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Strategien gegen Wetterextreme

Wassersicherheit stärken, Widerstandsfähigkeit erhöhen

¿Cómo puede Chile prepararse mejor para las consecuencias del cambio climático y los fenómenos meteorológicos extremos cada vez más frecuentes? Ulrike Broschek, de Fundación Chile, y Ricardo Bosshard, de WWF Chile, hablan sobre seguridad hídrica, biodiversidad y las medidas de adaptación necesarias.

Welche Maßnahmen sollten ergriffen werden, um besser mit extremen Wetterereignissen umzugehen?

Zur Person:
Ulrike Broschek ist stellvertretende Leiterin für Nachhaltigkeit (Subgerenta de Sustentabilidad) der Fundación Chile, einer gemeinnützigen Organisation, die gemeinsam mit öffentlichen und privaten Akteuren innovative Lösungen für ein nachhaltiges Chile entwickelt. Die Expertin für Wasserwirtschaft engagiert sich insbesondere für Wassersicherheit und nachhaltiges Wassermanagement, unter anderem im Rahmen der Initiative Escenarios Hídricos 2030 (EH2030).

Zunächst müssen wir verstehen, dass Dürren und Überschwemmungen keine Gegensätze mehr sind. Beide sind Ausdruck derselben Realität: eines zunehmend wechselhaften und extremen Klimas. Bei Überschwemmungen kommt zudem Wasser, das wir auffangen und speichern können müssen. Deshalb reicht es nicht, erst im Notfall zu reagieren. Wir müssen die Widerstandsfähigkeit unserer Wassereinzugsgebiete stärken. 

Kurzfristig geht es vor allem um bessere Prävention und Vorbereitung. Flussläufe und Ökosysteme müssen wieder in die Lage versetzt werden, Wasser aufzunehmen und abzuleiten. Kritische Infrastruktur muss geschützt und Regenwasser besser aufgefangen und im Boden versickert werden. Dabei können sogenannte naturbasierte Lösungen eine wichtige Rolle spielen: die Renaturierung von Flussufern und Feuchtgebieten, die Begrünung von Hängen, Regengärten, durchlässige Böden oder überflutbare Parks. Sie können gleichzeitig das Überschwemmungsrisiko verringern, Wasser speichern und die Neubildung von Grundwasser fördern.

Mittelfristig müssen wir dort investieren, wo mit möglichst geringem Aufwand die größte Wirkung erzielt wird. Untersuchungen von Escenarios Hídricos 2030 zeigen, dass es keine einheitliche Lösung für die Wassersicherheit gibt. Die 101 Wassereinzugsgebiete Chiles benötigen je nach ihren klimatischen, geografischen und wirtschaftlichen Bedingungen unterschiedliche Maßnahmen.

Im Norden sind die Wiederverwendung gereinigter Abwässer und die Entsalzung wichtige ergänzende Wasserquellen. In Zentralchile geht es vor allem um einen effizienteren Umgang mit Wasser und modernere Bewässerungssysteme. Im Süden stehen der Schutz und die Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme im Vordergrund. Im Einzugsgebiet des Maipo könnte beispielsweise die Kombination aus Wassereffizienz und naturbasierten Lösungen mehr als 90 Prozent der erwarteten Wasserlücke schließen – und dies mit lediglich rund 27 Prozent der dafür insgesamt notwendigen Investitionen. 

Langfristig – und damit müssen wir eigentlich schon heute beginnen – liegt die größte Herausforderung nicht bei der Technologie, sondern bei den Institutionen. Chiles größtes Defizit besteht nach wie vor in der Steuerung und Koordinierung der Wasserressourcen. Laut dem jüngsten Bericht liegt Chile bei der Umsetzung des UN-Nachhaltigkeitsziels zur integrierten Bewirtschaftung der Wasserressourcen weltweit am Ende der Rangliste. Wir brauchen deshalb eine moderne Wasserverwaltung mit einer nationalen Behörde oder Agentur, die tatsächlich koordinieren kann. Gleichzeitig müssen die Wassereinzugsgebiete stärker dezentral verwaltet, wissenschaftliche Erkenntnisse und lokales Wissen in Entscheidungen einbezogen und langfristige öffentlich-private Investitionen ermöglicht werden.

