Geschichte bewahren, Gemeinschaft stärken
Desde hace 110 años, la Liga Chileno-Alemana (DCB) trabaja por fortalecer la cohesión de la comunidad chileno-alemana. En esta entrevista, su presidente, Javier Bielefeld, habla sobre la evolución de la institución, la importancia del trabajo con las nuevas generaciones, la cooperación con organizaciones del mundo germanoparlante y los desafíos futuros del DCB.
110 Jahre sind ein ansehnlicher Zeitraum, der nicht jeder Institution vergönnt ist. Welches waren die wichtigsten Meilensteine?
Seit seiner Gründung im Jahr 1916 während des Ersten Weltkriegs hat der DCB seine Ziele weiterentwickelt und an die jeweiligen Zeitumstände angepasst. In jener Zeit bestand seine wichtigste Aufgabe darin, die Interessen der Gemeinschaft gemeinsam zu vertreten, ihren Zusammenhalt zu stärken und ihre Auflösung zu verhindern.

Der DCB unterstützte die Gründung verschiedener Institutionen, die heute für unsere Gemeinschaft von großer Bedeutung sind, darunter die Sociedad Teuto-Chilena de Educación (heute DS Chile), die Fundación de Educación Superior Chileno Alemana (heute Escuela de Pedagogías en Alemán, Epa) und die 15. Deutsche Feuerwehrkompanie «Máximo Humbser».
Nach dem Tod des Herausgebers Claus von Plate übernahm der DCB gemeinsam mit der Sociedad Teuto-Chilena de Educación die Leitung des Cóndor. Die Wochenzeitung ist ein zentrales Medium für den Zusammenhalt unserer Gemeinschaft. Sie informiert über Veranstaltungen und Entwicklungen in den Regionen und trägt so wesentlich dazu bei, die Verbindungen innerhalb unserer Gemeinschaft zu pflegen.
Im Jahr 1985 wurden die Bibliothek und das Historische Archiv Emilio Held Winkler gegründet. Durch Spenden konnten sowohl der Archivsaal als auch das Gebäude errichtet werden, in dem sich heute die Büros des DCB befinden. Dieses Gebäude sowie der Ehrensaal ermöglichen es uns, unsere Aktivitäten in vollem Umfang durchzuführen, darunter Vorträge, Ausstellungen und weitere Veranstaltungen. Das Archiv hat seinen Dokumentenbestand durch zahlreiche Schenkungen erheblich erweitert. Es bewahrt unsere gemeinsame Geschichte, hält sie lebendig und stellt sowohl Mitgliedern der Gemeinschaft – etwa zur Erforschung ihrer familiären Herkunft – als auch wissenschaftlichen Forschenden wertvolle Informationen zur Verfügung.
Welche Bedeutung misst der DCB heute der Zusammenarbeit mit Einrichtungen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich, also der alten Heimat, ein?
Für uns ist die Zusammenarbeit mit Institutionen im deutschsprachigen Raum von großer Bedeutung, sofern sie auf einer echten Partnerschaft beruht und wir gemeinsam an der Verwirklichung unserer Ziele arbeiten können.
Die Besiedlung Chiles durch deutschsprachige Einwanderer begann vor rund 170 Jahren. Zu Beginn gründeten die Siedler zahlreiche Institutionen – viele davon bestehen bis heute – und bewahrten über Generationen hinweg ihre Sprache, ihre Kultur und ihre Werte. Es ist jedoch ein natürlicher Prozess, dass mit der Zeit bestimmte Traditionen und insbesondere die Sprache allmählich verloren gehen.
Heute arbeiten wir regelmäßig mit verschiedenen Institutionen zusammen und unterhalten Kooperationsvereinbarungen, unter anderem mit der Stiftung Verbundenheit sowie dem Saxon Science Liaison Office in Chile. Auch die Kulturabteilung der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland unterstützt uns bei einigen unserer Projekte.
Gleichzeitig ist es uns wichtig, unsere Unabhängigkeit zu bewahren. Sie ermöglicht es uns, unsere Tätigkeit an den Bedürfnissen und Prioritäten unserer Gemeinschaft auszurichten und uns den Veränderungen anzupassen, die sich im Laufe der vergangenen 110 Jahre – und davon gab es viele – ergeben haben.
In den vergangenen Jahren hat sich das Durchschnittsalter der DCB-Mitglieder merklich erhöht. Wie wirkt Ihr dem entgegen?
