Benjamin Braddock (Dustin Hoffman) ist kaum 20, als er nach erfolgreichem Studienabschluss heimkehrt. Seine Eltern laden eine Gruppe von Freunden ein, um ihren Sohn zu feiern, was dem unbeholfenen jungen Mann gar keine Freude bereitet. Hilflos und ungewandt nimmt er die Gratulationen entgegen. Unter den Gästen befindet sich die attraktive Mrs. Robinson (Anne Bancroft), die Frau des Geschäftspartners von Bens Vater. Unter dem Vorwand, dass sie alleine gekommen ist, bittet sie Ben, sie nach Hause zu fahren. Dort angekommen, versucht sie, ihn zu verführen, wogegen er sich entschieden wehrt. Überraschenderweise kehrt Mr. Robinson (Murray Hamilton) verfrüht heim und vereitelt damit das Vorhaben seiner Frau.

In den darauffolgenden Wochen kommt es jedoch zu einer stürmischen Affäre des ungleichen Paares. Gleichzeitig versuchen Bens Vater und Mr. Robinson, die davon nichts ahnen, ihn zu beeinflussen, mit Elaine (Katharine Ross), der bildhübschen Tochter der Robinsons, auszugehen. Ihre Mutter ist über diese Möglichkeit empört und droht Ben, in diesem Fall Elaine über ihr Verhältnis in Kenntnis zu setzen. Als Ben trotz der Warnung mit der jungen Frau abends ausgeht, kommt er Mrs. Robinson zuvor und klärt Elaine unmissverständlich auf. Diese ist entsetzt und reist nach Berkeley ab, wo sie studiert. Ben erkennt, dass er sich verplappert hat und fährt ihr nach.
Der damals noch unbekannte Dustin Hoffman beeindruckte mit seinem Rollenporträt des unsicheren Studenten als Charakterdarsteller von Format. Filmbosse wie Kritiker wurden auf den eher kleinwüchsigen Mann mit dem unscheinbaren Aussehen aufmerksam und tatsächlich verwandelte er sich binnen kurzer Zeit in einen Star.
Einen tiefen Eindruck hinterließ dazu die intime Beziehung zwischen einer reifen Frau und einem jungen Mann, die in einer für die damalige Zeit ungewohnten Offenheit dargestellt wird, ohne jedoch die geltenden Regeln zu überschreiten. Dies spielt sich vor dem Hintergrund ausgesuchter Hits von Simon & Garfunkel ab, die das Ganze in einen Rahmen von Sanftheit, Klangschönheit und Harmonie einbetten. Natürlich rüttelte die Handlung heftig an den damals gültigen Moralvorstellungen der nordamerikanischen Gesellschaft. Ein Grenzgängerfilm, keine Frage.
Nicht zu übersehen ist auch die unkonventionelle Bildgestaltung. Regisseur Mike Nichols und sein Kameramann Robert Surtees rücken zum Beispiel oft eher unscheinbare Objekte in den Vordergrund, entscheiden sich wiederholt für ungewohnte Kamerafahrten oder greifen bewusst in den Erzählrhythmus mit atypisch langen Aufnahmen ein. Der Zuschauer stellt fest: Hier sind Meister am Werk.
Die Blu-Ray-Kopie überzeugt insgesamt. Das Bild ist in kräftigen Farben gehalten, wenngleich sich gelegentlich eine störende Unschärfe bemerkbar macht. Der sorgfältig verarbeitete Ton hat einen sehr guten Raumklang und die Darsteller sind klar verständlich.
Als Bonus sind lediglich ein paar Trailer zu finden. Bei einem epochemachenden Streifen wie diesem hätte man sich zumindest einen Bericht über die Dreharbeiten oder die Reaktionen nach der Premiere von Publikum, Kritik und Filmindustrie gewünscht. Eine unverzeihliche Lücke.
«The Graduate», USA, 1967 Regie: Mike Nichols Produktion: Lawrence Turman Drehbuch: Calder Willingham, Buck Henry Kamera: Robert Surtees Ton: Jack Solomon Schnitt: Sam O’Steen Musik: Paul Simon, Dave Grusin Mit Dustin Hoffman, Anne Bancroft, Katharine Ross, Murray Hamilton, William Daniels, Elizabeth Wilson u. a. Spieldauer: 1 Stunde 46 Minuten
Bild ***
Ton ****
Darbietung ****
Extras *



