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Vision 2050 – Neue Impulse für Chiles Schienenverkehr

Von Fabián Figueroa

Mientras los países europeos enfrentan crecientes desafíos en materia de movilidad sostenible, eficiencia energética e infraestructura moderna de transporte, Chile desarrolla cada vez más estrategias de largo plazo que también despiertan interés a nivel internacional. En este contexto, el experto ferroviario chileno Fabián Figueroa Valle analiza las perspectivas y los objetivos de la política ferroviaria chilena con miras al año 2050.

Chile hat sich in der Region als ein Land mit hohen Infrastrukturstandards etabliert – dank der kontinuierlichen Entwicklung von Projekten, die Regierungsperioden überdauern. So werden beispielsweise Flughäfen, Häfen und Autobahnen fortlaufend modernisiert. Im Eisenbahnsektor hingegen hat der Schienenverkehr trotz zahlreicher Anläufe bislang weder die Bedeutung noch den Entwicklungsstand erreicht, den der Luft- und Straßenverkehr bereits aufweisen. Die «enorme Lücke», die durch die Vernachlässigung der Eisenbahn vor mehreren Jahrzehnten entstanden ist, hat eine Erholung des Schienenverkehrs bislang verhindert.

Zur person:  Fabián Figueroa ist Experte für Infrastruktur und Eisenbahnsysteme und arbeitet als technischer Berater in den Abteilungen Güterverkehr, Betrieb und Sicherheit des Internationalen Eisenbahnverbands (UIC) mit Sitz in Paris, Frankreich. Er ist Gründer der Initiative Trenes para Chile 2050 (https://trenesparachile2050.cl) und Mitglied der Nichtregierungsorganisation Instituto Ferroviario de Chile, die sich für die Modernisierung des Eisenbahnwesens in Chile einsetzen. Der Bauingenieur (Universidad Técnica Federico Santa María) besitzt einen Masterabschluss sowohl in Eisenbahninfrastruktur und Bahnanlagen der Universitat Politècnica de Catalunya (Spanien) als auch in Eisenbahntechnologie und Management von Eisenbahnsystemen der University of Applied Sciences St. Pölten (Österreich). 
Foto: privat

Um die Wettbewerbsfähigkeit der Logistik in Chile zu stärken und die bestehenden Defizite bei der städtischen, regionalen und interregionalen Mobilität zu überwinden, sind ehrgeizige Maßnahmen erforderlich, die den bisherigen Trend grundlegend verändern. Die Eisenbahn war in Chile einst ein entscheidender Entwicklungsmotor. Heute bietet sie Antworten auf die Anforderungen moderner Mobilität, steigender Produktivität und einer nachhaltigen Verkehrsinfrastruktur.

Der demografische Wandel, die fortschreitende Urbanisierung, steigende Einkommen sowie das Wachstum von Wirtschaft, Exporten und Tourismus werden die Nachfrage nach Personen- und Güterverkehr deutlich erhöhen. Damit wächst auch der Bedarf an leistungsfähigen, sicheren und nachhaltig vernetzten Verkehrssystemen, in denen die Eisenbahn eine Schlüsselrolle einnehmen soll.

Ambitionierte Ziele für Güter- und Personenverkehr

Das Strategiepapier für eine nationale Eisenbahnpolitik bis 2050 (siehe https://trenesparachile2050.cl) versteht sich als Leitfaden für diesen Veränderungsprozess und formuliert konkrete Ziele, Leitlinien sowie eine Bestandsaufnahme des aktuellen Entwicklungsstands. Das Dokument enthält außerdem eine Vision für das Eisenbahnwesen Chiles bis zum Jahr 2050. Vorgesehen ist der Aufbau eines modernen Schienennetzes, das den öffentlichen Verkehr verknüpft, den Güterverkehr auf wichtigen Korridoren stärkt und die wichtigsten Städte Chiles effizient miteinander verbindet.

Dafür sollen die Investitionen in die Eisenbahninfrastruktur deutlich steigen – von derzeit 0,06 Prozent auf 0,40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und damit auf ein Niveau, das den OECD-Ländern entspricht.

