HomeKulturVillarrica–Pucón: Wie deutsche Einwanderer die Seenregion bis heute prägen

Villarrica–Pucón: Wie deutsche Einwanderer die Seenregion bis heute prägen

Städteserie Teil 6

Von Sergio Stange

Villarrica es considerada el centro histórico de la región lacustre y, a lo largo de generaciones, ha sido profundamente marcada por la inmigración alemana. Desde allí se desarrollaron la agricultura, el comercio, la navegación y el turismo en torno al lago Villarrica. Las huellas de esa historia siguen siendo visibles hasta hoy, tanto en Pucón como en toda la región.

Die Anfänge

Vor 1883 gab es zwei Versuche, eine Stadt am Ufer des Mallolafquén-Sees, des heutigen Villarrica-Sees, zu gründen. Zunächst unternahm Pedro de Valdivia einen Gründungsversuch, später wurdevon Lima aus erneut darauf gedrängt, eine Siedlung mitten im von den Mapuche beherrschtenGebiet zu errichten, das später als «La Frontera» bekannt wurde. Beide Vorhaben (1552 beziehungsweise 1554) scheiterten am Widerstand der indigenen Bevölkerung. Die Idee wurde daraufhin für fast 300 Jahre aufgegeben.

Der Villarrica-See spielte eine entscheidende Rolle bei der
wirtschaftlichen Entwicklung der Region und zählt heute gemeinsam mit dem Villarrica-Vulkan zu den wichtigsten Anziehungspunkten für den Tourismus. 

Erst 1883, nach dem Sieg der chilenischen Armee über das Volk der Mapuche und der anschließenden Friedenserklärung im sogenannten Arauco-Krieg unternahm der Staat einen dritten Gründungsversuch für Villarrica. Die neue Siedlung wurde an eine Festungsanlage angegliedert, die den neuen Bewohnern Schutz vor möglichen Angriffen der indigenen Bevölkerung bieten sollte.

Im selben Jahr wurde auch in dem Gebiet, in dem sich heute Pucón befindet, eine weitere Festung errichtet. Daraus entwickelte sich später die gleichnamige Stadt und der bekannte Kur- und Ferienort.

Die Besiedlung des Villarrica-Seebeckens und die deutsche Einwanderung

Nachdem die Frontera – die heutige Region Araucanía – unter Kontrolle gebracht worden war, begann der Staat mit der Vergabe von Land an Siedler, die bereit waren, dieses Gebiet zu erschließen und sich dort niederzulassen. Dies betraf auch die Umgebung des Villarrica-Sees. Zwischen 1883 und etwa 1889 erreichten Einwanderer aus Europa (Franzosen, Italiener, Deutsche, Schweizer, Belgier, Skandinavier, Österreicher und Engländer) die Region. Sie wurden verstreut angesiedelt, vor allem östlich des heutigen Pucón, in den Tälern und Hügeln rund um den Caburgua-See, darunter Quilaco, Paillaco, Pichares und Tilquilco.

Auch die Nähe des aktiven Vulkans Quetropillán stellte kein Hindernis für die Besiedlung dar. Die letzten Ausbrüche ereigneten sich in den Jahren 1971, 1984, 2001 und 2002.

Das Hotel El Ciervo ist in einer restaurierten Villa untergebracht und steht beispielhaft für die Verbindung von historischem Baustil und dem florierenden Tourismus in Villarrica.

Die meisten dieser Siedler widmeten sich der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft. Nicht alle hielten jedoch den harten Arbeits- und Klimabedingungen stand. Viele zogen deshalb in die entstehenden Orte Villarrica oder Pucón, wo sie sich erfolgreich integrierten und ein bedeutendes kulturelles Erbe hinterließen, das sich bis heute in Architektur, Gastronomie und gesellschaftlichem Leben widerspiegelt.

Daneben entstanden auch Orte, die überwiegend von deutschen Siedlern gegründet und bewohnt wurden. Dazu gehörte die «Colonia Quilaco», in der 1911 die erste Deutsche Schule der Seenregion gegründet wurde.

Die deutsche Bevölkerung rund um den Villarrica-See

Quilaco entstand 1906 am Ufer des Flusses Trancura im Hinterland von Pucón. Seine Gründung geht auf eine private Initiative der Gesellschaft Lanín zurück, die den Auftrag erhalten hatte, Siedler in diese Gegend zu bringen. Anfangs war der Ort nur per Fähre erreichbar, später über eine Hängebrücke. Heute führt eine Straße entlang des Flusses dorthin. Bis heute sind zahlreiche historische Häuser und große Grundstücke erhalten geblieben, von denen viele von Nachkommen der ursprünglichen Siedler bewohnt werden.

Straßen- und Ortsnamen wie Ernesto Wagner oder General Körner erinnern bis heute an den Einfluss deutscher Einwanderer in der Seenregion.

Zu den ersten Siedlern gehörten die Familien Geis, Tonk, Christ, Schroeder, Spicker, Mueller, Appel, Bathen, Schulz, Duenkler, Bremer, Traeger, Krause, Kops, Horwege, Biesterfeldt, Braatz, Lueders und Goldammer.

Das Jahr 1911 stellte einen wichtigen gesellschaftlichen Meilenstein dar, als die Deutsche Schule ihren Unterricht aufnahm. Zehn Jahre später wurde das Schulgebäude durch ein Erdbeben zerstört. Obwohl es wieder aufgebaut wurde, erschwerte der Einsturz der Hängebrücke den Schulweg vieler Kinder aus abgelegenen Gebieten. Daher wurde die Schule  schließlich mit der Deutschen Schule in Pucón zusammengelegt, die von der neu gegründeten Deutschen Schulgesellschaft betrieben wurde.