Für den DCB hat die Förderung junger Menschen einen hohen Stellenwert, denn sie sind die Zukunft unserer Gemeinschaft. Deshalb engagieren wir uns in mehreren Bereichen:
Seit mehr als 90 Jahren organisieren wir das Sommerlager. Es bringt Kinder und Jugendliche aus den Deutschen Schulen Chiles zusammen und bietet ihnen die Möglichkeit, Gemeinschaft zu erleben, Freundschaften zu knüpfen und gemeinsame Aktivitäten im Freien zu unternehmen.
Ergänzt wird dieses Angebot durch den Schüleraustausch, den wir seit über 50 Jahren zwischen Chile sowie Deutschland, Österreich und der Schweiz organisieren. Heute organisieren wir den Austausch eigenständig, wodurch die Sichtbarkeit des DCB bei den Schülerinnen und Schülern deutlich gestiegen ist. Damit verfolgen wir mehrere Ziele: Die Jugendlichen lernen Kultur und Alltag im Gastland kennen, vertiefen ihre Deutschkenntnisse und sammeln wertvolle internationale Erfahrungen. Gleichzeitig unterstützen wir die Deutschen Schulen bei der Durchführung ihrer Austauschprogramme.
Darüber hinaus arbeiten wir seit 2025 mit dem Saxon Science Liaison Office in Chile zusammen, um den Hochschulaustausch zu fördern und chilenischen Studierenden Studienmöglichkeiten in Sachsen aufzuzeigen. Auf diese Weise leisten wir einen Beitrag zur Pflege und Weiterentwicklung unserer kulturellen Verbindungen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Zusammenarbeit mit der Stiftung Verbundenheit. Gemeinsam fördern wir den Austausch, die Vernetzung und das Engagement junger Menschen innerhalb der deutsch-chilenischen Gemeinschaft, insbesondere im Rahmen des «Jungen Netzwerks».
Welchen Projekten beziehungsweise Tätigkeiten messt Ihr heute außerdem große Wichtigkeit bei?
Im Historischen Archiv arbeiten wir derzeit an der systematischen Katalogisierung unserer Bestände und haben mit der Digitalisierung der Dokumente begonnen. Ziel ist es, den Zugang zu den Quellen auch aus der Ferne zu erleichtern und ihre langfristige Erhaltung sicherzustellen. Darüber hinaus haben wir über das Archiv bereits einige Ausbildungsangebote sowohl für Einzelpersonen als auch für Institutionen durchgeführt.
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Kommunikation mit unseren Mitgliedern, Freunden und der gesamten Gemeinschaft. Seit einigen Jahren veranstalten wir regelmäßig einen Zyklus historischer Vorträge in unterschiedlichen Formaten und an verschiedenen Orten – in unserem Veranstaltungssaal, online oder in den Räumlichkeiten deutsch-chilenischer Vereine in den Regionen. Zu diesen Veranstaltungen sind alle Interessierten herzlich eingeladen.
Darüber hinaus pflegen wir einen kontinuierlichen Austausch mit unseren Mitgliederinstitutionen. Dabei suchen wir fortlaufend nach neuen Möglichkeiten der Zusammenarbeit, des gegenseitigen Austauschs und der gemeinsamen Weiterentwicklung.
Welche Zukunftsaussichten hat der DCB? Welches ist Deine Idealvorstellung der Institution in 25 Jahren?
Ich bin überzeugt, dass der DCB seinen Platz als verlässlicher Partner sowohl für Einzelpersonen als auch für Institutionen gefunden hat. Insbesondere das Emil-Held-Archiv gewinnt zunehmend an Bedeutung und wird regelmäßig von Mitgliedern der Gemeinschaft, Forscherinnen und Forschern sowie weiteren Interessierten besucht.
Darüber hinaus organisieren und unterstützen wir kulturelle Veranstaltungen, Vorträge und weitere Aktivitäten – auch in den Regionen –, um den Zusammenhalt unserer Gemeinschaft zu stärken. Wir haben bereits zwei Wanderausstellungen konzipiert und durchgeführt, die auf eine sehr positive Resonanz gestoßen sind.
Unser Ziel ist es, Menschen und Institutionen noch stärker miteinander zu vernetzen und den DCB als zentrale Anlaufstelle zu etablieren. Wir möchten dazu beitragen, dass sich die verschiedenen Institutionen besser kennenlernen, enger zusammenarbeiten und so tragfähige Netzwerke entstehen, die der gesamten deutsch-chilenischen Gemeinschaft zugutekommen..
Die Fragen stellte Walter Krumbach.



