Gegensätze 

Kaum ein anderes Land verdeutlicht die Vielfalt klimatischer Bedingungen so eindrucksvoll wie Chile. Über mehr als 4.000 Kilometer erstreckt sich das Land von der Atacama-Wüste bis zu den subpolaren Landschaften Patagoniens.

Im Norden gehören jahrelang ausbleibende Niederschläge zum Normalzustand. Die Zentralzone kämpft mit sinkenden Wasserreserven und immer häufigeren Hitzewellen. Im Süden wiederum nehmen Starkregenereignisse und Überschwemmungen zu. Gleichzeitig ziehen sich die Gletscher im Süden und in den Hochanden weiter zurück. Diese Unterschiede erschweren eine einheitliche Klimapolitik. Während im Norden effiziente Wasserbewirtschaftung im Mittelpunkt steht, geht es im Süden zunehmend um Hochwasserschutz und den Ausbau widerstandsfähiger Infrastruktur. Zentralchile muss sich auf beide Herausforderungen gleichzeitig einstellen. Laut einer von der Fundación Chile 2025 durchgeführten Analyse von Daten der staatlichen Behörde für Katastrophenschutz und Risikomanagement Senapred sind 67 Prozent der im Land registrierten Extremereignisse auf wasserbedingte Ereignisse zurückzuführen, darunter Überschwemmungen, Schlammlawinen, Hochwasser und Dürren (Fortsetzung auf Seite 10).

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