Auch in Pucón förderte die Deutsche Schule die Ansiedlung von Deutschen im Ort und seiner Umgebung. Sie bestand bis 1965. Aufgrund sinkender Schülerzahlen wurde beschlossen, die Schule nach Villarrica zu verlegen, wo die größere Bevölkerungszahl eine dauerhaft ausreichende Zahl von Schülerinnen und Schülern gewährleistete. Dort besteht sie bis heute.

Zu den alteingesessenen Familien in Pucón und Umgebung zählen unter anderem die Namen Gramer, Rascheya, Nappe, Gerlach, Soldan, Barth, Lueders, Salewsky, Schueler, Holzapfel und Goepfert.

Viele dieser Familien erwarben landwirtschaftliche Flächen im Vorandengebiet und gründeten große Viehzucht- und Forstbetriebe. In den letzten Jahren hat das steigende Interesse an Ferienhäusern zu einer Veränderung der Landschaft geführt: ehemalige Güter und historische Parks wurden in Wohnanlagen und Parzellen umgewandelt.

Deutsche Back- und Kaffeetradition lebt im Restaurant «Onces Alemanas» an der Straße Villarrica–Pucón fort.

Andere Familien erzielten Erfolge im Geschäftsleben, etwa die Familien Polack und Gudenschwager im Tourismus- und Hotelgewerbe sowie im Schiffsverkehr auf dem See. Deutsche Familiennamen finden sich auch unter bedeutenden Persönlichkeiten der Gemeinde, etwa beim ersten Bürgermeister Carlos Holzapfel. 

Villarrica entwickelte sich seit seiner letzten Gründung zum Zentrum der Seenregion, vor allem dank seiner strategischen Lage als Eisenbahnendstation. Besonders wichtig war die 1933 eröffnete Bahnlinie von Loncoche nach Villarrica, die bis 1998 in Betrieb blieb. Der Bahnhof war ein bedeutender Umschlagplatz für Waren und zugleich ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für Reisende.

Diese Funktion förderte die wirtschaftliche Entwicklung erheblich. Holz- und Landwirtschaftsprodukte aus dem Hinterland des Seebeckens wurden hier gesammelt und weitertransportiert. Davon profitierten auch Unternehmer deutscher Herkunft, darunter die Familie Weber als Eigentümerin der Mühle von Villarrica und im Bereich der Forstwirtschaft, die Familie Wagner in der Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Schifffahrt sowie die Familie Benner im Eisenwarenhandel und andere mehr.

Die Deutsche Schule Villarrica führt die lange Bildungs- und Kulturtradition der deutschen Gemeinschaft in der Seenregion fort.

Die touristische Entwicklung Villarricas wurde vor allem durch den Vulkan und den See geprägt. Bereits 1923 wurde das erste Hotel eröffnet, und schon 1924 gab es organisierte Ausflüge zum Krater des Vulkans Villarrica, zu den Thermen von Palguín und zum Vulkan Lanín. Besonders bekannt war das Hotel Yachting, das Erich Wichmann gehörte.

Eine zentrale Rolle spielten außerdem der Personen- und Güterverkehr auf dem See. Dampfschiffe und Lastkähne verbanden Villarrica, Pucón und die umliegenden Orte und transportierten Holz, Baumaterialien, Getreide, Vieh und andere lebenswichtige Güter. Mit dem Ausbau des Straßennetzes und dem Rückgang der Forstwirtschaft verlor die Seeschifffahrt jedoch zunehmend an Bedeutung.

1904 nahm Otto Gudenschwager mit dem in Handarbeit gebauten Dampfschiff «Emma» den Betrieb auf. Später kamen die Dampfschiffe «Doña Rosa», «Cóndor» und «Alessandri» hinzu. Auch das Dampfschiff «Amelie» von Ernesto Wagner spielte als Holztransporter und leistungsstarker Schlepper eine wichtige Rolle.

Zu den traditionsreichen deutschen Familien in Villarrica zählen Berkhoff, Wagner, Weber, Becker, Feuerhake, Ruff, Spiess und Stepke. Weitere deutsche Familiennamen finden sich unter bedeutenden Persönlichkeiten der Stadt, darunter der ehemalige Chefarzt von Dessauer sowie die früheren Bürgermeister Trapp, Schleyer, Kaiser, Gudenschwager und Prambs. 

Die deutsche Prägung Villarricas und Pucóns zeigt sich bis heute in zahlreichen Straßen- und Ortsnamen wie Wagner, General Koerner, Berkhoff oder Holzapfel.

Eine neue Generation von Unternehmern deutscher Herkunft ist mittlerweile in der Stadt aktiv, etwa in der Brauereibranche (unter anderem Familie von Leyser) oder im Bereich touristischer Anlagen (beispielsweise Peter Brunner).

110 Jahre Deutsche Schule Villarrica: Die Schule feiert in diesem Jahr ihr Jubiläum. 

Die lange Tradition des gesellschaftlichen Zusammenhalts der deutschen Gemeinschaft wird bis heute durch die Deutsche Schule Villarrica (DSV) fortgeführt. Sie gilt als zweisprachige Bildungs- und Kulturinstitution mit hohem akademischem Ansehen in ganz Chile und betreut rund 360 Schülerinnen und Schüler vom Kindergarten bis zur 12. Klasse.

Ebenso bedeutend ist die Lutherische Kirche, deren Kapelle derzeit wieder aufgebaut wird. Die zweisprachigen Gottesdienste werden von einem Pastor aus Temuco betreut.

Abschließend ist die jüngste Gründung der 5. Feuerwehrkompanie Germania von Villarrica hervorzuheben. Zudem befindet sich in der Stadt eine deutsche Konsularvertretung für die Region Araucanía.

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