Im Dienst (nicht nur) der deutsch-chilenischen Gemeinschaft
Creada como factor de unión de la comunidad chileno-alemana durante la I Guerra Mundial, la Liga Chileno-Alemana es hoy en día un referente cultural, no solo presentando regularmente conciertos y exposiciones de arte, sino poniendo a disposición de la sociedad toda el notable Archivo Histórico Emilio Held Winkler y organizando intercambios estudiantiles.

Fotos: Emil-Held-Archiv
Am 21. Mai 1938 hielt der Deutsch-Chilenische Bund seine Jahreshauptversammlung ab. In den Jahren unmittelbar zuvor hatte die Nationalsozialistische Partei den Vorstand unterwandert, was etliche Mitglieder mit Besorgnis erfüllte. Der Architekt Fernando Fonck (1893-1974) hatte sich mit einer Gruppe dieser Andersdenkenden in seinem Haus versammelt, um die Möglichkeit zu besprechen, wie dem entgegengewirkt werden konnte. Fonck und seine Gefolgsleute besuchten die Versammlung. Als er um das Wort bat, um eine Neuwahl des Vorstands zu fordern, spendeten seine Mitstreiter ihm lebhaften Beifall. Da sie strategisch im Saal verteilt waren, erweckte ihr lautstarkes Verhalten den Eindruck, dass es sich um eine große Gruppe handelte. Die Führung war beeindruckt, rief zur Wahl auf und – verlor. Fernando Fonck wurde zum Vorsitzenden ernannt. Der neue Vorstand ergriff sogleich Maßnahmen, um den Einfluss der Nationalsozialistischen Partei einzudämmen. Fonck gab anderthalb Monate später in der Sitzung vom 2. Juli bekannt, dass er mit dem Landesgruppenleiter der NSDAP übereingekommen sei, «dass die Hoheitsträger der Partei keine Mitglieder unseres Bundes werden können».
Das hauseigene Pressemedium «Der Chiledeutsche» wurde durch ein neues, politisch neutrales ersetzt. Um unzweifelhaft zu signalisieren, dass es sich um eine chilenische Publikation handelte, erhielt es den Namen eines unserer Wappentiere, und zwar in spanischer Schreibweise, nämlich «Cóndor». Die junge Zeitung überstand den Zweiten Weltkrieg unbehelligt. Während andere deutschsprachige Medien von den Behörden kontrolliert, zensiert und sogar geschlossen wurden, erreichten sämtliche Ausgaben des Cóndor in jener schweren Zeit uneingeschränkt ihre Leserschaft.
Der Zweite Weltkrieg – eine harte Bewährungsprobe
Unter Foncks weitsichtiger Regie konnte der DCB sich auch nach der «Suspendierung» (Wortwahl des damaligen Botschafters Tobías Barros) der diplomatischen Beziehungen mit Deutschland im Januar 1943 halten.



Der Zweite Weltkrieg stellte eine harte Bewährungsprobe für den DCB dar, die er durch das entschlossene Handeln seiner Leitung bestehen konnte. Misstrauen und Verfolgung von öffentlicher Seite waren nichts Unvorhergesehenes, war doch der Bund während des Ersten Weltkriegs unter ähnlichen Umständen gegründet worden. Damals befürchteten die Deutsch-Chilenen, dass die Entente die Regierung drängen würde, deutsche Firmen zu enteignen und die Deutschen Schulen zu schließen, was erfreulicherweise nicht geschah. Den ersten Schritt zur Gründung einer Dachorganisation, die die deutschen Interessen schützen sollte, unternahm der Arzt Guillermo Münnich mit einem Rundschreiben, das er 1915 an ausgesuchte Mitglieder der Gemeinschaft sandte. Sein Freund Christoph Martin (1874-1958) führte daraufhin Gespräche mit Persönlichkeiten aus Concepción und Valdivia, organisierte landesweit Ortsgruppen, die er zu einer Hauptversammlung einlud, die zur Bildung des Deutsch-Chilenischen Bundes führte.
Akzent auf Kulturarbeit
Am 24. Oktober 1916 fand die erste Tagung in Concepción statt. Martin ließ sich zum ersten Vorsitzenden wählen, die Satzungen wurden sofort verfasst. Paragraf 1 bestimmte den Zweck des DCB: «Erhaltung, Förderung und Verteidigung des Deutschen Volkstums, seiner Kultur und seiner Interessen, unter völliger Achtung der Staatsangehörigkeit jedes seiner Mitglieder und der ihm daraus erwachsenden Pflichten, sowie unter unbedingtem Ausschluss aller politischen und religiösen Bestrebungen.»
Im Laufe seines nunmehr über hundertjährigen Bestehens setzte der Bund einen wesentlichen Akzent auf die Kulturarbeit. Kunstausstellungen, Vorträge und Konzerte finden bis heute regelmäßig in seinem großen Saal statt.
Überhaupt ist die Jugendarbeit eine der Haupttätigkeiten des DCB. Alljährlich organisiert er das Sommerlager, an dem eine große Zahl von Kindern und Jugendlichen teilnehmen. Großer Beliebtheit erfreut sich auch der Schüleraustausch. Er ermöglicht Schülern der Deutschen Schulen, knapp zwei Monate in Deutschland beziehungsweise Österreich zu verbringen, dort eine Schule zu besuchen, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern und ihren kulturellen Horizont wesentlich zu erweitern. Ein besonderes Merkmal des Programms ist sein wechselseitiger Charakter. Nach dem Aufenthalt der Chilenen in Europa reisen deutsche und österreichische Jugendliche nach Chile, um das Land aus ihrer Perspektive kennenzulernen.
Einzigartiges Archiv
Im Jahr 1985 erhielt der Deutsch-Chilenische Bund einen außergewöhnlichen Auftrag, als der Ahnenforscher Emil Held (1898-1996) ihm sein Archiv übergab. Der Landwirt und Politiker hatte in lebenslanger, akribischer Arbeit eine einmalige Sammlung von Dokumenten, Landkarten, Büchern und Periodika zusammengestellt, die sich hauptsächlich auf die deutsche Einwanderung in Chile und deren Auswirkungen bezogen. Um sie in einem sicheren Depot aufbewahren zu können, unterzeichnete Held zusammen mit Vertretern des Manquehue-Sportvereins und dem DCB ein Abkommen, das den Bund beauftragte, den Bestand zu verwalten. Auf dem Gelände des Manquehue an der Straße Vitacura wurde ein Bau errichtet, der unter dem Namen Biblioteca y Archivo Histórico Emilio Held Winkler die Sammlung beherbergt und als Zentralstelle des DCB fungiert. Diese wird derzeit durch Spenden von meist deutschstämmigen Staatsbürgern, Firmen und Institutionen erweitert und regelmäßig von Forschern und Privatpersonen genutzt. Die wertvollen älteren Dokumente werden gegenwärtig restauriert und bestimmte Druckerzeugnisse, besonders Zeitungen, digitalisiert.
Der Deutsch-Chilenische Bund, der vor 110 Jahren als Helfer in der Not zum Dienst an der deutsch-chilenischen Gemeinschaft das Licht der Welt erblickte, kommt heute der gesamten chilenischen Gesellschaft zugute. Seine Kulturarbeit und sein Archiv erreichen heute einen Interessentenkreis, der weit über die ursprüngliche Zielgruppe hinausgeht.
Quellen: Carlos Eggers: «La colectividad chileno-alemana ante el Nazismo y la Segunda Guerra Mundial: un problema de identidad»; Emil-Held-Archiv