Die Erfahrung Chiles und anderer Länder zeigt: Es gibt keine Patentlösung. Wassersicherheit lässt sich nicht durch ein einziges großes Infrastrukturprojekt erreichen. Notwendig ist vielmehr ein Mix verschiedener Maßnahmen, die auf Ebene der Wassereinzugsgebiete umgesetzt werden und gleichzeitig den Menschen, den Ökosystemen und der Wirtschaft zugutekommen. Wenn Staat, Unternehmen, Wissenschaft und lokale Gemeinschaften gemeinsam an Lösungen arbeiten, werden diese effizienter, widerstandsfähiger und nachhaltiger. Genau diesen Paradigmenwechsel braucht Chile, um sich auf eine Zukunft vorzubereiten, in der extreme Wetterereignisse häufiger werden.

Zur Person:
Ricardo Bosshard leitet seit 2008 den WWF Chile (World Wide Fund for Nature), die chilenische Landesorganisation der internationalen Natur- und Umweltschutzorganisation, und hat deren Arbeit insbesondere in den Bereichen Biodiversität, Klimawandel, Schutzgebiete und nachhaltige Finanzierung weiterentwickelt. Zudem engagiert er sich in der Alianza para la Acción Climática Chile (ACA Chile), einem Bündnis aus Unternehmen, Kommunen, Universitäten und NGOs, das gemeinsame Klimaschutzmaßnahmen und Chiles Weg zur Klimaneutralität vorantreiben will.

Der Klimawandel hat sich inzwischen zu einer der größten Bedrohungen für die biologische Vielfalt entwickelt. Er verändert Lebensräume und Niederschlagsmuster und verstärkt Dürren, Waldbrände, Überschwemmungen und Hitzewellen. Gleichzeitig beeinträchtigt er wichtige Prozesse wie die Wanderung und Fortpflanzung von Tier- und Pflanzenarten. Laut dem WWF Living Planet Report 2024 sind die Bestände der beobachteten Wildtierpopulationen zwischen 1970 und 2020 durchschnittlich um 73 Prozent zurückgegangen. Dadurch sinkt die Fähigkeit der Ökosysteme, Störungen zu verkraften, während das Risiko des Aussterbens von Arten steigt.

Der Bericht warnt außerdem vor möglichen ökologischen Kipppunkten, etwa dem Zusammenbruch von Korallenriffen oder der zunehmenden Degradierung des Amazonasgebiets. Solche Entwicklungen könnten irreversible Folgen für die Natur und die Menschen haben.

In Chile setzt der WWF konkrete Maßnahmen gegen die Klima- und Biodiversitätskrise um, insbesondere durch naturbasierte Lösungen. Dazu gehören der Schutz und die Wiederherstellung von Wäldern, Feuchtgebieten, Flüssen und Meeresökosystemen. Sie können Kohlenstoff speichern, den Wasserkreislauf regulieren und die Auswirkungen von Überschwemmungen und Dürren abmildern. Darüber hinaus setzt sich der WWF für ein integriertes Management von Wassereinzugsgebieten ein, um die Wassersicherheit zu stärken und die Widerstandsfähigkeit von Gemeinden und Regionen gegenüber dem Klimawandel zu erhöhen.

Der Living Planet Report weist darauf hin, dass naturbasierte Lösungen jährlich zwischen 10 und 19 Prozent der notwendigen Reduktion von Treibhausgasemissionen beitragen könnten. Gleichzeitig stärken sie die biologische Vielfalt und helfen bei der Anpassung an den Klimawandel. Auch die Wiederherstellung von Feuchtgebieten und Wäldern gilt als eine der wirksamsten Maßnahmen, um die Folgen extremer Wetterereignisse abzumildern.

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