Mit dieser Vision sind auch konkrete Zielvorgaben verbunden. Im Güterverkehr soll bis 2050 rund die Hälfte des gesamten Transportaufkommens, gemessen in Tonnenkilometern, mit besonders effizienten Verkehrsmitteln befördert werden. Dazu zählen der Schienengüterverkehr und die Küstenschifffahrt. Vergleichbare Werte erreichen heute Japan (49 Prozent) und die USA (50 Prozent); in Europa liegt dieser Anteil bei rund 75 Prozent, was vor allem auf den hohen Anteil des See- und Binnenschiffsverkehrs zurückzuführen ist. Ein weiteres Ziel besteht darin, den kombinierten Verkehr zum Rückgrat des Schienengüterverkehrs in Chile auszubauen und seinen Anteil am gesamten Landtransport auf drei bis zehn Prozent zu erhöhen – ein Niveau, das in Industrie- und Schwellenländern wie den USA, Japan, Indien und vielen europäischen Staaten bereits erreicht wird.

Vor 175 Jahren wurde Chiles erste Bahnstrecke eröffnet: Die «Locomotora Copiapó» fuhr 1851 auf der ersten, 80 Kilometer langen Eisenbahnstrecke Chiles zwischen Caldera und Copiapó.
foto : Cotoravg, CC BY-SA 4.0

Im Personenverkehr sieht das Konzept vor, dass schienengebundene Verkehrsmittel wie Straßenbahnen, U-Bahnen sowie S-Bahnen und Regionalbahnen einen bedeutenden Anteil am öffentlichen Verkehr übernehmen. Vorgesehen sind Marktanteile von 16 Prozent in Städten mit mehr als 400.000 Einwohnern – darunter Antofagasta, La Serena-Coquimbo, Valparaíso, Concepción und Temuco – sowie von mindestens 30 Prozent im Großraum Santiago. Dies schließt die Einführung von Bahnverbindungen in kleineren Städten keineswegs aus; vielmehr sollen diese über das Eisenbahnnetz mit den größeren Zentren verbunden werden. 

Für den interregionalen Personenverkehr ist die Schaffung eines rund 600 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitskorridors zwischen Valparaíso, Santiago, Rancagua, Talca, Chillán und Concepción vorgesehen, in dessen Einzugsgebiet heute rund 75 Prozent der Bevölkerung Chiles leben. Darüber hinaus werden weitere interessante Verbindungen genannt, etwa Antofagasta–Calama oder eine Verlängerung des Hochgeschwindigkeitskorridors nach La Serena-Coquimbo beziehungsweise Temuco.

Strukturen für eine moderne Eisenbahnpolitik

Das Konzept schlägt zudem ein neues Governance-Modell für den Eisenbahnsektor vor. Vorgesehen sind die Schaffung eines Ministeriums für Mobilität und kritische Infrastruktur, einer diesem Ministerium unterstellten Nationalen Eisenbahnbehörde sowie regionaler Verkehrsverbünde als Koordinierungsinstanzen. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Institutionen zu verbessern, Planungs- und Entscheidungsprozesse zu beschleunigen und Investitionen effizienter umzusetzen. Zu den zentralen Instrumenten gehören ein Nationaler Eisenbahninfrastrukturplan, die Festlegung strategischer Verkehrskorridore sowie neue Finanzierungsmodelle und öffentlich-private Partnerschaften.

Die Eisenbahnpolitik ist mit den wichtigsten nationalen Strategien in den Bereichen Verkehr, Stadtentwicklung, Energie, Klimawandel und Logistik abgestimmt und versteht sich als zentrales Instrument für eine nachhaltige, sichere und integrierte Mobilität. Ihre schrittweise Umsetzung, begleitet von strategischen Indikatoren und einer kontinuierlichen Erfolgskontrolle, soll ihre konsequente Umsetzung, Wirksamkeit und Anpassungsfähigkeit langfristig sicherstellen und die Eisenbahn bis 2050 als eine tragende Säule der Entwicklung Chiles etablieren.

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